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Kommunalpolitik-Influencer: Jung, begeistert, Stadtrat? Warum das eine seltene Kombi ist

Täglich bestens informiert mit den aktuellen Nachrichten auf news.de (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / natali_mis

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Wer macht, dass der Bus fährt? Wer stattet die Schulen aus und betreibt die Schwimmbäder? Die Städte und Gemeinden! "Wenn man durch die Stadt läuft, dann hat alles irgendwie mit Kommunalpolitik zu tun", findet der 20-jährige Stadtrat Benedikt Döllmann. Deshalb sei Kommunalpolitik für ihn "extrem cool." Döllmann (Grüne) sitzt seit seinem 18. Lebensjahr im Stadtrat von Tübingen und stellt damit in Baden-Württemberg eher eine Ausnahme dar. Denn laut Zahlen der Hochschule Kehl waren 2022 nur knapp zwei Prozent der Stadt- und Gemeinderäte im Südwesten unter 25 Jahre alt. Junge Menschen sind laut Professor Jürgen Fleckenstein, der an der Hochschule Kehl zu Kommunalrecht forscht, im Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil stark unterrepräsentiert. Warum engagieren sie sich so wenig?

Alt, lokal, uninteressant?

Döllmann meint dazu: "Ich würde das nicht nur jungen Menschen zuschreiben, sondern insgesamt ist Kommunalpolitik ein Thema, das viele Leute nicht wirklich begeistert." Das deckt sich mit Beobachtungen von Fleckenstein. "Generell sind immer weniger Menschen bereit, sich zu engagieren", stellt Fleckenstein fest. Döllmann ist nicht nur Stadtrat, sondern auch eine Art Kommunalpolitik-Influencer. Auf

Instagram

und

TikTok

nimmt er mehr als 50.000 Menschen mit durch seinen Alltag als Stadtrat und erklärt auch immer wieder, wie Kommunalpolitik allgemein funktioniert. Seine Mission: Kommunalpolitik wieder cool machen. Und es scheint zu funktionieren, wie er erzählt. Es würden ihm immer wieder Menschen schreiben, die wegen seines Contents den Entschluss gefasst hätten, sich zu engagieren.

Etwa 60 Prozent der Gemeinderäte in Baden-Württemberg sind, so Fleckenstein, älter als 55 Jahre. Deshalb befürchtet er, dass die Interessen junger Menschen unberücksichtigt bleiben, wenn die Älteren nicht darauf hinwirken. Auch Döllmann teilt diese Einschätzung: "Der Sinn von Demokratie ist, dass alle vertreten werden. Wenn keine jungen Leute im Rathaus sitzen wird auch keine gute Politik für uns gemacht. Gerade bei Themen wie der Klimakrise fehlen junge Stimmen und auch die Perspektive von Generationen nach uns."

Eine Frage der Größe

Döllmann selbst sitzt mit Tübingen in einem Stadtrat mit mehr jungen Mitgliedern und gibt an, sich stets ernst genommen zu fühlen. In größeren Städten in Baden-Württemberg passe das ins Bild, so Fleckenstein. Es sei in letzter Zeit ein gegenläufiger Trend zu beobachten gewesen. In größeren Städten habe sich die Zahl der Kandidierenden erhöht, hier gebe es keine Schwierigkeiten die Sitze im Gemeinderat zu besetzen. "In kleineren Gemeinden wird es generell immer schwieriger, Kandidatinnen und Kandidaten zu finden, und zwar in allen Altersgruppen. Deshalb konnten in manchen Gemeinden gar nicht mehr alle Gemeinderatssitze oder Sitze in den Ortschaftsräten besetzt werden.", erklärt Fleckenstein.

Warum gibt es so wenig junges Engagement?

"Rückblickend habe ich das Gefühl, ich habe manchmal zu positiv auf Social Media über Kommunalpolitik gesprochen und zu wenig gezeigt, dass es auch einfach anstrengend ist. Ich fange morgens in der Uni an und bin dann oft bis um 23 Uhr im Rathaus oder Landratsamt", erzählt Döllmann, der Umweltnaturwissenschaften studiert, über sein Amt. Er schätzt, dass er pro Woche rund 20 Stunden Arbeit in die Kommunalpolitik investiert, so viel wie bei einem Teilzeitjob. Und das alles ohne Bezahlung, denn Kommunalpolitik ist ein Ehrenamt.

So zeitintensiv wie es ist, könnte es einer der Gründe sein, warum sich so wenig junge Menschen engagieren, mutmaßt Fleckenstein. Außerdem würden junge Menschen für Studium oder Ausbildung häufig ihre Heimatstadt verlassen. Auch das könnte ein Hemmnis sein.

Ein Jugendgemeinderat kann helfen

Neben dem Gemeinderat gibt es in Baden-Württemberg aber noch eine Möglichkeit für junge Menschen sich zu engagieren: die Jugendgemeinderäte. Auch Döllmann war zuerst im Jugendgemeinderat von Tübingen. "Was meine Generation abschreckt, ist das Gefühl, man wird da alleine als einziger junger Mensch in einem Raum sitzen mit Leuten, die alle doppelt oder dreimal so alt sind wie man selbst, und man wird nicht ernst genommen. Da hat mir der Jugendgemeinderat total geholfen."

Jugendgemeinderäte können Gemeinderäte beratend und planerisch bei Themen, die die Jugend betreffen, unterstützen. Ein Stimmrecht haben sie aber nicht. Wie viele junge Menschen sich in Baden-Württemberg in Jugendgemeinderäten engagieren, ist statistisch nicht erfasst. "Jugendgemeinderäte gibt es bei weitem nicht in allen 1101 baden-württembergischen Gemeinden, sondern nur etwa in 90, sodass diese Art der Repräsentation häufig ausfällt", ordnete Fleckenstein ein. Das liege aber oft nicht an der mangelnden Bereitschaft der Gemeinden, sondern daran, dass sich nicht genug junge Menschen finden würden, die bereit wären ein Amt zu übernehmen.

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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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