Polizeimeldung Görlitz, 14.04.2026: Polizeipräsident Manfred Weißbach:
Die Polizei Sachsen informiert zu einem aktuellen Fall (Symbolbild). Bild: picture alliance / dpa / Robert Michael
Erstellt von Team Datenjournalismus
14.04.2026 13.57
Die Polizei hat gegen 13:44 Uhr mehrere Meldungen für die Region herausgegeben. In diesen heißt es:
Anstieg der Verkehrsunfälle: Auswertung der Verkehrslage des Jahres 2025 im Bereich der Polizeidirektion Görlitz
Anstieg der Verkehrsunfälle, aber leichter Rückgang bei Unfällen mit Personenschaden
Die Polizeidirektion Görlitz zieht Bilanz der Straßenverkehrsunfälle im Jahr 2025. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 13.790 Verkehrsunfälle registriert. Das entspricht einem Anstieg um 380 Unfälle (2,8 Prozent) gegenüber 2024.
Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden sank im Jahr 2025 mit 1.932 Fällen um 1,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
470 Menschen wurden schwer- und 1.915 Personen leichtverletzt.
Damit sank die Anzahl der bei Verkehrsunfällen schwer- und leichtverletzten Personen insgesamt um 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Trotz des leichten Rückgangs bei den Verkehrsunfällen mit Personenschaden sind im Jahr 2025 zehn Menschen mehr als im Vorjahr bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. (siehe Abbildung 1)
Unter den 39 getöteten Personen befinden sich 14 Senioren (≥ 65 Jahre), drei junge Verkehrsteilnehmer (16-24 Jahre) sowie ein Kind (0-14 Jahre). Den größten Teil der Verunglückten stellen Fahrzeugführer mittleren Alters dar.
Ein besonders tragischer Verkehrsunfall ereignete sich im September 2025, als es auf der Bundesstraße B 156 zwischen Uhyst und Weißwasser zu einem Zusammenstoß zwischen einem mit drei Personen besetzen Pkw Nissan und einem Pkw Suzuki kam. Die 66-jährige Fahrerin des Nissan geriet aus ungeklärter Ursache in den Gegenverkehr und stieß dabei mit einem entgegenkommenden Suzuki zusammen. Die Unfallverursacherin sowie Fahrer und Beifahrerin des Suzuki wurden infolge des Unfalls tödlich verletzt. Die im Nissan befindlichen minderjährigen Insassinnen wurden schwerverletzt.
Beteiligung von Radfahrern am Unfallgeschehen weiter ansteigend: Polizeipräsident Manfred Weißbach:
»Jeder Verletzte oder Getötete im Straßenverkehr ist einer zu viel! Gleichwohl wir einen leichten Rückgang bei Unfällen mit Personenschaden verzeichnen, sehen wir einen Anstieg der Zahl der Verkehrsunfälle insgesamt sowie die Zunahme der getöteten Personen im Straßenverkehr. Die verkehrspolizeiliche Arbeit unserer Beamtinnen und Beamten steht deshalb nach wie vor klar im Fokus. Hier gilt es weiterhin, die Unfallursachen zu erkennen, um insbesondere Verkehrsunfälle infolge zu hoher Geschwindigkeit, zu geringem Abstand, nach Vorfahrtsverstößen oder unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen zu reduzieren.«
Beteiligung von Radfahrern am Unfallgeschehen weiter ansteigend
Der Anteil der Verkehrsunfälle mit Radfahrbeteiligung stieg im Jahr 2025 um 4 Prozent. Waren im Jahr 2024 noch 729 Radfahrer am Verkehrsunfallgeschehen beteiligt, wurden im letzten Kalenderjahr 755 Verkehrsunfälle mit Radfahrbeteiligung durch die Polizei aufgenommen, davon 633 mit Personenschaden. Ein Viertel davon waren Verkehrsunfälle mit verletzten Pedelec-Fahrern (159).
Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Fußgängern sind nach einem kontinuierlichen Anstieg in den letzten Jahren wieder rückläufig und liegen unterhalb der Werte der Jahre 2023 und 2024. 168 Verkehrsunfälle mit Personenschaden wurden der Polizei bekannt. (siehe Abbildung 2)
Leichter Rückgang bei Verkehrsbeteiligung mit Kindern, dafür Anstieg der Verkehrsunfälle mit jungen Verkehrsteilnehmern und Senioren
Die Zahl der an Verkehrsunfällen beteiligten Kinder unter 15 Jahren ist leicht gesunken. Waren es 2024 noch 121 verletzte Kinder, sank die Zahl 2025 auf 93. Davon wurden 66 Kinder mit dem Fahrrad fahrend verletzt, im Vorjahr 68.
Junge Verkehrsteilnehmer (18 bis 24 Jahre) waren in 2.041 Fällen am Verkehrsunfallgeschehen beteiligt. Diese Zahl stieg erstmalig seit 2017 wieder über die 2.000er Marke. Allerdings sank die Anzahl der Verletzten jungen Verkehrsteilnehmer von 457 im Jahr 2024 auf 301 im Jahr 2025. Bei 233 der 354 Unfälle mit Personenschaden führten junge Verkehrsteilnehmer einen Pkw und verursachten dabei 182 Kollisionen selbst.
Senioren ab 65 Jahren sind in 4.111 Fällen am Gesamtunfallgeschehen beteiligt. Dies ist eine Steigerung um 3,4 Prozent zum Vorjahr. Ein Grund kann in dem steigenden Bevölkerungsanteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung liegen. Wenn sie sich verletzten, dann überwiegend als Pkw-Fahrer (196) oder Radfahrer (169). Die Anzahl der Pedelec-Nutzer unter den Senioren steigt seit Jahren kontinuierlich an. Wurden 2024 noch 49 Senioren unter Nutzung eines Pedelecs verletzt, waren es 2025 bereits 57. Dies lässt sich durch den demografischen Wandel und ein »aktives Altern« mitbegründen. Viele Senioren möchten auch im höheren Alter mobil und unabhängig bleiben. Das Pedelec bietet hier eine ideale Lösung. Die elektrische Unterstützung ermöglicht es, längere Strecken und anspruchsvollere Routen ohne übermäßige Belastung zurückzulegen. Mit der wachsenden Zahl des Pedelecs im Bestand und der höheren Fahrleistung steigt zwangsläufig auch die absolute Zahl der Verkehrsunfälle. (siehe Abbildung 3)
Vorfahrtsverstöße, nicht angepasste Geschwindigkeit und fehlender Sicherheitsabstand als Hauptursache bei Unfällen mit Personenschaden
Bei Verkehrsunfällen mit Personenschaden sind Konflikte an Knotenpunkten, hier vor allem das Nichtbeachten der Vorfahrt, mit 16,4 Prozent, die Hauptunfallursache.
Unangepasste Geschwindigkeit rangiert knapp dahinter auf Platz 2 mit 15,5 Prozent, gefolgt von ungenügendem Sicherheitsabstand mit 11,9 Prozent.
Die Ursache Alkohol spielt in 9,5 Prozent der Fälle eine Rolle. (siehe Abbildung 4)
Steigende Alkohol- und Drogenunfälle
Auch die Verkehrsunfälle ohne Personenschaden betrachtet, wurden 323 Verkehrsunfälle unter dem Einfluss von Alkohol polizeilich registriert. Dies ist eine Steigerung um 14,9 Prozent zum Vorjahr. Ähnlich verhält es sich bei Verkehrsunfällen unter dem Einfluss berauschender Mittel. Die Polizei verzeichnete 53 Unfälle unter dem Einfluss von Drogen. Dies entspricht einem Anstieg um 39,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Gesamtanteil beträgt 0,4 Prozent am Verkehrsunfallgeschehen.
Inzwischen sind in der Polizeidirektion Görlitz rund 70 Beamte zu sogenannten Drogen-Erkennern im Straßenverkehr ausgebildet, 17 von ihnen als QFP-Beamte (qualifizierte Fahrtüchtigkeitsprüfung). Damit ist zu erwarten, dass künftig bei mehr Unfallbeteiligten der Einfluss berauschender Mittel erkannt wird. Viel höher, so verspricht sich die Polizei, ist der Mehrwert für die Verkehrssicherheit durch frühzeitiges Erkennen fahruntüchtiger Teilnehmer am Straßenverkehr.
Die Polizei wird die Verkehrsüberwachung weiter intensivieren, insbesondere unter Beachtung der Hauptunfallursachen. Präventionsmaßnahmen für vulnerable Verkehrsteilnehmer (z. B. Radfahrer und Senioren) bleiben ein Schwerpunkt.
Geschwindigkeit weiter im Fokus: Polizeipräsident Manfred Weißbach:
»Für uns bedeutet dies, alle Verkehrsteilnehmer dahingehend zu sensibilisieren, dass das Fahren unter Alkohol oder anderen berauschenden Mitteln nicht nur strafbar, sondern auch gefährlich und rücksichtslos ist. Mit der konsequenten Fortführung der Kontrollen zur erweiterten Überprüfung der Fahrtüchtigkeit setzen wir dahingehend ein deutliches Zeichen und halten den Kontrolldruck hoch.«
Geschwindigkeit weiter im Fokus
Unter Nutzung polizeilicher Messgeräte zur Geschwindigkeits- überwachung konnten durch die Beamtinnen und Beamten 2.064 Geschwindigkeitskontrollen realisiert werden. Dabei wurden 53.648 Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt. Insgesamt wurden in den Landkreisen Bautzen und Görlitz im Jahr 2025 7.454 Verkehrsstraftaten (7.430 in 2024) und 91.358 Verkehrsordnungswidrigkeiten (95.632 in 2024) registriert.
Erfolgreiches Pilotprojekt zur Unterstützung der Polizei bei Begleitung von Großraum- und Schwertransporten
Im Zuge der Sanierung des Tunnels »Königshainer Berge« und einer damit einhergehenden Restfahrbahnbreite von 2,90 m konnten Großraum- und Schwertransporte (GST), die breiter waren, die BAB 4 zwischen den Anschlussstellen Kodersdorf und Nieder Seifersdorf nicht befahren. Diese wurden durch Verwaltungshelfer im Rahmen eines »BF 4 (Begleitfahrzeug 4) - Pilotprojektes« begleitet. Somit konnten wertvolle personelle Ressourcen durch Polizeikräfte eingespart und für andere Aufgaben zur Verfügung gestellt werden. Insgesamt wurden durch Verwaltungshelfer im Jahr 2025 204 Großraum- und Schwertransporte (GST) begleitet. Das Projekt wird derzeit auf den Landkreis Bautzen ausgeweitet.
Polizeipräsident Manfred Weißbach zum Tunnel:
»Nach zwei Jahren umfassender Sanierungen ist der Tunnel »Könighainer Berge« seit Ende 2025 wieder vollständig für den Verkehr freigegeben. Für jeden, der durch dieses Bauwerk fährt, sind die Veränderungen sichtbar. Vieles wurde zusätzlich installiert und wird helfen, die Verkehrssicherheit hoch zu halten. Mein Dank gilt den geduldigen Pendlern und Berufskraftfahrern, aber auch dem Durchhaltevermögen der Bewohner umliegender Ortschaften. Als herausfordernd im Gedächtnis bleiben werden der Brand im Juni 2024 und ein Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang im Zusammenhang mit einem Staugeschehen am 14. April 2025. Hand in Hand mit der Werkfeuerwehr und der Autobahn GmbH des Bundes haben wir diese und die vielen weiteren Zwischenfälle im Bereich des Tunnels schnell beheben können.
Standort und Kompetenz der Werkfeuerwehr waren für rund zwei Jahre ein idealer Vorteil für eine schnelle und effiziente Gefahrenabwehr. Ich bin aber zuversichtlich, dass die umliegenden Feuerwehren mit Sachverstand und Herz die Herausforderungen der Tunnelanlage gemeinsam mit der Polizei und dem Bund als Baulastträger angehen. Zusätzlich nehmen wir positive Erfahrungen mit: Dazu gehört der Einsatz einer Abschleppstange für ein schnelles Umsetzen havarierter Pkw. Dazu gehört aber auch das BF4-Projekt. Erstmals in Sachsen begleiteten Verwaltungshelfer Großraum- und Schwertransporte. Damit wurde die polizeiliche Arbeit erheblich entlastet und ist nun Initiator für weitere Projekte über den Landkreis Görlitz hinaus.«
Verkehrsprävention weiter Schwerpunkt
Die Verkehrserziehung und Prävention, insbesondere die schulische Radfahrausbildung, bilden weiterhin einen Schwerpunkt der polizeilichen Arbeit. In diesem Zusammenhang kommt auch den eingebundenen Bürgerpolizistinnen und Bürgerpolizisten eine besondere Rolle zu. Im Jahr 2025 wurden in der Polizeidirektion Görlitz insgesamt 244 praktische Radfahrausbildungen durchgeführt. Diese fanden in der Regel an jeweils zwei Ausbildungstagen statt. Die Bürgerpolizistinnen und Bürgerpolzisten der Polizeidirektion Görlitz schulten dabei etwa 5.000 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 4 mit dem Ziel einer sicheren Teilnahme am Straßenverkehr.
Die Polizeidirektion Görlitz erhielt die Federführung für die Auftaktveranstaltung der jährlichen Verkehrssicherheitsaktion Blitz für Kids und beteiligte sich an weiteren europaweiten ROADPOL Kontrollwochen. Im September organisierte die Verkehrspolizeiinspektion mehrere Kontrollen des gewerblichen Güter- und Personenverkehrs in Ostsachsen gemeinsam mit den weiteren Polizeidirektionen, externen Behörden, aber auch Kollegen aus mehreren Bundesländern und dem europäischen Ausland. Zudem führte sie eigene örtliche und thematische Schwerpunktkontrollen neben den landesweiten Kontrollen gemäß Verkehrssicherheitskalender durch. Schwerpunkt dabei war unter anderem die Durchführung von Kontrollmaßnahmen hinsichtlich der Fahrtüchtigkeit von Fahrzeugführern (QFP).
Die Polizei bleibt weiter Ansprechpartner bei Fragen der Verkehrssicherheit und konzentriert sich dabei auf die Hauptunfallursachen Geschwindigkeit, Vorfahrt, Abstand, Alkohol und Drogen. Insbesondere vor dem Hintergrund der Cannabislegalisierung sowie der Risikogruppen (Senioren +65) wurde die qualifizierte Fahrtüchtigkeitsprüfung stetig ausgeweitet und Beamtinnen und Beamte geschult. Der Kontrolldruck in Bezug auf den gewerblichen Güterverkehr im Transit-Bundesland Sachsen bleibt hoch. Die Polizei nimmt im Rahmen der Verkehrsüberwachung außerdem noch stärker Einfluss auf den Zweiradverkehr. Dazu fand 2025 der erste Fahrradaktionstag in Bautzen statt. Das erfolgreiche Projekt wird auch in diesem Jahr im Juni fortgeführt. Am 23. Juni 2026 findet der zweite Fahrradaktionstag in Bautzen statt.
Polizeipräsident Manfred Weißbach:
»Es bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe unsere Straßen sicher zu machen. Sie erfordert das Engagement und eine enge Zusammenarbeit verschiedener Akteure.
+++ Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einer Meldung des Polizeipräsidiums Görlitz. Um Sie schnellstmöglich zu informieren, werden diese Texte datengetrieben erstellt und stichprobenartig kontrolliert. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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