Winter-Unwetter befürchtet: Bomben-Zyklon stoppt Sibirien-Kälte – Italien-Tief bringt Schnee
Zwar hält ein Bomben-Zyklon die sibirische Kälte auf, dafür könnte ein Vb-Tief für reichlich Schnee in Süddeutschland sorgen. Bild: AdobeStock / Dmitriy K.
Von news.de Redakteurin Anika Bube
23.01.2026 09.13
- Bomben-Zyklon stoppt Eisluft: Der „sibirische Kältetiger" kommt vorerst nicht nach Deutschland
- Schnee statt Extremfrost: Ab dem Wochenende 5 bis 10 Zentimeter Neuschnee, lokal bis zu 15
- Gefährliche Wetterlage: Explosive Sturmbildung über dem Atlantik wirbelt Europas Wetter durcheinander
Ein gewaltiges Sturmtief über der Biskaya verhindert derzeit den Vorstoß eisiger Luftmassen aus Sibirien nach Deutschland, meldet "weather.com". In der Nacht von Donnerstag auf Freitag entwickelt sich dort ein sogenannter Bomben-Zyklon, der die erwartete Kältewelle vorerst blockiert. Der oft beschworene "sibirische Kältetiger" erreicht Deutschland damit zunächst nicht, wie Meteorologe Dominik Jung von "wetter.net" erklärt. Zwar bleibt das Wetter hierzulande winterlich kühl, doch die ursprünglich prognostizierten extremen Minusgrade sind vom Tisch. Milde atlantische Luftströme drängen die Kaltluft aus dem Osten immer wieder zurück. Trotzdem müssen sich die Menschen auf Schnee einstellen: Ab dem Wochenende ziehen Niederschläge aus südlicher Richtung heran. Der Deutsche Wetterdienst rechnet mit 5 bis 10 Zentimetern Neuschnee in weiten Landesteilen.
Explosionsartige Sturmbildung über dem Atlantik
Bei der sogenannten Bombogenese fällt der Luftdruck innerhalb von 24 Stunden um bis zu 40 Hektopascal – ein außergewöhnlich starker Wert. Zum Vergleich: Bei gewöhnlichen Sturmtiefs sinkt der Kerndruck nur um etwa 10 Hektopascal im gleichen Zeitraum. Die Folge sind heftige Sturmwinde und Sturmfluten an den Küsten Englands und Frankreichs. Deutschland bleibt von den Orkanböen zwar weitgehend verschont, da der Sturm bereits im Ärmelkanal an Kraft verliert. Dennoch beeinflusst das Wetterphänomen die hiesige Großwetterlage erheblich: Der Polarjet wird durch das mächtige Skandinavien-Hoch und das russische Hochdruckgebiet ins Mittelmeer umgelenkt. Diese Konstellation löst kräftige Tiefdruckgebiete aus, die den Kaltluftvorstoß aus östlicher Richtung aufhalten.
Tief aus Italien bringt Schnee von Süden
Auf der Rückseite des Bomben-Zyklons strömt kalte Luft aus Grönland zunächst nach Südeuropa. In Spanien, Portugal und Italien sinkt die Schneefallgrenze auf 600 Meter. Von dort biegt die Kaltluft nach Norden ab und überquert die Alpen in Richtung Deutschland. Am Sonntag bildet sich über Norditalien ein Tiefdruckgebiet, das eine besondere Zugbahn einschlägt. Es wandert auf einer sogenannten Vb-artigen Route über den Alpenraum und Tschechien zur deutsch-polnischen Grenze. Diese Wetterlage ist bekannt für ergiebige Schneefälle. Ab Sonntagabend und in der Nacht zum Montag breiten sich die Niederschläge aus östlicher Richtung auf weite Teile Deutschlands aus. Besonders der Osten und Südosten des Landes sind betroffen.
Bis zu 15 Zentimeter Neuschnee im Südosten erwartet
Der Deutsche Wetterdienst prognostiziert für das Wochenende flächendeckend 5 bis 10 Zentimeter Neuschnee. Im Südosten Deutschlands können die Mengen sogar noch höher ausfallen: Dort sind bis zu 15 Zentimeter bis in tiefe Lagen möglich. Die Schneefälle könnten am Sonntag besonders im Südosten für markante Verhältnisse sorgen. Anders als bei vielen winterlichen Wetterlagen erreicht der Schnee diesmal auch das Flachland. In höheren Lagen ab 400 bis 500 Metern ist ohnehin mit einer stabilen Schneedecke zu rechnen. Wie viel Schnee letztlich fällt und welche Regionen am stärksten betroffen sind, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung des Bomben-Zyklons ab. Endgültige Gewissheit gibt es wohl erst am Freitag.
Kein flächendeckender Wintereinbruch erwartet
Ein flächendeckender Wintereinbruch im Flachland gilt weiterhin als unwahrscheinlich. Die Tiefdruckgebiete vom Atlantik schieben immer wieder mildere Luftmassen nach Deutschland und verhindern, dass sich extreme Kälte festsetzen kann. Für eine ausgeprägte Winterlandschaft wären Temperaturen von minus 8 bis minus 10 Grad in 1.500 Metern Höhe nötig – stattdessen herrschen dort oft Plusgrade. Die Februarprognosen wurden inzwischen angepasst und deuten auf einen normal temperierten Monat hin.
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bua/bos/news.de