"So ernst wie nie!": Bundeswehr warnt vor Kriegsgefahr in Europa
Alarmierende Worte aus der Spitze der Bundeswehr Bild: AdobeStock / Kozioł Kamila
Von news.de Redakteurin Anika Bube
25.04.2026 15.51
- Bundeswehr stellt erstmals umfassende Militärstrategie vor
- Generalinspekteur warnt vor "ernstester Bedrohung" seiner Laufbahn
- 2029 könnte Russland zu großem Nato-Angriff fähig sein
Die Bundeswehr hat einen historischen Schritt vollzogen: Zum ersten Mal überhaupt wurde eine umfassende Militärstrategie für die deutschen Streitkräfte veröffentlicht. Generalinspekteur Carsten Breuer präsentierte im YouTube-Format "Nachgefragt" die neue Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung, die auf zwei tragenden Säulen ruht.
Das Konzept verbindet eine Militärstrategie zur Festlegung der Ziele mit einem Fähigkeitsprofil, das die praktische Umsetzung regelt. Der Verteidigungsminister hatte den Auftrag zur Erarbeitung bei der Bundeswehrtagung im November vergangenen Jahres erteilt und April als Zieltermin vorgegeben.
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"Das war eine enorme Arbeit", erklärte Breuer. Ziel sei es gewesen, endlich eine klare Linie zwischen politischem Anspruch und militärischer Umsetzung zu schaffen. Die Einschätzung des Generalinspekteurs zur aktuellen Sicherheitslage fällt unmissverständlich aus. "Ich habe in meinen 42 Jahren Dienstzeit eigentlich noch nie eine so konkrete Bedrohung gesehen. Ich glaube, es war noch nie so ernst", betonte Breuer. Die Faktenlage untermauert diese Warnung: Russland baut seine Streitkräfte massiv aus und strebt eine Truppenstärke von 1,5 Millionen Soldaten an. Das entspricht einer Verdopplung im Vergleich zur Stärke vor Beginn des Krieges gegen die Ukraine. Zusätzlich entstehen neue militärische Strukturen, die allesamt nach Westen ausgerichtet sind. "Das alles sind Tatsachen, die man nicht einfach wegwischen kann", so Breuer. Als Militär müsse man sich auf das schlimmste Szenario vorbereiten. Dies könnte bedeuten, dass die russischen Streitkräfte einen großangelegten Krieg gegen Nato-Gebiet führen könnten.
Wann droht der große Angriff?
Das Jahr 2029 markiert einen kritischen Wendepunkt in der Verteidigungsplanung. "Ab 2029 wäre Russland in der Lage, einen sogenannten großmaßstäblichen Angriff gegen Nato-Staaten dann auch wieder führen zu können", erläuterte der Generalinspekteur. Ob tatsächlich etwas geschehe, könne niemand vorhersagen – doch die Möglichkeit bestehe.
Die Bundeswehr plant daher in drei Zeithorizonten: Bereits heute müsse die sogenannte "Fight Tonight"-Fähigkeit vorhanden sein, also die sofortige Verteidigungsbereitschaft. Bis 2029 soll eine glaubwürdige Abschreckung stehen. Der Blick auf 2039 zielt auf technologisch überlegene Streitkräfte ab. Schon jetzt müssten Rüstungsprojekte angestoßen werden, die erst in über einem Jahrzehnt ihre volle Wirkung entfalten.
Ukraine als Lehrmeister für den Krieg der Zukunft
Die Bundeswehr richtet ihre Fähigkeiten neu aus, um auf veränderte Bedrohungen reagieren zu können. Im Zentrum stehen dabei Luftverteidigung, Flugabwehr und weitreichende Präzisionswaffen. Letztere sollen es ermöglichen, einen Gegner auf Distanz zu halten.
Der Konflikt in der Ukraine liefert wichtige Erkenntnisse, ist aber keine direkte Vorlage. "Die Ukraine ist nicht die Blaupause für all das, was zukünftig auf uns zukommen kann, sondern sie ist ein Lehrmeister", stellte Breuer klar. Besonders die rasante Entwicklung bei Drohnen zeige, wie schnell sich Technologiesprünge vollziehen können.
Künftige Konflikte werden nach Einschätzung des Generalinspekteurs durch die Beherrschung großer Datenmengen und den Einsatz künstlicher Intelligenz geprägt sein. Das Fähigkeitsprofil definiert daher bereits heute die notwendigen Schnittstellen für diese technologischen Entwicklungen.
Deutsche Brigade in Litauen als Zeichen der Zeitenwende
Deutschland übernimmt innerhalb der Nato eine aktivere Führungsrolle. Im Kreis der Generalstabschefs werde er regelmäßig darauf angesprochen, dass Deutschland als größte europäische Volkswirtschaft mehr Verantwortung tragen müsse, berichtete Breuer.
Die dauerhafte Stationierung einer kompletten Brigade in Litauen ist das deutlichste Beispiel für diesen Kurswechsel. Erstmals verlegt die Bundeswehr einen solchen Großverband dauerhaft außerhalb der eigenen Landesgrenzen. "Wir zeigen damit einmal den Litauern: Pass auf, wir stehen für euch ein. Wir sind Schulter an Schulter mit euch", erklärte der Generalinspekteur.
Die Stationierung sendet mehrere Signale gleichzeitig: Verlässlichkeit gegenüber den Bündnispartnern und eine klare Botschaft an Russland. "Wir haben nicht nur schöne Worte, sondern wir bringen unsere Fähigkeiten an die Nato-Flanke", so Breuer. Zugleich gebe Deutschland damit etwas zurück – jahrzehntelang hätten Alliierte für die Sicherheit auf deutschem Boden gesorgt.
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