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Mark Carney: Brandrede gegen Trump? Kanadas Premier sorgt für Aufsehen

Kanada-Premier Mark Carney hielt eine bemerkenswerte Rede in Davos. Bild: picture alliance/dpa/The Canadian Press | Sean Kilpatrick

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  • Mark Carney hält bemerkenswerte Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos
  • In seiner Analyse übt er deutliche Kritik an der Politik von Donald Trump, ohne ihn namentlich zu erwähnen
  • Regierungschef spricht von neuer Weltordnung

So deutlich wurde die Kritik an der spaltenden Politik von Donald Trump bislang kaum geäußert. Der kanadische Premierminister Mark Carney hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine Grundsatzrede gehalten, die für Aufsehen sorgte, obwohl er den US-Präsidenten dabei nicht namentlich erwähnte.Der 60-Jährige diagnostizierte einen fundamentalen "Bruch" im US-geführten globalen System – geprägt von zunehmender Konkurrenz der Großmächte und einer schwindenden regelbasierten Ordnung.

Rede von Mark Carney in Davos: Kanada-Premier spricht vom Ende der "regelbasierten Ordnung"

Carney rief den Westen in seiner Rede, die die "Bild" im Wortlaut veröffentlichte, dazu auf, sich von Illusionen zu verabschieden. Er sprach vom "Ende einer schönen Geschichte und den Beginn einer brutalen Realität, in der die Geopolitik zwischen den Großmächten keinen Beschränkungen unterliegt".Unter wohlklingenden Begriffen wie "regelbasierte Ordnung" und "globaler Handel" habe man sich jahrelang etwas vorgemacht. Kanada habe von der alten regelbasierten internationalen Ordnung profitiert, auch von der "amerikanischen Hegemonie", die unter anderem zu freien Seewegen, einem stabilen Finanzsystem und kollektiver Sicherheit beigetragen habe.

Kritik an Donald Trump? Kanada-Premier will sich nicht weiter den Großmächten anpassen

Nun habe sich eine neue Realität etabliert, sagte Carney. Die Mächtigen verfolgten ihre Interessen mit wirtschaftlicher Integration als Druckmittel. Der Regierungschef warnte vor Beschwichtigungsversuchen. Länder wie Kanada könnten nicht länger hoffen, dass Anpassung Sicherheit schafft. "Die Frage für mittelgroße Mächte wie Kanada ist nicht, ob wir uns an diese neue Realität anpassen sollen. Wir müssen. Die Frage ist, ob wir uns anpassen, indem wir einfach höhere Mauern bauen - oder ob wir etwas Ambitionierteres tun können." 

Als Konsequenz forderte Carney laut "t-online" den Aufbau "strategischer Unabhängigkeit" – in Bereichen wie Energieversorgung, Lebensmittel, kritische Rohstoffe und Finanzwesen. Nur so könnten sich Staaten gegen aggressive Hegemonialmächte wehren. Der liberale Politiker warnte zudem eindringlich vor einer "Welt der Festungen", die bereits im Entstehen sei. Kleinere und mittlere Mächte müssten sich mit Gleichgesinnten zusammenschließen, um gegen die Dominanz größerer, reicherer und militärisch stärkerer Länder zu bestehen. Carney nannte dies "klassisches Risikomanagement". 

Lob für Mark Carneys Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos

Das Lob für den kanadischen Premier war groß. Finnlands Präsident Alexander Stubb zeigte sich beeindruckt: Carney habe die beste Rede des gesamten Treffens gehalten. Der Premier habe sowohl kanadische Werte betont als auch die tiefgreifenden Veränderungen in der Welt hervorragend eingeordnet.

Carneys Auftritt erfolgte einen Tag vor der mit Spannung erwarteten Rede von US-Präsident Trump in Davos. Am selben Tag hatte Trump auf seiner Plattform Truth Social zwei Fotomontagen veröffentlicht, die Ambitionen auf Kanada und Grönland andeuteten. Der US-Präsident hatte bereits mehrfach öffentlich davon gesprochen, Kanada zum "51. Bundesstaat" machen zu wollen.

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/sfx/news.de/dpa/stg

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