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Wladimir Putin: Kremlchef "erledigt" laut Analyse - er tappt in seine eigene Falle

Wladimir Putin führt seit Februar 2022 Krieg gegen die Ukraine. Bild: picture alliance/dpa/Russian Presidential Press Service via AP | Uncredited

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  • Wladimir Putin "erledigt" laut Analyse
  • Kremlchef schürt Propaganda-Mythos und erfindet Genozid
  • Wladimir Putin in seine eigene Falle getappt
  • Landkorridor zur Krim als militärische Lebensader

Im Vorfeld der Friedensverhandlungen in Abu Dhabi verschärft Moskau seinen Ton. Kremlsprecher Dmitri Peskow stellte unmittelbar vor Beginn der Gespräche eine klare Maximalforderung: Die ukrainischen Truppen müssten das Donbass-Gebiet räumen. Ohne die Erfüllung dieser "sehr wichtigen Bedingung" sei es "sinnlos, auf den Abschluss eines langfristigen Abkommens zu hoffen", erklärte der 58-Jährige.

Kiew weist die Forderung nach einem Rückzug von eigenem Territorium kategorisch zurück. Trotz dieser verhärteten Fronten setzen die Konfliktparteien ihre Bemühungen fort. Delegationen aus der Ukraine, Russland und den Vereinigten Staaten kamen für eine trilaterale Runde zusammen, um über territoriale Fragen zu verhandeln.

Wladimir Putin "erledigt" laut Analyse

Die ostukrainische Region entwickelt sich laut einer Analyse der "Bild"-Zeitung damit zur entscheidenden Variable für mögliche Friedensaussichten. Die Gespräche stehen damit unter erheblichem Druck. Bei "Bild" wird aktuell getitelt, ohne den Donbass sei Wladimir Putin "erledigt".

Die intensive Fokussierung auf diese Region erscheint auf den ersten Blick paradox. Die Ära des Donezbeckens als wirtschaftliches Kraftzentrum der Sowjetunion liegt weit zurück. Seit Ausbruch der bewaffneten Auseinandersetzungen im Jahr 2014 verwandelten sich weite Teile der Landschaft in Trümmerwüsten.

Wladimir Putin will den Donbass unbedingt haben

Mehr als ein Jahrzehnt militärischer Konflikte hat tiefe Spuren hinterlassen. Die ursprünglich mehrheitlich russischsprachigen Bewohner verließen in großer Zahl ihre Heimat oder wurden zur Flucht gezwungen. Moskaus Streitkräfte kontrollieren inzwischen rund 80 Prozent des Territoriums.

Dennoch gilt die ostukrainische Region als zentraler Faktor für jede Friedenslösung. Für den Kremlchef besitzt das Gebiet trotz der Verwüstungen eine entscheidende Bedeutung. Vier konkrete Faktoren erklären Putins Unnachgiebigkeit in dieser Frage.

Wladimir Putin schürt Propaganda-Mythos und erfindet Genozid

Der erste Faktor liegt laut "Bild" in der propagandistischen Erzählung, die der Kreml um die Region webt. Russlands Staatsführung inszeniert das Donbass als künftige wirtschaftliche Kraftquelle, die an die frühere Bedeutung des Donezbeckens als industrielle Herzschlagader der Sowjetunion anknüpfen soll. Historisch verfügt das Gebiet über bedeutende Rohstoffvorkommen - einst Steinkohle und Koks, heute geht es um Lithium, Uran, Titan und Seltene Erden. Obwohl die exakten Lagerstätten ungeklärt bleiben, weckt dies internationales Interesse. Donald Trump drängte Kiew vergangenes Jahr zu einem entsprechenden Rohstoff-Abkommen.

Der zweite Aspekt betrifft Putins ursprüngliche Kriegsrechtfertigung. Der Kremlchef begründete seinen Angriff mit dem angeblichen Schutz ethnischer Russen vor einem Völkermord durch ukrainische Neonazis. Tatsächlich leben im Donbass die meisten russischen Muttersprachler der Ukraine. Von einem Genozid konnte jedoch niemals die Rede sein. Ein Verzicht auf die Region würde Putin zwingen, entweder seine Lüge oder sein Scheitern einzugestehen.

Wladimir Putin in seine eigene Falle getappt

Der dritte Grund ergibt sich aus einer selbst geschaffenen rechtlichen Zwangslage. Im September 2022 erklärte Wladimir Putin vier ukrainische Gebiete zu russischem Staatsgebiet - darunter die Donbass-Regionen Donezk und Luhansk sowie Saporischschja und Cherson. Diese Annexion erfolgte, ohne dass Putins Truppen die betreffenden Oblaste vollständig beherrschten. Seither gelten sie laut russischer Verfassung als Teil Russlands.

Militär- und Sicherheitsexperte Christian Mölling sieht darin eine problematische Ausgangslage für den Kremlchef. "An Putin wird eine Mindestanforderung gestellt von denjenigen, die ihn an der Macht halten und das ist nicht der Donbass, sondern die vier Oblaste (Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson), die er als russisches Gebiet schon in die Verfassung geschrieben hat", erklärte der 52-Jährige gegenüber "Bild". Die Verfassung fungiere dabei als "Feigenblatt", das Putin nicht ohne innenpolitische Konsequenzen fallen lassen könne.

Landkorridor zur Krim als militärische Lebensader

Der vierte und strategisch wohl bedeutsamste Faktor betrifft die geografische Verbindung zur annektierten Krim-Halbinsel. Bis zum Beginn der großangelegten Invasion 2022 existierte lediglich die Kertsch-Brücke als direkte Verbindung zwischen Russland und der 2014 besetzten Halbinsel. Diese einzelne Verbindung erwies sich als verwundbar und unzureichend für umfangreiche militärische und logistische Operationen.

Durch die Eroberungen in der Südostukraine sicherte sich Moskau erstmals einen durchgängigen Landkorridor zur Krim. Die Route führt über die Gebiete Donezk, Saporischschja und Cherson und ermöglicht einen kontinuierlichen Nachschub auf dem Landweg. Diese Verbindung bildet das Rückgrat der russischen Versorgungslinien auf der Halbinsel. Putin ist entschlossen, diesen strategischen Korridor unter allen Umständen zu behalten. Ein Verlust würde die Krim erneut militärisch isolieren und schwächen.

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