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Donald Trump: 90 Minuten vor dem Knall - Trump stoppt Iran-Schlag in letzter Sekunde

Eskalation im Nahen Osten verhindert. Donald Trump verkündete Waffenruhe mit dem Iran. Bild: picture alliance/dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson

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  • Kurz vor Trumps Ultimatum haben sich die USA und der Iran auf eine zweiwöchige Feuerpause verständigt
  • Teheran kündigte zugleich die Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus an
  • Die Märkte reagierten sofort: Ölpreise fielen, asiatische Börsen legten kräftig zu

Kurz bevor das Ultimatum von Donald Trump ablief, haben sich Washington und Teheran auf eine zweiwöchige Feuerpause verständigt. Etwa 90 Minuten vor der Deadline verkündete der US-Präsident die Einigung auf seiner Plattform Truth Social. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi bestätigte zugleich, dass der Schiffsverkehr durch die strategisch bedeutsame Straße von Hormus wieder aufgenommen werde.

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Eskalation in letzter Minute gestoppt - Donald Trump verkündet Waffenruhe im Iran-Krieg

Pakistan spielte bei der Vermittlung eine entscheidende Rolle. Premierminister Shehbaz Sharif hatte Trump gebeten, von den angedrohten Angriffen auf iranische Kraftwerke abzusehen. "Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren", hatte der US-Präsident zuvor gewarnt. Es handelt sich bereits um die vierte Fristverlängerung, die Trump dem Iran seit Kriegsbeginn gewährt hat. Die Waffenruhe tritt nach pakistanischen Angaben sofort in Kraft.

Zehn-Punkte-Plan als Basis für Friedensgespräche

Der von Teheran vorgelegte Zehn-Punkte-Vorschlag bildet nach Angaben von US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt die Grundlage für die kommenden Verhandlungen. Trump bezeichnete das Papier als "praktikable Grundlage für Verhandlungen". Offiziell hat die iranische Regierung die einzelnen Forderungen nicht veröffentlicht. Iranische Nachrichtenagenturen berichten jedoch über zentrale Punkte: Teheran fordert demnach ein Ende der Kampfhandlungen an allen Fronten einschließlich des Libanon, die Beibehaltung der Kontrolle über die Straße von Hormus sowie das Recht zur Urananreicherung. Hinzu kommen die Aufhebung internationaler Sanktionen, Kriegsentschädigungen und der Abzug amerikanischer Truppen aus der Region. Im Gegenzug soll sich der Iran laut der Nachrichtenagentur Fars verpflichten, niemals Atomwaffen zu entwickeln. Die Urananreicherung werde nach Verhandlungen eingeschränkt, zudem stimme Teheran Gesprächen über Friedensabkommen mit Nachbarländern zu.

Ölpreise stürzen ab, Börsen im Aufwind

Die Finanzmärkte reagierten unmittelbar auf die Nachricht der Waffenruhe. Die Ölpreise fielen deutlich, während die Aktienkurse in Asien kräftig anzogen. Die Straße von Hormus ist für den globalen Energiemarkt von enormer Bedeutung: Rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels passiert die Meerenge vor der iranischen Küste. Seit Kriegsbeginn hatte der Iran mehrere Schiffe beschossen, die den gefährlichen Seeweg durchqueren wollten. Die Folge waren massive Verwerfungen an den Rohstoffmärkten. In den USA kletterte der durchschnittliche Benzinpreis von 2,98 auf 4,14 Dollar pro Gallone – ein Anstieg von 39 Prozent. Irans Außenminister Araghtschi erklärte, der Schiffsverkehr werde in Abstimmung mit den Streitkräften und unter Berücksichtigung technischer Einschränkungen wieder ermöglicht. Die für Teheran wirtschaftlich wichtige Insel Kharg, über die etwa 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden, war zuletzt noch Ziel amerikanischer Angriffe gewesen.

Friedensgespräche angekündigt

Pakistans Premierminister Sharif hat Delegationen beider Konfliktparteien für diesen Freitag nach Islamabad eingeladen. Dort sollen die Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen zur Beendigung des Krieges fortgesetzt werden. Die Feuerpause gilt nach Angaben des Vermittlers mit sofortiger Wirkung.

Das Pentagon kündigte eine Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Pete Hegseth und Generalstabschef Dan Caine an. Auf US-amerikanischer Seite führen Vizepräsident JD Vance, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Sondergesandter Steve Witkoff die Verhandlungen. Die Vereinten Nationen mahnten beide Seiten zur Einhaltung der vereinbarten Waffenruhe. Dies sei notwendig, "um den Weg für einen dauerhaften und umfassenden Frieden in der Region zu ebnen", erklärte der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres. In den USA fielen die Reaktionen teilweise verhalten aus. Der demokratische Senator Richard Blumenthal schrieb auf X: "Eine Waffenruhe ist für das amerikanische Volk kein Sieg."

Israel kämpft weiter, Nato-Streit spitzt sich zu

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte seine Unterstützung für Trumps Entscheidung, stellte jedoch klar: Die Waffenruhe gelte nicht für den Libanon. Dies widerspricht der Darstellung Pakistans, wonach auch der Libanon einbezogen sei. Tatsächlich wurde Israel auch nach Verkündung der Feuerpause weiter aus dem Iran beschossen – in Tel Sheva erlitten drei Minderjährige durch Streumunition leichte Verletzungen. Netanjahu betonte, Israel stehe hinter dem amerikanischen Ziel, den Iran als atomare, militärische und terroristische Bedrohung auszuschalten. Washington habe zugesichert, diese gemeinsamen Interessen in den Verhandlungen zu vertreten. Die Einigung fällt mit einem brisanten Besuch zusammen: NATO-Generalsekretär Mark Rutte trifft heute Trump im Weißen Haus. Der US-Präsident hatte das Bündnis zuvor als "zahnlosen Tiger" bezeichnet, weil es keine Unterstützung bei der Sicherung der Straße von Hormus leistete. Gegenüber dem "Telegraph" stellte Trump sogar die amerikanische Nato-Mitgliedschaft nach Kriegsende infrage.

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/sba/news.de/dpa/stg

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