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Epstein-Affäre: Schlinge zieht sich zu – Andrew und Großbritannien unter Vertuschungsverdacht

Andrew und Epstein: Britische Behörden in der Kritik – Prinz Andrew wird erneut geprüft Bild: picture alliance/dpa/PA Wire | Jordan Pettitt

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  • Verdächtige Epstein-Flüge über Stansted geprüft
  • Gordon Brown wirft Behörden Versäumnisse vor
  • Forderung nach Befragung von Prinz Andrew

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Die Epstein-Affäre erreicht erneut Großbritannien und diesmal steht der Flughafen London Stansted Airport im Fokus. Die Polizei der Grafschaft Essex prüft aktuell Hinweise auf verdächtige Privatflüge, die mit Jeffrey Epstein in Verbindung stehen könnten. Grundlage sind neu veröffentlichte Akten aus den USA, in denen Flugbewegungen dokumentiert sein sollen.
Nach Angaben britischer Medien bedeutet die Prüfung noch nicht automatisch den Start einer groß angelegten Ermittlung. Dennoch gilt der Schritt als brisant, weil sich daraus neue Fragen zur Rolle britischer Behörden ergeben.

Gordon Brown erhebt schwere Vorwürfe

Der ehemalige Premierminister Gordon Brown wirft den Strafverfolgungsbehörden gravierende Versäumnisse vor. In einem Beitrag für das Magazin "New Statesman" erklärte er, die nun bekannten E-Mails aus den Epstein-Unterlagen belegten, dass junge Frauen und Mädchen aus Lettland, Litauen und Russland über Stansted nach Großbritannien gebracht worden seien. Besonders alarmierend ist dabei, dass mindestens eines der Opfer eine Verbindung zu Andrew Mountbatten-Windsor gehabt haben soll. Auch britische Frauen sollen sich unter den Passagieren der als "Lolita Express" bekannt gewordenen Maschinen befunden haben. Brown zeigt sich nach eigener Aussage "bis ins Mark erschüttert", aber nicht nur wegen der geschilderten Verbrechen, sondern auch wegen der bislang kaum beleuchteten Rolle Großbritanniens in dem Netzwerk.

Dutzende Flüge – auch nach der Verurteilung

Nach Recherchen der BBC sollen über Jahre hinweg rund 90 einschlägige Privatflüge von britischen Flughäfen aus erfolgt sein. Besonders brisant: Etwa 15 dieser Flüge sollen nach 2008 stattgefunden haben, also nachdem Epstein in den USA bereits rechtskräftig verurteilt worden war. Für Brown ist das ein Hinweis auf eklatante Kontrolllücken. Es hätte umfassend untersucht werden müssen, warum trotz bekannter Vorstrafen weiterhin entsprechende Flugbewegungen möglich waren, kritisiert er. Seiner Ansicht nach sei nie konsequent geprüft worden, wer genau über britisches Territorium ein- und ausgereist sei und in wessen Auftrag.

Forderung nach Verhör von Ex-Prinz Andrew

Die Diskussion um Andrew flammt damit erneut auf. Brown fordert ausdrücklich, dass Ermittler ihn im Rahmen möglicher neuer Untersuchungen befragen. Ihm sei mitgeteilt worden, dass Hinweise zu relevanten Flügen im Zusammenhang mit Andrew nicht vollständig ausgewertet worden seien.

Parallel prüft die Kriminalpolizei laut "Daily Mail" offenbar auch, ob im Zusammenhang mit Andrews früherer Rolle als Sondergesandter für internationalen Handel weitere rechtliche Fragen zu klären sind. Zwischen 2001 und 2011 reiste er in offizieller Funktion weltweit und verfügte über Zugang zu sensiblen Regierungsinformationen. Berichte legen nahe, dass er Dokumente an Epstein weitergeleitet haben könnte. Andrew weist sämtliche Vorwürfe zurück.

Weitere Ermittlungen möglich

Auch die Polizei von Surrey bemüht sich Medienberichten zufolge um ungeschwärzte Akten zu einer weiteren historischen Missbrauchsanzeige, in der Andrews Name auftauchen soll. Der Flughafen Stansted selbst bestreitet jede Mitverantwortung. Für die Überprüfung von Passagieren auf Privatflügen sei ausschließlich der britische Grenzschutz zuständig. Man habe keinen Zugriff auf entsprechende Listen, heißt es in einer Stellungnahme.

Fest steht: Die neuen Enthüllungen setzen die britischen Behörden ebenso unter Druck wie das Königshaus. Die Frage, ob Großbritannien eine größere Rolle im Epstein-Netzwerk spielte als bislang eingeräumt, dürfte die Ermittler noch lange beschäftigen.

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/news.de/dpa

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