Politik

"Strategischer Fehler von beispiellosem Ausmaß": Donald Trump "hat die Kontrolle verloren" laut Experten-Fazit

Der Einschätzung von Militärexperte Frank Kendall zufolge hat sich Donald Trump mit seinem Iran-Krieg gewaltig verzockt und längst "die Kontrolle verloren". Bild: picture alliance/dpa/AP | Mark Schiefelbein

  • Artikel teilen:
  • Donald Trump "hat die Kontrolle verloren" laut Militär-Experte
  • Iran-Krieg als "strategischer Fehler von beispiellosem Ausmaß"
  • Ex-Air-Force-Leiter befürchtet lange währenden Krieg im Nahen Osten

Seit Ende Februar lässt Donald Trump die Waffen sprechen und führt, nachdem bei Luftangriffen auf Teheran unter anderem der Oberste Führer, Ajatollah Ali Chamenei, ausgelöscht wurde, Krieg gegen den Iran.

Todesopfer gab es allerdings nicht nur auf iranischer Seite, sondern auch in den Reihen der US-Streitkräfte - ein Umstand, der dem US-Präsidenten heftige Kritik einbrachte, hatte Donald Trump doch in seinem Präsidentschaftswahlkampf beteuert, keinen Krieg im Nahen Osten zu riskieren oder Angehörige der US-Armee in den Tod zu schicken. Dennoch tobt der Iran-Krieg bereits seit mehr als zwei Wochen.

Donald Trump lässt Iran-Krieg als durchschlagenden Erfolg feiern - Militärexperte rückt Behauptungen zurecht

In einer neuen Ausgabe der Sendung "The Weeknight" sprach der Moderator Michael Steele nun mit dem US-amerikanischen Rüstungsexperten und Ex-Leiter der US-amerikanischen Luftwaffe, Frank Kendall, über Donald Trumps Iran-Krieg. Um zu verdeutlichen, wie der US-Präsident seinen Militärschlag rechtfertigen lässt, spielte das Team von "MS NOW" einen O-Ton von Trumps Berater Stephen Miller ein, der behauptete, in der US-Geschichte haben es "nie zuvor eine so totale und einseitige Vernichtung des Feindes, wir man sie gerade im Iran erlebt".

Früherer Air-Force-Leiter rechnet mit Donald Trump ab: "Hat die Kontrolle verloren"

"Okay, ich verstehe nicht, was wir nach all der angeblichen Vernichtung noch im Iran tun", hakte Michael Steele bei Frank Kendall nach. "Sollten wir nicht unseren Kram zusammenpacken, die Schiffe und Truppen nach Hause bringen und sie zuhause eine kleine Party feiern lassen, dass es vorbei ist?" Der Ex-Air-Force-Leiter hatte darauf eine ernüchternde Antwort parat, die den Beteuerungen aus dem Trump-Lager zu einem durchschlagenden Kriegserfolg widersprach. Wörtlich sagte Kendall:

  • "Was wir hier in Echtzeit beobachten, ist ein strategischer Fehler von beispiellosem Ausmaß."
  • "Ich habe viele Szenarien mit Bezug zum Iran durchgespielt. Natürlich geht man immer davon aus, dass sie versuchen werden, die Meerenge [von Hormus] zu schließen, und genau deshalb haben wir so etwas noch nie zuvor getan."
  • "Aus mir unerfindlichen Gründen gab es die Erwartung, dass der Angriff, der diese Entwicklung auslöste, entweder einen Volksaufstand auslösen oder jemanden im Regime dazu bewegen würde, um Frieden zu bitten. Das geschieht nicht, und es gibt keinen Grund, dies zu erwarten."
  • "Dieses Regime ist fanatisch und seinem religiösen Militär treu ergeben. Es verfügt über dieselbe Macht. Wir sind eingedrungen und haben viele der Ziele angegriffen, die wir vor Kriegsbeginn kannten und deren Standorte uns bekannt waren."
  • "Jetzt verstecken sie sich, sie verheimlichen Dinge, verändern die Lage und stellen uns vor ein viel größeres Problem. Sie können das lange durchhalten und die Bedrohung so lange aufrechterhalten, dass niemand mehr mit einem Schiff dort durchfahren will."

Frank Kendalls Fazit fällt folgerichtig ebenso ernüchternd wie alarmierend aus: "Donald Trump hat die Kontrolle über diesen Konflikt an diesem Punkt verloren. Die Bereitschaft der Iraner zum Widerstand und ihre Kompromissbereitschaft werden maßgeblich über den Ausgang entscheiden, nicht Donald Trumps Wünsche oder Behauptungen."

Ähnliche Beiträge zum Thema haben wir hier zusammengefasst:

/news.de

Themen

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.