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Donald Trump: US-Präsident verblüfft mit Widerworten gegen eigene Vertraute

Donald Trump überraschte nach dem ICE-Mord an Alex Pretti mit deutlichen Widerworten gegen seine eigene Regierung - Vorwürfe gegen den erschossenen Krankenpfleger konnte sich der US-Präsident jedoch nicht verkneifen. Bild: picture alliance/dpa/AP | Evan Vucci

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  • ICE-Mord an US-Bürger Alex Pretti schlägt weiter hohe Wellen
  • Donald Trump verblüfft mit Widerworten gegen eigene Regierung
  • US-Präsident will Ermittlungen nach Todesschüssen in Minnesota persönlich überwachen

In Donald Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident spielen die Grenzschutz-Beamten der Behörde United States Immigration and Customs Enforcement, kurz ICE, eine finstere Rolle: Die teils vermummten Einsatzkräfte sollten bei den berüchtigten Razzien helfen, mit denen Trumps rigorose Abschiebepolitik durchgesetzt wird.

Zweifach-Mord in Minneapolis: Renée Good und Alex Pretti von ICE-Beamten erschossen

Zuletzt spitzte sich die Lage dramatisch zu, nachdem in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota gleich zwei Menschen durch von ICE-Beamten abgefeuerte Schüsse getötet wurden. Zuerst starb die US-Bürgerin Renée Good in ihrem Auto, nachdem ein Beamter der Einwanderungsbehörde das Feuer auf sie eröffnete, am 24. Januar wurde der US-amerikanische Krankenpfleger Alex Pretti durch ICE-Schüsse getötet.

US-Behörde spricht von Notwehr -Videoaufnahmen widersprechen offizieller Darstellung

 

 

Das Heimatschutzministerium behauptet, Pretti habe sich mit einer Halbautomatikpistole den Beamten genähert. Die Schüsse seien in Notwehr gefallen. Handyvideos von Augenzeugen zeichnen jedoch ein anderes Bild: Der Krankenpfleger ist darauf kurz vor den tödlichen Schüssen mit einem Mobiltelefon in der Hand zu sehen. In keiner der bisher veröffentlichten Aufnahmen lässt sich erkennen, dass er die Waffe in der Hand hielt.

US-Aufschrei nach Polizeigewalt und Mord an zwei US-Bürgern

Was folgte, waren einerseits Empörung und massive Proteste gegen die Einwanderungsbehörde auf den Straßen der USA und andererseits Rechtfertigungen aus Donald Trumps Regierung. Stephen Miller, Vizestabschef im Weißen Haus, nannte den erschossenen Alex Pretti beispielsweise einen "inländischen Terroristen", der "versucht hat, Bundesbeamte zu ermorden". Vizepräsident JD Vance verbreitete diese Darstellung auf X. Regierungsvertreter wie Heimatschutzministerin Kristi Noem erhoben ebenfalls schwere Vorwürfe gegen den Getöteten und unterstellten ihm wegen einer mitgeführten Waffe Tötungsabsichten. Noem schilderte den Fall so, dass er sich den Beamten mit einer Waffe genähert und eine akute Bedrohung dargestellt habe. Beim Versuch, ihn zu entwaffnen, habe er Widerstand geleistet. Ein Beamter habe aus Angst um sein Leben Verteidigungsschüsse abgegeben, behauptete das Ministerium - Videoaufnahmen zeigen jedoch, dass der 37-Jährige zu diesem Zeitpunkt bereits entwaffnet war.

Donald Trump will Ermittlungen nach Todesschüssen persönlich überwachen

US-Präsident Donald Trump selbst räumte ein, niemand wisse, wann die Beamten die Waffe gesehen hätten. Die Ermittlungen liegen bei Bundesbehörden – zum Unmut der Behörden Minnesotas. Diese kritisieren, von der Aufklärung ferngehalten zu werden. Ein Bundesrichter ordnete bereits an, dass das Heimatschutzministerium keine Beweise vernichten oder verändern darf. Trump kündigte an, die Ermittlungen persönlich überwachen zu wollen: "Wir führen eine umfassende Untersuchung durch. Ich möchte die Untersuchung selbst sehen", so der Republikaner. "Ich werde sie überwachen. Ich erwarte eine absolut integre und ehrliche Untersuchung. Ich muss sie mir selbst ansehen", so Trump vor Reportern.

 

Donald Trump widerspricht seiner eigenen Regierung nach tödlichen Schüssen auf Alex Pretti

Zudem überraschte Donald Trump mit einer unerwarteten Wendung im Fall Alex Pretti. Auf einer Reise im US-Bundesstaat Iowa antwortete der US-Präsident auf die Frage eines Reporters, ob Alex Pretti seiner Einschätzung nach als Attentäter aufgetreten sei, wie folgt: "Nein, das glaube ich nicht. Aber wissen Sie, man darf keine Waffen haben. Man darf nicht mit Waffen reingehen. Das geht einfach nicht." Auf die Nachfrage, wie sich diese Aussage mit dem Zweiten Verfassungszusatz in Einklang bringen lasse, der jedem US-Bürger das Recht zubilligt, Waffen zu besitzen und bei sich zu tragen, fügte Trump hinzu: "Hören Sie, man kann nicht einfach mit Waffen reinspazieren. Das geht nicht. Aber es ist einfach ein sehr bedauerlicher Vorfall."

Praktisch im gleichen Atemzug kündigte "The Don" an, eine gemäßigtere Gangart einzuschlagen. "Wir werden ein wenig deeskalieren", kündigte er in einem Interview mit Fox News an. Beide Todesfälle seit Jahresbeginn bezeichnete Trump als "schrecklich".

Donald Trump kritisiert Waffenbesitz von Alex Pretti

Trotz seines gemäßigteren Tons übte Trump scharfe Kritik an der Bewaffnung des Getöteten. "Er hatte eine Waffe. Das gefällt mir nicht", erklärte der Präsident während einer Reise durch Iowa. Pretti habe zudem zwei voll geladene Magazine bei sich gehabt. Diese Aussage steht im Widerspruch zu den Fakten: Nach Polizeiangaben war der Krankenpfleger zum Tragen einer Schusswaffe berechtigt. Minnesotas Gouverneur Tim Walz betonte wiederholt, dass Waffenrecht und Versammlungsrecht miteinander vereinbar seien.

Die Kritik an Prettis Bewaffnung wirft weitere Fragen auf, da ausgerechnet Trumps Republikaner sich traditionell gegen jede Verschärfung des Waffenrechts aussprechen. Der zweite Zusatzartikel der US-Verfassung garantiert Bürgern das Recht, Waffen zu besitzen und zu tragen.

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/news.de/dpa/stg

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