Carlo Masala: Militär-Experte zweifelt an Trump-Aussagen – gibt keine Beweise
Carlo Masala, Politikwissenschaftler und Militärexperte, äußert sich zum aktuellen Geschehen im Iran. Bild: dpa/Thomas Banneyer
Erstellt von Ines Fedder
15.04.2026 12.34
- USA starten Blockade: Kriegsschiffe in Straße von Hormus im Einsatz
- Eskalation im Iran-Konflikt: Spannungen zwischen Iran und Washington nehmen zu
- Militärexperte Carlo Masala warnt: Operation deutlich anders als von Donald Trump angekündigt
- Gefahr eines Krieges wächst: Militärische Reaktion Teherans könnte Lage dramatisch verschärfen
Die Vereinigten Staaten haben am Montag ihre angekündigte Blockade iranischer Häfen an der Straße von Hormus eingeleitet. Nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom fuhren zwei amerikanische Lenkwaffenzerstörer durch die strategisch bedeutsame Meerenge in den Persischen Golf ein.
Die Maßnahme markiert eine deutliche Eskalation im Konflikt zwischen Washington und Teheran. Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten weltweit, durch die ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels transportiert wird. Militärexperten beobachten die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit und bewerten die tatsächliche Umsetzung der Blockade unterschiedlich.
Masala: Blockade weniger umfassend als angekündigt
Der Militärexperte Carlo Masala sieht einen deutlichen Unterschied zwischen Trumps ursprünglicher Ankündigung und der tatsächlichen Umsetzung. "Das, was jetzt als Blockade eingerichtet wird, also laut Verlautbarungen von Centcom, dem Kommando der amerikanischen Streitkräfte, ist etwas anderes als das, was Trump suggeriert hat", erklärte er gegenüber "Focus Online".
Statt einer kompletten Abriegelung der Meerenge verfolgen die US-Streitkräfte laut Masala eine andere Strategie: Schiffe mit Ziel iranischer Häfen werden aufgebracht und anschließend in Häfen verbündeter Nachbarländer geleitet. Dort werden sie an der Weiterfahrt gehindert.
Gefahr einer militärischen Eskalation dennoch allgegenwärtig
Trotz des begrenzten Umfangs birgt die Operation erhebliche Risiken. Masala warnt eindringlich: "Es ist natürlich eine gefährliche Operation, weil letzten Endes muss man damit rechnen, dass der Iran darauf militärisch reagiert."
Die Konsequenzen einer solchen Reaktion könnten weitreichend sein. Sollte Teheran mit Waffengewalt antworten, drohe eine dramatische Verschärfung der Lage. "Und dann befindet man sich in einer umfassenden Kriegshandlung", so der Experte. Die Präsenz der beiden US-Zerstörer in der strategisch wichtigen Meerenge schafft damit ein Szenario, das jederzeit außer Kontrolle geraten könnte.
Zweifel an der Existenz von Minen
Das US-Verteidigungsministerium gibt an, die Zerstörer sollten auch versteckte Minen in der Meerenge aufspüren und räumen. Doch Masala äußert grundlegende Bedenken: "Zunächst einmal gibt es überhaupt gar keine Beweise, dass da Minen liegen."
Der Iran hatte zwar erklärt, den Überblick über gelegte Minen verloren zu haben. Der Experte hält dies jedoch für fragwürdig, da zahlreiche Schiffe die Passage ohne Zwischenfälle durchquert hätten. Zudem bezweifelt Masala die amerikanischen Fähigkeiten zur Minenräumung: "Die Vereinigten Staaten haben relativ wenig Minenräumfähigkeiten. Die meisten haben sie nach dem Ende des Kalten Krieges aufgegeben."
Weitere Themen, die sich ebenfalls mit dem Iran und Donald Trump beschäftigen:
- US-Präsident sucht neuen Verantwortlichen - "Es ist absolut verrückt"
- US-Präsident beantwortet Frage zum Iran-Krieg anders als erwartet
- "Wer nahekommt, wird vernichtet!" - wie effektiv ist die Seeblockade?