Politik

Wladimir Putin: Überraschung an der Front - Putin-Soldaten mit kurioser Zebra-Tarnung 

Seine Truppen wurden vermehrt in Zebra-Tarnung gesichtet - Wladimir Putin holt altbewährte "Dazzle"-Tarnung zurück an die Front. Bild: dpa/Kremlin Poo/Planet Pix via ZUMA Press Wire/Vyacheslav Prokofyev

  • Artikel teilen:
  • Bilder im Netz von kurioser Zebra-Aufmachung russischer Truppen
  • Wladimir Putin setzt auf alte Kriegstaktik -"Dazzle"-Tarnung feiert Comeback im Ukraine-Krieg
  • Verwirrung stiften - können ukraine-Drohnen die Zebra-Tarnung nicht erkennen?
  • Experimentierfreudigkeit in Sachen Kriegsführung - Russland probiert sich aus

Wladimir Putin setzt im Ukraine-Krieg auch auf ungewöhnliche Methoden der Kriegsführung. Bereits vor Wochen schmunzelte das Netz über Bilder, die eine Art "fahrendes Haus" zeigen. Nun tauchen neue Bilder auf, die russische Truppen mit ungewöhnlicher Zebra-Musterung zeigen. Auf X verbreiteten sich zahlreiche Aufnahmen in Windeseile. 

Hinter dem ungewöhnlichen Safari-Look steckt jedoch ein gewolltes System. Wladimir Putin greift dabei auf eine bewährte Kriegsmethodik zurück, die bereits im Ersten Weltkrieg angewandt wurde.

Putin-Soldaten in Zebra-Tarnung - das steckt hinter der ungewöhnlichen Aufmachung

Die Muster erinnern dabei an Zebrastreifen oder organische, blattartige Wirbel. Sie bedecken nahezu alle Außenflächen der Fahrzeuge – einschließlich Räder und Reifen. Diese sogenannte "Dazzle"-Tarnung soll die Bilderkennungssysteme von KI-gesteuerten Drohnen verwirren.

Besonders im Visier stehen dabei semi-autonome Drohnen wie die US-amerikanische Hornet-UAV, die mit einer Reichweite von bis zu 200 Kilometern operiert und automatisierte Zielerfassung nutzt, berichtet unter anderem das Nachrichtenportal "The War Zone".

Kriegstaktik aus dem Ersten Weltkrieg kehrt zurück

Die Technik hat demnach historische Wurzeln. Im Jahr 1917 entwickelte der britische Kriegskünstler Norman Wilkinson die sogenannte "Dazzle"-Tarnung für die Royal Navy. Ziel war es, die Verluste durch Angriffe deutscher U-Boote zu reduzieren.

Das Prinzip basiert auf stark kontrastierenden Farbblöcken in geometrischen Mustern. Diese brechen die Form eines Schiffes optisch auf und erschweren es, Entfernung und Perspektive korrekt einzuschätzen. Ursprünglich sollte die Tarnung das menschliche Auge täuschen, das durch ein Periskop blickte.

Auch nach der Einführung verbesserter Entfernungsmesser und Radar behielt die Methode ihren Nutzen. Kurs und Geschwindigkeit eines Schiffes ließen sich schwerer bestimmen. Im Zweiten Weltkrieg kam die Technik erneut zum Einsatz.

Kreml-Diktator setzt auf alt bewährte Kriegsführung - auch wenn sie kurios erscheint

Das Grundprinzip bleibt dasselbe wie vor über hundert Jahren – nur das Ziel hat sich verändert. Statt menschlicher Augen sollen nun die elektro-optischen und Infrarotkameras autonomer Drohnen in die Irre geführt werden.

Die russische Gegenmaßnahme zielt auf eine Schwachstelle dieser Technologie ab: Wird das Erscheinungsbild eines Fahrzeugs ausreichend verzerrt, kann die KI es möglicherweise nicht mehr eindeutig identifizieren. Ein Ural-Lastwagen etwa würde dann nicht mehr die Erkennungsschwelle erreichen, die einen Angriff auslösen würde.

Wie wirksam ist Putins Zebra-Tarnung gegen ukrainische Drohnen?

Die Wirksamkeit der Methode ist jedoch fraglich. Während die Muster autonome Suchsysteme möglicherweise täuschen, bleiben bei vielen KI-gestützten Drohnen menschliche Operatoren für kritische Entscheidungen verantwortlich. Für diese sind die schwarz-weiß bemalten Fahrzeuge deutlich auffälliger als ihre standardlackierten Gegenstücke.

Ein weiteres Problem: Drohnen könnten gezielt darauf trainiert werden, nach genau diesen Mustern zu suchen. Da kein anderes Objekt auf dem Schlachtfeld so aussieht, wären die Fahrzeuge automatisch als feindlich identifiziert.

Auch technische Grenzen bestehen. Während elektro-optische Sensoren durch die Muster beeinträchtigt werden könnten, bleiben Infrarotsensoren – besonders bei längeren Wellenlängen – möglicherweise unbeeindruckt. Die Tarnung schützt also nicht gegen alle Erkennungsmethoden.

Kreml-Chef verzweifelt? Putin setzt vermehrt auf Improvisation 

Die Dazzle-Lackierung reiht sich ein in eine Serie improvisierter Schutzmaßnahmen russischer Streitkräfte. Bereits in der Frühphase des Krieges wurden Lastwagen mit Baumstämmen beladen, um sie vor kinetischen Angriffen zu schützen. Später folgten immer komplexere Konstruktionen wie "Cope Cages", "Schildkrötenpanzer", Netze und Stachelaufsätze auf Fahrzeugen beider Seiten.

Auch wenn sich die Zebra-Tarnung in der Vergangenheit durchaus bewährt hat - es bleibt fraglich, ob Wladimir Putin sich dadurch einen entscheidenden Vorteil im Ukraine-Krieg verschaffen kann.

Weitere Themen, die sich ebenfalls mit Russland und der Ukraine beschäftigen:

/sfx/news.de/stg

Themen

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.