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AfD beim Landesparteitag in Passau: Alice Weidel droht Entmachtung wegen internen Konkurrenzkämpfen

Beim AfD-Landesparteitag in Passau geht es um weit mehr als nur den bayerischen Vorsitz. Bild: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

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  • AfD trifft sich zu Landesparteitag in Passau
  • Machtkampf innerhalb rechtsextremer Partei droht zu eskalieren
  • AfD-Machtgefüge gerät ins Wanken - Alice Weidel drohen herbe Verluste

In der Passauer Dreiländerhalle – jenem Ort, an dem traditionell die CSU beim Politischen Aschermittwoch verbal austeilt – fliegen an diesem Wochenende bei der AfD die parteiinternen Fetzen. Der bayerische Landesparteitag am 20. und 21. Juni entwickelt sich zum Schauplatz eines erbitterten Machtkampfs zwischen dem amtierenden Landeschef Stephan Protschka und seinem Herausforderer Reinhard Mixl.

AfD trifft sich zu Bayern-Parteitag in Passau - Machtgefüge droht zu entgleisen

Doch es geht um weit mehr als nur den Vorsitz im Freistaat. Die Entscheidung in Passau könnte das Machtgefüge der gesamten Bundespartei verschieben. Parteichefin Alice Weidel beobachtet das Geschehen mit Anspannung: Sie unterstützt den bisherigen Landeschef Protschka. Doch sollte dessen Konkurrent Mixl gewinnen, droht eine Allianz mehrerer Landesverbände, die Weidels Einfluss beim Bundesparteitag am 4. Juli in Erfurt empfindlich beschneiden könnte. Parallel zum innerparteilichen Ringen formiert sich draußen Widerstand – rund 5.000 Demonstrierende werden erwartet.

AfD zerfleischt sich selbst mit persönlichen Fehden statt ideologischer Grabenkämpfe

Die beiden Kontrahenten verbindet mehr, als sie trennt, wie die "Bild" und der Bayerische Rundfunk ausführen: Sowohl Protschka (48) als auch Mixl (65) stammen aus Niederbayern und sitzen für die AfD im Bundestag. Wer einen Richtungsstreit zwischen Gemäßigten und Radikalen erwartet, liegt falsch. In beiden Lagern finden sich Vertreter völkischer Positionen. Die Fronten verlaufen entlang persönlicher Feindschaften und verletzter Eitelkeiten. Wie vergiftet die Atmosphäre inzwischen ist, offenbart ein der "Bild" vorliegendes Schreiben Protschkas an die Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla. Darin beklagt er parteiinterne Drohungen und wirft dem gegnerischen Lager vor, von "externen Netzwerken" beeinflusst zu werden – ein Vorwurf, den Mixls Team zurückweist.

Alice Weidel droht Machtverlust nach AfD-Parteitag in Bayern

Mit knapp 12.000 Mitgliedern zählt Bayern zu den größten AfD-Landesverbänden – politisch spielte er bislang dennoch eine untergeordnete Rolle. Zu zerstritten, zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Von dieser Schwäche profitierte bisher vor allem Alice Weidel, deren baden-württembergischer Landesverband im Süden unangefochten dominiert.

Genau dieses Kräfteverhältnis steht nun auf dem Spiel. Aus Parteikreisen heißt es, Mixl könne den zerrütteten Landesverband befrieden und Bayern endlich als ernstzunehmenden Machtfaktor positionieren. Bereits jetzt kursieren Gerüchte über eine mögliche Allianz mit Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Das Ziel dieser Koalition: mehr Einfluss auf die Wahl des neuen Bundesvorstands beim Parteitag am 4. Juli in Erfurt. Aus einem kalkulierbaren Treffen könnte so eine offene Machtprobe werden – mit Kratzern an Weidels Führungsanspruch und einem Bundesvorstand, der weniger geschlossen hinter ihr steht.

Ausgang von AfD-Parteitag nicht absehbar

Wer am Ende die Oberhand behält, lässt sich kaum vorhersagen. Anders als bei anderen Parteien entscheiden bei der AfD keine Delegierten – alle Mitglieder dürfen am Landesparteitag teilnehmen und abstimmen. Das Ergebnis hängt damit maßgeblich davon ab, welches Lager mehr Anhänger nach Passau bringen kann.

Die derzeit herrschende Hitzewelle könnte dabei zum unerwarteten Faktor werden. Beide Seiten haben in den vergangenen Wochen intensiv um Unterstützung geworben: per E-Mail, in sozialen Medien und bei Veranstaltungen in Kreisverbänden. Wenige Stunden vor Beginn des Landesparteitages in Passau fand in Greding eine kurzfristig einberufene Veranstaltung statt, die Protschka den Rücken stärken sollte. Doch die Ausgangslage für den Amtsinhaber erscheint schwierig: Große Teile des Landesvorstands sollen bereits hinter Herausforderer Mixl stehen. Protschka gilt im eigenen Vorstand als isoliert.

Anti-AfD-Proteste in Passau: Tausende demonstrieren vor der Dreiländerhalle

Während drinnen um Posten gerungen wird, formiert sich draußen breiter Widerstand. Insgesamt acht Demonstrationen wurden gegen den AfD-Parteitag angemeldet, die Veranstalter rechnen mit rund 5.000 Teilnehmern. Die größte Protestaktion mit etwa 2.000 Menschen soll direkt vor der Dreiländerhalle stattfinden.

Die Polizei begleitet das Wochenende mit einem Großaufgebot von rund 1.000 Einsatzkräften. Drohnen, Reiterstaffeln und Absperrgitter rund um die Halle sollen für Sicherheit sorgen. Aus den Reihen der Demonstranten kommt daran Kritik. "Bei dem, was Stadt und Polizei auffahren, könnte man meinen, es stünden uns Straßenschlachten bevor", sagte Anna Buchbinder von "Niederbayern Nazifrei" der "Passauer Neuen Presse". Das sei "völlig realitätsfern", da man bunte, vielfältige Kundgebungen plane.

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