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Wladimir Putin: Blackout-Alarm in Moskau - neuer Wirbel um Putsch gegen Kremlchef

Wladimir Putin hat in Moskau offenbar den Zugang zum Internet beschränkt. Bild: picture alliance/dpa/Planet Pix via ZUMA Press Wire/AP | Gavriil Grigorov/Kremlin Pool

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  • Wladimir Putin kappt in Moskau das Internet
  • Dramatische Verluste nach Putin-Entscheidung
  • Kreml nennt Sicherheitsgründe - Geheimdienste widersprechen
  • Wladimir Putin: Neuer Wirbel um angeblichen Putsch

Seit mehreren Tagen berichten einzelne Medien über erhebliche Einschränkungen der Internetnutzung in Moskau. Eine vollständige Abschaltung des Netzes lässt sich bislang jedoch nicht unabhängig bestätigen. Die britische Boulevardzeitung "Daily Star" schreibt, der Zugang sei weitgehend gekappt worden. Offizielle russische Stellen haben eine derart umfassende Maßnahme bislang nicht bestätigt.

Fest steht:Russland verfügt seit Jahren über gesetzliche und technische Möglichkeiten, den Internetverkehr im Land zu kontrollieren oder gezielt einzuschränken.

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Wladimir Putin kappt in Moskau das Internet

Möglich wurde die drastische Maßnahme durch zuvor verabschiedete Gesetze, die dem Kreml die Befugnis geben, Mobilfunknetze, Breitbandverbindungen und Festnetzanschlüsse nach Belieben zu blockieren. Mobilfunkbetreiber erhielten laut Brancheninsidern von den Behörden die Anweisung, sämtliche mobilen Signale zu unterbinden.

Dramatische Verluste nach Putin-Entscheidung

Die Moskauer Bevölkerung greift angeblich verstärkt auf veraltete Kommunikationstechnologien zurück.

  • Nach Angaben des Einzelhandelsriesen "Wildberries" sind laut "Daily Star" die Verkaufszahlen für Pager um 73 Prozent in die Höhe geschnellt.
  • Auch Walkie-Talkies und Festnetztelefone verzeichnen einen Anstieg von über 25 Prozent. Stadtpläne und Reiseführer in Papierform erleben eine Renaissance - ihr Absatz hat sich verdreifacht.
  • Taxifahrer erhöhen ihre Preise, da App-basierte Konkurrenten wie Uber vom Markt verschwunden sind.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind dramatisch:

  • Experten beziffern die täglichen Verluste auf bis zu einer Milliarde Rubel, umgerechnet fast elf Millionen Euro.
  • Während die Bevölkerung isoliert ist, bietet der Kreml eine "weiße Liste" staatlich genehmigter Propaganda-Webseiten an.
  • Den Einwohnern bleibt der Zugang zu regierungskontrollierten Nachrichten und dem staatseigenen Messenger MAX.

Kreml nennt Sicherheitsgründe - Geheimdienste widersprechen

Kremlsprecher Dmitri Peskow rechtfertigte die Internetsperre mit Sicherheitserwägungen. Er argumentierte, dass die "zunehmend ausgefeilten Angriffsmethoden" der Ukraine "technologisch fortschrittlichere Gegenmaßnahmen" zum Schutz der Stadt erforderten.

Der russische Kanal "VChK-OGPU" wies diese Begründung indes zurück. Der Kanal gilt als inoffiziell und schwer überprüfbar. Seine Angaben sind daher mit Vorsicht zu behandeln. Dort heißt es:

  • "Es hat in diesen Tagen keine ernsthaften Drohnenangriffe auf Moskau gegeben."

Die offizielle Erklärung des Kremls steht damit im direkten Widerspruch zu Informationen aus Kreisen der Sicherheitsdienste. Die tatsächlichen Beweggründe für die digitale Abriegelung der Hauptstadt bleiben rätselhaft.

Wladimir Putin: Neuer Wirbel um angeblichen Putsch

Hinter der digitalen Abriegelung könnte ein weitaus brisanterer Grund stecken. Gerüchte deuten darauf hin, dass die Abschaltung einen möglichen Militärputsch durch Sergei Schoigu verhindern soll, Putins einstigen engsten Vertrauten.

  • Laut immer wieder kursierenden Gerüchten soll der frühere Verteidigungsminister von Wladimir Putin seit dem 5. März spurlos verschwunden sein - dem Beginn des Internet-Blackouts.
  • Gleichzeitig wurde sein innerer Kreis systematisch ausgeräumt, darunter sein ehemaliger Stellvertreter Ruslan Zalikow.

Der Kanal VChK-OGPU berichtete, "der Kreml fürchtet einen Putschversuch durch Sergei Schoigus Clan". Die digitale Blockade sei zeitlich auf eine Untersuchung gegen Shoigu selbst abgestimmt worden. Eine Quelle des Kanals erklärte, der Versuch, Zalikow ins Lefortowo-Gefängnis zu bringen, sei von einem "wahnsinnigen Kampf an der Spitze" begleitet worden. Nach Zalikow könne nur Schoigu selbst folgen. 

Für einen angeblichen Putsch oder konkrete Umsturzpläne gibt es keine bestätigten Belege.

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