Politik

Selenskyjs neue Strategie: Luftkrieg eskaliert - Ukraine jagt Hunderte Drohnen auf Moskau

Wolodymyr Selenskyj erklärt den Himmel zum nächsten Schlachtfeld. Bild: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

  • Artikel teilen:
  • Moskau meldet einen massiven ukrainischen Drohnenangriff mit Hunderten Fluggeräten
  • Präsident Selenskyj sieht den Luftkrieg inzwischen als entscheidendes Schlachtfeld
  • Trotz Erfolgen bei Langstrecken-Drohnen bleibt der Mangel an Patriot-Munition ein großes Problem

Die ukrainischen Streitkräfte haben in der Nacht zum Dienstag einen groß angelegten Drohnenangriff auf die russische Hauptstadt gestartet. Nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin wurden rund 430 unbemannte Flugkörper in Richtung Moskau geschickt.

Weitere aktuelle Meldungen aus dem Politik-Ressort finden Sie am Ende dieses Artikels.

Nach russischen Angaben konnte die Luftabwehr den Großteil der Drohnen bereits weit vor der Stadt abfangen. "36 feindliche Drohnen wurden beim Anflug auf Moskau zerstört", erklärte Sobjanin am Dienstagmorgen in sozialen Netzwerken. Eine unabhängige Bestätigung der von russischer Seite genannten Zahlen liegt derzeit nicht vor.

Selenskyj erklärt Himmel zum "nächsten Schlachtfeld"

Für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj entscheidet sich der Krieg zunehmend in der Luft. Im Gespräch mit der Financial Times erklärte er: "Wenn sie den Feind am Schlachtfeld stoppen, wenn sie den Krieg an Land aufhalten und wenn sie ihm die Seeherrschaft nehmen, wie wir es getan haben, dann wird der Himmel zum nächsten Schlachtfeld." Nach seiner Einschätzung sei dieser Punkt inzwischen erreicht. "Und in der Luft sind wir bereits wettbewerbsfähig", betonte Selenskyj.

Besonders die Entwicklung ukrainischer Langstrecken-Drohnen habe den Kriegsverlauf verändert und dazu beigetragen, "Russlands Militärmaschine zu schwächen". Dies habe nach seiner Darstellung auch die Sicht von US-Präsident Donald Trump auf den Krieg beeinflusst.

Ukrainische Drohnen fliegen inzwischen bis nach Sibirien

Die Reichweite ukrainischer Angriffe nimmt weiter zu. Bereits am Montag griffen Drohnen laut ukrainischen Angaben beziehungsweise russischen Berichten Ziele tief im russischen Landesinneren an. Betroffen war unter anderem eine Ölraffinerie in Omsk in Sibirien. Auch in Nowosibirsk wurde erstmals Drohnenalarm ausgelöst. Die Millionenstadt liegt mehr als 3000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Mit solchen Langstreckenangriffen versucht Kiew, die russische Ölindustrie und damit eine wichtige wirtschaftliche Grundlage des Landes zu treffen.

Trotz Drohnen-Erfolgen bleibt Patriot-Munition knapp

So erfolgreich die Ukraine ihre Drohnenflotte ausbaut, so groß bleibt nach Angaben Selenskyjs eine entscheidende Schwäche: der Schutz vor russischen ballistischen Raketen. Der Präsident hatte in den vergangenen Wochen mehrfach auf einen kritischen Mangel an Munition für die Patriot-Flugabwehrsysteme hingewiesen. Diese gelten aus ukrainischer Sicht als das wirksamste Mittel gegen ballistische Angriffe. Während Kiew seine Offensivfähigkeiten im Luftkrieg deutlich ausgebaut hat, bleibt die Verteidigung weiterhin stark von westlichen Waffenlieferungen abhängig.

Weitere Meldungen aus dem Politik-Ressort finden Sie hier:

/gom/news.de/stg

Themen

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.