Erst Gluthitze, dann Unwetter: Wetterdienst warnt vor Tropennächten, Superzellen und sogar Tornados
Mit der Hitze steigt die Unwettergefahr. Bild: AdobeStock / vuang
Von news.de-Redakteurin Anika Bube
18.06.2026 09.46
- Ab Donnerstag steigen die Temperaturen verbreitet auf über 30 Grad
- Im Westen und Südwesten sind am Freitag Spitzenwerte bis 38 Grad möglich
- Meteorologen warnen vor schweren Gewittern, Superzellen und möglicher Tornado-Gefahr
Die erste landesweite Hitzewelle des Jahres erfasst Deutschland: Die Temperaturen klettern bereits am Donnerstag (18.06.2026) auf bis zu 36 Grad, meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD). Südlich einer Linie zwischen Münsterland und Berlin werden verbreitet Werte von 30 Grad und mehr erwartet. Doch mit der Hitze steigt auch die Unwettergefahr. Schon ab Freitagnachmittag drohen Superzellen und sogar Tornados.
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Hitzewelle rollt über Deutschland
Verantwortlich für die hohen Temperaturen ist das Hochdruckgebiet "Gorgias", das von Südwesteuropa nach Mitteleuropa zieht. Es transportiert heiße und feuchte Luftmassen aus Nordwestafrika nach Deutschland. "Die erste deutschlandweite Hitzewelle kommt von Südwesten und sie kommt mit Macht", erklärte DWD-Meteorologe Marcel Schmid.
Freitag drohen Superzellen mit Tornadogefahr
Am Freitag (19.06.2026) verschärft sich die Lage dramatisch. Die Temperaturen erreichen schwülheiße 30 bis 35 Grad, im Westen und Südwesten sind sogar bis zu 38 Grad möglich. Doch die eigentliche Gefahr lauert am Nachmittag. Ab etwa 15 Uhr ziehen im Nordwesten schwere Gewitter auf. Besonders brenzlig wird es im Korridor zwischen Köln und Hamburg sowie an der niederländischen Grenze. Dort können sich Superzellen bilden – die gefährlichsten Gewitterformen, die in Deutschland auftreten.
Die Unwetter bringen innerhalb kürzester Zeit massive Niederschläge von 40 bis 60 Litern pro Quadratmeter, die Sturzfluten auslösen können. Hinzu kommen großer Hagel und Orkanböen mit Geschwindigkeiten bis zu 120 Stundenkilometern. Auch Tornados sind nach Einschätzung der Meteorologen nicht ausgeschlossen. Mehrere Wettermodelle zeigen seit zwei Tagen übereinstimmend diese gefährliche Entwicklung an.
Die atmosphärischen Bedingungen am Freitag sind nahezu tropisch. Die vom Boden ausgehende Gewitterenergie erreicht nach Angaben von Meteorologe Jan Schenk Extremwerte von über 4800 Joule pro Kilogramm. "Ab einem Wert von 4000 J/kg kann man von extremen Gewittern sprechen", ordnet der Experte ein. Zusätzlich sorgen hohe Scherwinde und enorme Feuchtigkeit für ideale Voraussetzungen schwerer Unwetter.
Auch der Süden Deutschlands bleibt nicht verschont. In Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz steigt das Gewitterrisiko ebenfalls deutlich an. Allerdings fehlen dort die für Superzellen notwendigen Scherwinde. Die Hauptgefahren in diesen Regionen sind daher vor allem heftiger Starkregen mit Überflutungsgefahr sowie Hagelschlag. Der DWD stuft die Unwettergefahr im Osten und Süden insgesamt als geringer ein als im Nordwesten.
Unwetter am Samstag könnten WM-Spiel beeinträchtigen
Am Samstag verlagert sich der Schwerpunkt der Gewitter weiter nach Osten. Die schwülheiße Witterung hält mit Temperaturen zwischen 30 und 38 Grad an, wobei die höchsten Werte erneut im Südwesten erreicht werden. Auch dann drohen örtlich kräftige Schauer und Gewitter mit Unwetterpotenzial.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft um 22 Uhr. Im Osten des Landes können zu diesem Zeitpunkt noch Unwetter auftreten. Wer das Spiel gemeinsam unter freiem Himmel verfolgen möchte, sollte die aktuellen Wetterwarnungen aufmerksam beobachten. Bei Veranstaltungen im Freien kann sich die Gewitterlage nach Einschätzung der Meteorologen rasch zuspitzen. Die genaue Zugbahn der Gewitter lässt sich allerdings erst kurzfristig präziser vorhersagen. Der DWD betont, dass Details zu Zeit, Ort und Intensität der Gewitter am Samstag noch sehr unsicher sind.
DWD gibt Gesundheitshinweise für Hitzetage
Der Deutsche Wetterdienst empfiehlt angesichts der extremen Temperaturen dringend, körperliche Anstrengungen zu vermeiden und sich der Hitze möglichst nicht auszusetzen. Ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und Wohnräume kühl zu halten sind weitere wichtige Maßnahmen. Besonders ältere und pflegebedürftige Menschen sind durch die starke Wärmebelastung gefährdet. In den Ballungsräumen West- und Südwestdeutschlands müssen sich die Menschen auf Tropennächte einstellen. Die Temperaturen fallen dort kaum unter 20 Grad, was erholsamen Schlaf erschwert.
Das schwülheiße Wetter mit regional unwetterartigen Gewittern hält nach Einschätzung von DWD-Meteorologe Schmid auch am Wochenende an. Die Höchstwerte bewegen sich dann zwischen 30 und 37 Grad. Lediglich im Norden bleibt es mit 22 bis 27 Grad etwas kühler. Erst ab Sonntag könnte dort stabilere und trockenere Luft einsickern.
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