Wirtschaft

Wegen Iran-Krieg und Energiepreis-Hammer: Deutsche Wirtschaft abgewürgt - so düster ist die aktualisierte Prognose

Neuer Kummer für Friedrich Merz: Zusätzlich zu den Wirtschaftsproblemen, die Deutschland ohnehin belasten, muss der Bundeskanzler jetzt auch mit einer düsteren Wachstumsprognose von Experten fertig werden. Bild: picture alliance/dpa | Hannes P. Albert

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  • Neue Sorge für Bundeskanzler Merz: Wirtschaft in Deutschland massiv unter Druck
  • Wachstumsprognose für 2026 von Experten nach unten korrigiert
  • Iran-Krieg und Energiepreis-Schock als Grund für düstere Wirtschaftsprognose

Der aktuelle Zustand der deutschen Wirtschaft bereitet Bundeskanzler Friedrich Merz ohnehin bereits Kopfschmerzen, nun gesellt sich ein neues Problem hinzu: Führende Forschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2026 drastisch nach unten korrigiert – von ursprünglich 1,3 Prozent auf nur noch 0,6 Prozent. Verantwortlich dafür ist ein massiver Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs.

Neuer Dämpfer für Deutschlands Wirtschaft wegen Iran-Krieg und Energiepreis-Anstieg

"Der Energiepreisschock im Zuge des Iran-Krieges trifft die Erholung hart, gleichzeitig stützt aber die expansive Fiskalpolitik die Binnenwirtschaft und verhindert ein stärkeres Abrutschen", erklärte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser am 1. April 2026 bei der Vorstellung der Gemeinschaftsdiagnose in Berlin.

Trübe Aussichten für die Wirtschaft: Wachstumsprognose für 2027 ebenfalls nach unten korrigiert

Auch für 2027 zeigen sich die Ökonomen deutlich pessimistischer: Statt der zuvor erwarteten 1,4 Prozent rechnen sie nun mit lediglich 0,9 Prozent Wachstum. Parallel dazu zieht die Teuerung an – die Inflationsrate soll 2026 auf durchschnittlich 2,8 Prozent klettern. An der Prognose beteiligt sind unter anderem das Ifo-Institut und das DIW.

Blockade der Straße von Hormus lähmt globalen Ölhandel

Der Auslöser für den Preisschock liegt in der Straße von Hormus. Seit Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar ist der Schiffsverkehr durch diese strategisch wichtige Meerenge nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Die Wasserstraße gilt als zentrale Transportroute für Öl und Flüssiggas weltweit. Wegen des eskalierten Nahost-Konflikts und der Gefahr iranischer Angriffe meiden Tanker und Frachtschiffe die Region. Wann eine sichere Durchfahrt wieder möglich sein wird, bleibt völlig offen. Die Blockade hat zu massiven Preissprüngen bei Öl und Gas geführt.

Die USA weisen derweil jede Verantwortung für die Lösung des Problems von sich - auch wenn die Luftangriffe, die den Iran-Krieg lostraten, nicht nur mit israelischer, sondern auch mit US-amerikanischer Beteiligung vonstatten gingen. US-Präsident Donald Trump erklärte im Weißen Haus, sein Land habe mit der Situation "nichts zu tun". Die Öffnung der Meerenge solle anderen Ländern überlassen werden.

Deutschland ächzt unter steigenden Energiepreisen - auch Lebenshaltungskosten steigen spürbar

Die explodierenden Energiepreise schlagen bereits auf das tägliche Leben durch. Schon im März 2026 kletterte die Inflationsrate auf 2,7 Prozent – der höchste Wert seit über zwei Jahren. Im Februar hatte sie noch bei 1,9 Prozent gelegen. Besonders stark verteuerte sich dabei Energie. Die Teuerungswelle erfasst zunehmend auch andere Bereiche. Steigende Gaspreise machen Düngemittel teurer, was sich auf die Nahrungsmittelpreise auswirkt. Hinzu kommen höhere Produktions- und Transportkosten, die auf Warenpreise durchschlagen.

Für die Verbraucher bedeutet das: Wenn mehr Geld für Energie und Alltägliches ausgegeben werden muss, bleibt weniger für andere Anschaffungen übrig. Genau dieser Effekt drückt auf den privaten Konsum – und bremst damit zusätzlich die wirtschaftliche Erholung.

Trübe Aussichten für den Arbeitsmarkt: Jobabbau trotz staatlicher Milliardenhilfen

Die wirtschaftliche Schwäche hinterlässt deutliche Spuren am Arbeitsmarkt. Die Forschungsinstitute prognostizieren einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 6,4 Prozent im laufenden Jahr. Rund 100.000 Stellen dürften wegfallen. Eine Erholung der Beschäftigung erwarten die Ökonomen frühestens 2027, wenn die Konjunktur anzieht und Unternehmen wieder verstärkt einstellen. Ohne die massiven Staatsausgaben wäre die Lage noch dramatischer. Milliarden fließen derzeit in Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz. Davon profitieren vor allem Rüstungsunternehmen und die Baubranche. Diese expansive Fiskalpolitik stützt die Binnenwirtschaft und verhindert einen stärkeren Absturz. Die Industrie bleibt dennoch das große Sorgenkind. Deutsche Unternehmen kämpfen mit schwacher Auslandsnachfrage, zu hohen Preisen und geopolitischen Spannungen.

Deutsche Wirtschaft unter Druck - Haushaltslöcher drohen sich zu vergrößern

Die Bundesregierung wird ihre eigene Wachstumsprognose voraussichtlich innerhalb der kommenden Woche ebenfalls nach unten korrigieren müssen. Bislang rechnet sie noch mit einem Plus von 1,0 Prozent für 2026. Die Frühjahrsprojektion dient als Grundlage für die Steuerschätzung.

Schwächeres Wachstum bedeutet geringere Steuereinnahmen als geplant. Das verschärft den ohnehin bestehenden Spardruck im Kernhaushalt zusätzlich. Finanzminister Lars Klingbeil plant, die Eckpunkte für den Haushalt 2027 sowie die mittelfristige Finanzplanung Ende April vorzulegen. Schon jetzt klaffen Milliardenlücken im Etat.

Parallel dazu steigt der Reformdruck. Die Regierung hat grundlegende Änderungen bei Gesundheit, Pflege und Rente angekündigt, um die Beiträge stabil zu halten. Wirtschaftsverbände fordern zudem niedrigere Energiepreise und weniger Bürokratie.

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/news.de/dpa/stg

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