Wirtschaft

Trotz Ölpreis-Absturz: Spritpreise bleiben hoch – macht die neue 12-Uhr-Regel alles noch schlimmer?

Trotz eines Ölpreis-Einbruchs von 16 Prozent bleiben die Tankstellenpreise schwindelerregend hoch. Bild: picture alliance/dpa/AP | Thomas Padilla

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  • Spritpreis-Situation in Deutschland aktuell - Autofahrer können noch nicht aufatmen
  • Ölpreis bricht ein, doch Spritpreise verharren auf Rekord-Hoch
  • Experten wagen Prognose: Wann wird Benzin endlich wieder bezahlbar?

Der Ölpreis ist am 8. April 2026, kaum dass nach einer Übereinkunft der USA und des Irans die Öffnung der seit Wochen blockierten Straße von Hormus in Aussicht gestellt wurde, um satte 16 Prozent eingebrochen – doch an deutschen Zapfsäulen merken Autofahrer davon bislang kaum etwas. Die Spritpreise verharren auf hohem Niveau, obwohl der Rohstoff deutlich günstiger geworden ist.

Spritpreis in Deutschland weiter auf Rekord-Hoch - trotz sinkendem Ölpreis

Der ADAC übt scharfe Kritik an der aktuellen Preisgestaltung. Eine Sprecherin des Automobilclubs erklärte gegenüber "Bild": "Der ADAC hält beide Kraftstoffsorten für überteuert und hält Preissenkungen, die ganztägig möglich bleiben, für angezeigt." Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband TIV beschreibt das bekannte Muster: "Die Konzerne sind sehr schnell dabei, in einer Krise die Preise zu erhöhen. Entspannt sich diese Krise, ist man sehr vorsichtig und zurückhaltend mit dem Zurücknehmen der Preise."

Wann wird Sprit endlich wieder bezahlbar? Experten wagen Prognose

Wann werden die gesunkenen Ölpreise endlich an der Zapfsäule spürbar? Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING, gibt eine optimistische Prognose: "Spätestens zum Wochenende sollte Tanken wieder günstiger werden." Voraussetzung sei, dass ab Donnerstag (09.04.2026) erste Schiffe wieder durch die Straße von Hormus fahren und der maßgebliche Ölpreis weiter fällt.

Daniel Kaddik vom Bundesverband freier Tankstellen dämpft hingegen die Erwartungen. "Die Zapfsäule reagiert nicht auf den aktuellen Börsenpreis, sondern auf die Beschaffungskosten für Kraftstoff", erklärte er gegenüber "Bild". Tankstellen würden zu den Preisen verkaufen, zu denen sie zuvor eingekauft hätten – für Diesel seien das zuletzt noch 1,99 Euro plus Mehrwertsteuer gewesen. Sein Fazit: "Kurzfristig sind nur begrenzte Entlastungen zu erwarten."

Frust für Autofahrer: Deutsche Benzinpreise steigen deutlich stärker als bei Nachbarn

Aktuelle EU-Daten offenbaren einen bemerkenswerten Trend: Zwischen dem 30. März und dem 6. April verteuerte sich Superbenzin in Deutschland um rund 11 Cent. In den meisten Nachbarländern fiel der Anstieg deutlich geringer aus – lediglich Dänemark verzeichnete mit etwa 9 Cent eine ähnliche Entwicklung. In Polen und Österreich sanken die Preise sogar, was allerdings auf staatliche Eingriffe zurückzuführen ist.

Der Beobachtungszeitraum der EU-Kommission fällt größtenteils mit der Einführung der neuen 12-Uhr-Regel zusammen. Diese Vorschrift der Bundesregierung erlaubt Tankstellen nur noch eine Preiserhöhung pro Tag, während Senkungen jederzeit möglich bleiben. Das Konzept orientiert sich am österreichischen Vorbild – doch die ersten Zahlen werfen Fragen auf.

Macht die 12-Uhr-Regel die benzinpreis-Situation noch schlimmer?

Schon vor Einführung der 12-Uhr-Regel hatten Skeptiker gewarnt: Tankstellen könnten die Preise mittags besonders stark anheben, um sich für den Rest des Tages abzusichern. Genau dieses Verhalten scheint sich nun abzuzeichnen. Der ADAC registrierte in den ersten Tagen nach Inkrafttreten der Regelung teilweise Preissprünge von mehr als 10 Cent im bundesweiten Durchschnitt. Das Bundeswirtschaftsministerium hält sich mit einer Bewertung zurück. Ein Sprecher erklärte, eine Woche nach Einführung sei es noch zu früh für ein substanzielles Fazit. Ob der stärkere Preisanstieg in Deutschland tatsächlich mit der neuen Vorschrift zusammenhängt, bleibt vorerst offen. Auffällig ist jedoch: Der beschriebene Effekt zeigt sich ausschließlich bei Benzin. Beim Dieselpreis sticht Deutschland im EU-Vergleich nicht hervor.

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