Leo XIV. auf Spanien-Reise: Papst geißelt Abschottung und völkisches Denken
Papst Leo XIV. (r), der US-Amerikaner Robert Prevost, auf dem Balkon des Petersdoms im Vatikan. Bild: picture alliance/dpa | Oliver Weiken
Erstellt von Sarah Knauth
07.06.2026 14.25
Papst Leo XIV. hat sich zum Auftakt seiner einwöchigen Spanien-Reise klar gegen rechtspopulistische Tendenzen in der Welt und die Verschärfung des politischen und gesellschaftlichen Klimas positioniert. "Heute scheint die Versuchung, durch das Schüren von Polarisierungen an Popularität zu gewinnen, eher zu wachsen als abzunehmen; die Menschenwürde wird weiterhin verletzt", beklagte das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken bei einer Rede am Samstag. Zu einer Messe unter freiem Himmel in Madrid kamen geschätzt 1,2 Millionen Menschen - mehr als je zuvor, seit der US-Amerikaner Robert Prevost im Mai vergangenen Jahres zum Papst gewählt wurde.
Gegen eine Welt mit "Gespenstern und Feinden"
Leo erwähnte keine bestimmten rechtspopulistischen Parteien noch US-Präsident Donald Trump, doch es sei stets klar, wen er mit seinen subtilen Botschaften meinte, schrieb die spanische Zeitung "El País". Er warnte vor "identitätsbasierten Ansätzen, die alles erklären zu können glauben, aber die Welt mit Gespenstern und Feinden füllen". Er forderte, statt auf "Waffen und Mauern" zu setzen, die Vielschichtigkeit der Welt als Bereicherung anzunehmen. Es gehe darum, gemeinsam voranzugehen. Notwendig sei eine Bildungsinitiative, Hass müsse Dialog und Versöhnung weichen. "Vermeiden wir Worte, die erniedrigen oder gegeneinander aufbringen", sagte Leo.
Auch bei der Messe unter freiem Himmel am Sonntag auf der Plaza de Cibeles warnte der Papst vor Kräften, die unter dem Banner des Christentums christliche Werte missachten. "Niemand kann vor dem Herrn knien und seinen Bruder verachten", sagte der Pontifex.
Leo als Hoffnungsträger in einer "ungemütlichen" Welt
Teilnehmer äußerten sich positiv zum Papst. "Die 500 Euro für zwei Nächte in einem miesen Hotel haben sich gelohnt", meinte Helmut aus Hamburg. "In unserer immer verrückteren und ungemütlichen Welt ist Leo mit seinen klaren Botschaften einer unserer größten Hoffnungsträger", sagte er.
Die wenigsten wollen im stark polarisierten Spanien vor der Messe öffentlich über Politik sprechen. Eine Ausnahme ist Juan Alberto. "Ich bin nicht religiös, aber seit Franziskus und nun mit Leo passiert in der Kirche etwas, das ich unterstützen möchte", sagt der aus Murcia angereiste 23-Jährige. Dass Leo sich mit Trump anlege, halte er für sehr wichtig. "Vielleicht färbt ein wenig dieses Muts auf die zumeist feigen Führer Europas ab", sagte er.
Papst sieht Europa in besonderer Verantwortung
Angesichts einer zunehmenden Polarisierung der Politik nicht nur in Spanien mahnte der Papst, auf "spaltende und polarisierende Äußerungen" zu verzichten. Statt "fruchtloser Vereinfachungen" der Gegenwart müsse man zu einer "fruchtbaren Anerkennung ihrer Komplexität" gelangen. Europa habe hier eine besondere Berufung. "Das ist das Geschenk, das der Alte Kontinent der Welt machen kann", sagte der Pontifex.
Bei einer Begegnung mit Vertretern des Staates, der Zivilgesellschaft und ausländischen Diplomaten in Madrid bedauerte der Papst zudem, dass "die Botschaft des Friedens in diesen Zeiten leider für manche naiv und für andere provokativ klingt". Trump hatte ihn nach Kritik am Iran-Krieg im Mai scharf angegriffen und aufgefordert, sich gefälligst aus der Politik herauszuhalten. Zugleich veröffentlichte er ein Gemälde von sich selbst als Jesus. Der Pontifex dankte Spanien, dessen linke Regierung sich ebenfalls bereits Trumps Zorn zuzog, für die "Treue zum Völkerrecht und zum Multilateralismus".
Papst spricht fließend Spanisch
Unter dem Motto "Erhebt den Blick" besucht der Papst bei dem rund einwöchigen Aufenthalt in Spanien nach der Hauptstadt Madrid auch Barcelona und die Kanarischen Inseln. Leo spricht fließend Spanisch, nachdem er viele Jahre in Peru als Missionar und Bischof tätig war. Große Beachtung dürften die Segnung des Jesus-Turms der Basilika Sagrada Família in Barcelona am Mittwoch - am 100. Todestag des Architekten Antoni Gaudí - und zwei Treffen auf den Kanaren mit Migranten aus Afrika finden.
Kritik von Missbrauchsopfern
Aus Kreisen von Opferorganisationen, die eine Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen fordern, wurde Kritik laut, dass der Papst sich bei dem Besuch nur mit wenigen Opfern und unter Ausschluss der Öffentlichkeit treffen wolle. Offenbar gehe es darum, das Thema zu "verstecken", wie die Zeitung "El País" berichtete.
Der Vatikan teilte nur Stunden vor dem Besuch mit, der Heilige Vater werde mit einigen Opfern von Missbrauch durch Geistliche in Spanien zusammentreffen. Dieses soll voraussichtlich am Montagnachmittag stattfinden. Ob es dazu Informationen geben werde, hänge vom Willen und dem Respekt der Privatsphäre der Opfer ab. Opferverbände betonten, sie wüssten nichts von einer Einladung. Leo selbst bezeichnete die Missbrauchs-Skandale auf dem Hinflug als "offene Wunde" der katholischen Kirche.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de