Benzinpreisvergleich zeigt: Bis zu 30 Euro mehr - warum deutsche Autofahrer so drastisch draufzahlen
Nachdem die Benzinpreisbremse ausgelaufen ist, steigen die Spritpreise in Deutschland wieder. Im europäischen Vergleich sind die Preise erstaunlich hoch. Bild: picture alliance/dpa/Sascha Thelen
Erstellt von Ines Fedder
21.07.2026 10.55
- Sprit in Deutschland gehört zu den teuersten Europas
- Bis zu 31 Euro Preisunterschied pro Tankfüllung
- Steuern, Tankrabatt-Aus und Konzerne als Preistreiber
- ADAC kritisiert überhöhte Spritpreise deutlich
An der Zapfsäule trifft es deutsche Autofahrer derzeit besonders hart. Wer in der Bundesrepublik tankt, bezahlt beispielsweise für einen Liter Super-Benzin bis zu 63 Cent mehr als im benachbarten Polen. Hochgerechnet auf eine komplette 50-Liter-Füllung ergibt sich daraus ein Mehrpreis von rund 30 Euro. Aber woran liegt das überhaupt?
Aktuelle Preisdaten, die der "Bild"-Zeitung vorliegen (vom 20. Juli), zeigen: Mit 2,172 Euro pro Liter Super 95 liegt Deutschland im europäischen Spitzenfeld. Lediglich die Niederlande verlangen noch mehr. Beim Diesel sieht es kaum besser aus – hier sind nur Italien und die Niederlande teurer.
Die Gründe für das hohe Preisniveau sind vielschichtig. Neben der enormen Steuerbelastung spielt das Ende des deutschen Tankrabatts zum 1. Juli eine zentrale Rolle. Zudem kritisiert der ADAC, dass die Preisaufschläge der Mineralölkonzerne nicht allein mit der Entwicklung am Rohölmarkt zu erklären seien.
Viertteuerster Sprit in der gesamten EU
Ein EU-weiter Wochenvergleich mit Stand vom 13. Juli untermauert das Bild: Sowohl bei Benzin als auch bei Diesel rangiert die Bundesrepublik auf Platz vier der 27 Mitgliedsstaaten. Nur Dänemark, die Niederlande und Finnland liegen noch darüber.
Die konkreten Zahlen im Ländervergleich (Quelle: Bild) verdeutlichen die Kluft:
| Land | Benzin (Super 95) €/l | 50 l Benzin (€) | Diesel €/l | 50 l Diesel (€) |
| Niederlande | 2,278 | 113,90 | 2,264 | 113,20 |
| Deutschland | 2,172 | 108,60 | 2,133 | 106,65 |
| Italien | 2,021 | 101,05 | 2,173 | 108,65 |
| Frankreich | 1,997 | 99,85 | 2,047 | 102,35 |
| Schweiz | 1,974 | 98,70 | 2,071 | 103,55 |
| Portugal | 1,966 | 98,30 | 1,878 | 93,90 |
| Griechenland | 1,964 | 98,20 | 1,867 | 93,35 |
| Österreich | 1,861 | 93,05 | 1,891 | 94,55 |
| Belgien | 1,833 | 91,65 | 1,963 | 98,15 |
| Großbritannien | 1,821 | 91,05 | 2,000 | 100,00 |
| Lettland | 1,749 | 87,45 | 1,745 | 87,25 |
| Estland | 1,725 | 86,25 | 1,693 | 84,65 |
| Litauen | 1,716 | 85,80 | 1,821 | 91,05 |
| Irland | 1,710 | 85,50 | 1,657 | 82,85 |
Besonders drastisch fällt der Unterschied zu den östlichen Nachbarn aus: In Polen sparen Fahrer bei einer 50-Liter-Füllung Super rund 31,45 Euro, in Tschechien beim Diesel sogar 31,30 Euro.
Steuerlast und Ende des Tankrabatts treiben Preise nach oben
Einen wesentlichen Anteil am hohen Preisniveau haben die staatlichen Abgaben. Bei E10-Benzin entfällt etwa die Hälfte des Literpreises auf Steuern und Gebühren, beim Diesel liegt der Anteil etwas niedriger. Die Energiesteuer allein schlägt mit 65,45 Cent pro Liter Benzin und 47,04 Cent beim Diesel zu Buche.
Zusätzlich verschärfte das Auslaufen des Tankrabatts Ende Juni die Situation erheblich. Seit dem 1. Juli fehlt Autofahrern eine Entlastung von rund 17 Cent je Liter. Laut ADAC zählen neben den Steuern auch unterschiedliche CO₂-Kosten, Mehrwertsteuersätze sowie verschiedene Marktstrukturen und staatliche Regulierungen zu den Faktoren, die das Preisgefälle innerhalb Europas erklären.
Die seit einiger Zeit geltende Zwölf-Uhr-Regel bringt Verbrauchern dabei keine echte Ersparnis – sie konzentriert Preiserhöhungen lediglich auf die Mittagsstunden.
Nachbarländer greifen ihren Autofahrern unter die Arme
Während Deutschland seine Entlastungsmaßnahmen beendet hat, gehen andere europäische Staaten den umgekehrten Weg. Spanien reduziert die Kraftstoffsteuer im Juli um 15 Cent pro Liter und fährt die Vergünstigung dann schrittweise zurück: Im August beträgt die Senkung noch zehn Cent, im September fünf Cent.
Österreich setzt abseits der Autobahnen auf eine geringere Mineralölsteuer in Kombination mit begrenzten Gewinnmargen – dadurch fallen die Preise dort um bis zu zehn Cent niedriger aus. In Tschechien galten seit April staatlich festgelegte Preisobergrenzen für Benzin und Diesel. Diese Deckelung lief allerdings am 19. Juli aus.
Der ADAC betont, dass "Steuern und Abgaben der wichtigste Grund für die Preisunterschiede zwischen den europäischen Ländern" seien. Hinzu kämen unterschiedliche CO₂-Bepreisung und nationale Marktregulierungen.
ADAC wirft Mineralölkonzernen überhöhte Aufschläge vor
Der Automobilclub sieht die aktuellen Spritpreise als eindeutig überzogen an. Die zuletzt vorgenommenen Preiserhöhungen gingen "über das hinaus, was allein durch die Entwicklung des Rohölpreises erklärbar ist", so der ADAC. Damit richtet sich der Vorwurf direkt an die Mineralölbranche, die aus Sicht des Clubs mehr verlangt, als die Marktlage rechtfertigt.
Der Verband der Mineralölwirtschaft weist diese Darstellung zurück. Die Branche begründet das hohe Preisniveau mit gestiegenen Weltmarktpreisen für fertige Kraftstoffprodukte wie Benzin und Diesel. Zusätzlich verteuerten Produktionsausfälle in russischen Raffinerien das Angebot. Als weiteren Kostentreiber nennt der Verband das Niedrigwasser am Rhein, das den Transport per Binnenschiff erheblich erschwere und die Logistikkosten in die Höhe treibe.
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