Potsdam: Beauftragte warnt vor DDR-Nostalgie ohne Blick aufs Unrecht
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Erstellt von Sarah Knauth
08.06.2026 12.25
Die Brandenburger Aufarbeitungsbeauftragte Maria Nooke hat angesichts einer wachsenden Nostalgie vor der Verharmlosung der DDR gewarnt. "Je weiter die Zeit voranschreitet, desto positiver wird das Leben in der DDR gesehen und bewertet", sagte die Beauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Maria Nooke, bei der Vorstellung ihres neuen Berichts. Emotionen und Klischees übertrügen sich auf Kinder und Enkel, ohne dass sie von Ursachen und Zusammenhängen wüssten. "Gleichzeitig gerät mit dem Erstarken nostalgischer Gefühle und Einstellungen der Diktatur-Charakter der DDR aus dem Blick."
Die frühere Vize-Direktorin der Stiftung Berliner Mauer warnte mit Blick auf die Betroffenen: "Für diejenigen, die sich in der DDR nicht angepasst haben, sondern politisches Unrecht erlitten haben, ist diese Verharmlosung unverständlich und schwer zu ertragen." Es sei nötig, weiter über die DDR-Geschichte und die SED-Diktatur aufzuklären und auch den Opfern Unterstützung zu geben, sagte Nooke. Knapp 1.300 Menschen suchten in den Jahren 2024 und 2025 bei der Beauftragten Rat, rund 700 davon wandten sich nach ihren Angaben erstmals an sie.
Mehr als 4.300 Menschen bekommen Opferrente
Das Land Brandenburg zahlte Ende 2025 an 4.352 Betroffene eine SED-Opferrente. Die Zahl der Anträge schnellte nach Angaben der Beauftragten von 166 im Jahr 2024 auf 412 im vergangenen Jahr hoch. Mit einer Novellierung im vergangenen Jahr werde nicht mehr das Einkommen geprüft, sondern alle bekämen die Opferrente oder Ehrenpension, die mindestens 90 Tage in Haft waren, sagte Nooke.
Für Opfer politischer Verfolgung wird es nach ihren Angaben leichter, eine Anerkennung für dadurch ausgelöste Gesundheitsschäden zu erhalten. Eine gesetzliche Vermutungsregelung sei rückwirkend zum 1. Juli 2025 in Kraft getreten, sagte Nooke. Nur 133 Betroffene hätten zum Jahresende 2025 in Brandenburg eine Beschädigtenrente erhalten, weil ihre Gesundheitsschäden anerkannt wurden. Das sei im Vergleich zur Opferpension ein verschwindend geringer Prozentsatz.
Auch zwangsweise Ausgesiedelte bekommen Einmalzahlung
Viele DDR-Heimkinder wüssten nicht, dass eine Rehabilitierung von der Einweisung in Spezialkinderheime mit der Einführung der Vermutungsregelung seit 2019 einfacher geworden sei, sagte die Beauftragte. Sie verwies auch darauf, dass per Zwang ausgesiedelte Menschen aus dem innerdeutschen Grenzgebiet eine Einmalzahlung von 7.500 Euro als Anerkennung des Unrechts erhielten. Sie sprach von einer Schätzung von 12.000 Zwangsausgesiedelten 1952 und 1961, viele seien bereits verstorben.
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