Friedrich Merz: "Ich bin es einfach leid!" - Merz-Video löst Empörungswelle aus
Bundeskanzler Friedrich Merz stellte sich im ZDF-Sommerinterview den Fragen von Diana Zimmermann. Bild: picture alliance/dpa/ZdF | Dominik Asbach
Von news.de-Redakteurin Anika Bube
21.07.2026 06.50
- Instagram-Video von Friedrich Merz sorgt nach ZDF-Sommerinterview für heftige Kritik
- Zahlreiche Nutzer werfen dem Kanzler mangelnde Selbstreflexion vor
- ZDF-Faktencheck bestätigt Merz-Aussagen
Friedrich Merz hat mit einem Ausschnitt aus dem ZDF-Sommerinterview auf Instagram eine Welle der Empörung ausgelöst. In dem Video beklagt der Bundeskanzler, dass Deutschland permanent schlechtgeredet werde, und verweist auf die boomende Gründerszene als Gegenbeweis.
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"Ich bin es einfach leid!" Friedrich Merz erzürnt im ZDF-Sommerinterview
"Wir sehen eine Zahl von Unternehmensgründungen durch junge Menschen in nie gekannter Zahl", erklärte Merz im Interview. Bereits in der ersten Jahreshälfte 2026 seien nahezu so viele Firmen entstanden wie im gesamten Vorjahr – das selbst schon Rekordwerte erreicht habe. "Ich bin es einfach leid, dass nur schlecht geredet wird über Deutschland", so der Kanzler. Seinen Instagram-Post versah er mit dem Appell: "Unser Land steckt voller Chancen. Nutzen wir sie mit Zuversicht." Die Reaktionen fielen allerdings deutlich weniger zuversichtlich aus.
"Wie wenig Selbstreflexion kann man haben?" Bundeskanzler erzürnt das Netz
Die Kommentarspalte unter dem Kanzler-Post verwandelte sich rasch in ein Ventil für aufgestauten Frust. "Nein, Herr Bundeskanzler, SIE reden schlecht über die Bevölkerung, die Sie gewählt hat", lautete einer der meistgelikten Beiträge. Zahlreiche Nutzer warfen Merz vor, selbst wiederholt abfällig über die Bürger gesprochen zu haben – von angeblicher Faulheit bis hin zu Beleidigungen ganzer Bevölkerungsgruppen.
Besonders häufig hielten ihm Kommentatoren seine desaströsen Zustimmungswerte vor. "85 Prozent, Herr Merz. Sie sind doch ein Zahlenmensch", schrieb ein Nutzer und verwies darauf, dass bei solchen Werten die Suche nach Unterstützern zur echten Herausforderung werde. Statt im Fernsehen "wie ein beleidigter Junge" zu jammern, solle der Kanzler lieber in sich gehen und reflektieren, forderte ein anderer. Die Regierung komme laut mehreren Kommentaren nur noch auf Zustimmungswerte von rund 14 Prozent.
Millionär im Kanzleramt: Trump-Vergleiche und Rücktrittsforderungen
Auch Merz' persönlicher Hintergrund geriet ins Visier der Kritiker. "Ein Millionär als Bundeskanzler geht gar nicht. Dieser Mann hat absolut den Bezug zur arbeitenden Bevölkerung verloren... oder noch nie gehabt", hieß es in einem vielbeachteten Kommentar. Andere zogen Parallelen zum ehemaligen US-Präsidenten: Merz werde zunehmend zur "deutschen Version von Trump", der sich selbst als besten Regierungschef aller Zeiten feiere, während die Bevölkerung leide.
Mehrere Nutzer forderten den Kanzler offen zum Rücktritt auf. "80 Prozent der Wähler sind absolut unzufrieden mit deiner Arbeit und du versuchst dich da immer noch rauszureden", brachte es ein Kommentator auf den Punkt. Ein anderer fasste die Stimmung in fünf Worten zusammen: "Ich bin SIE einfach leid" – eine bewusste Umkehrung von Merz' eigener Formulierung aus dem Interview.
Faktencheck: Merz hat bei den Gründungszahlen recht
Doch wie steht es um die Substanz hinter der Kanzler-Aussage? Das ZDF hat die genannten Zahlen überprüft – und Merz im Kern bestätigt. Laut einer Anfang Juli veröffentlichten Erhebung des Startup-Verbands entstanden zwischen Januar und Ende Juni 2026 insgesamt 3.053 neue Startups in Deutschland. Das entspricht einem Plus von 52 Prozent gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025 und übertrifft sogar das komplette Jahr 2024. Es handelt sich um das gründungsstärkste Halbjahr seit Beginn der Datenerfassung 2019.
Angetrieben wird der Boom vor allem durch Gründungen im Bereich Künstliche Intelligenz. Gleichzeitig wird die Szene jünger: Der KfW-Gründungsmonitor beziffert das Durchschnittsalter der Gründerinnen und Gründer für 2025 auf 34,2 Jahre. Vier von zehn waren unter 30 – ein Rekordwert, der bereits 2024 erreicht worden war.
Richtige Zahlen, falsches Gesamtbild?
Allerdings liefert der ZDF-Faktencheck auch eine wichtige Einschränkung: Die Gründungswelle dürfte die massiven Stellenstreichungen in der deutschen Industrie kaum kompensieren. Ein durchschnittliches Startup beschäftigte 2025 gerade einmal 15,8 Mitarbeiter – zwei Jahre zuvor waren es noch 18,9 gewesen. Die Betriebe werden also nicht nur zahlreicher, sondern gleichzeitig kleiner.
Auch das Statistische Bundesamt zeichnet ein differenzierteres Bild: Im ersten Quartal 2026 standen zwar 37.500 Gründungen größerer Unternehmen nur 28.400 Geschäftsaufgaben gegenüber, und die Gewerbeanmeldungen stiegen um gut zehn Prozent. Doch gegen die Entlassungswellen bei den großen Industriekonzernen wiegt das wenig. Merz liegt mit seinen Gründungszahlen also grundsätzlich richtig – die Schlussfolgerung, damit sei das Schlechtreden widerlegt, teilen seine Kritiker offensichtlich nicht.
Das komplette ZDF-Sommerinterview mit Friedrich Merz können Sie in der ZDF-Mediathek schauen.
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