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Verunreinigte Snacks: Mineralöl und Pestizide im Studentenfutter - Tester schlagen Alarm

Besonders unter Schülern und Studenten ist der Snack sehr beliebt. Bild: AdobeStock/Alliance

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  • Viele Studentenfutter-Produkte enthalten bedenkliche Chemikalien
  • Wie Ökotest zeigt, sind oftmals Pestizidrückstände zu finden
  • Auch Mineralöl-Kontaminationen sind bei vielen Produkten ein Problem

Mehr Tests und Nachrichten über Lebensmittel finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Bereits seit langem gilt Studentenfutter als gesunder Snack zum Lernen. Neben Mandeln, Weinbeeren und Haselnusskernen enthalten die Mischungen oftmals auch Cashews, Erd- oder Paranüsse. Doch die Untersuchungen der Experten von Ökotest zeigen: Die Nussmischungen enthalten häufig Rückstände von Mineralöl und Pestiziden - lagern sich diese langfristig im Körper ab, kann das schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben.

Gut zu wissen: Paranüsse können teils hohe Mengen an radioaktivem Radium enthalten, weshalb Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende laut Bundesamt für Strahlenschutzlieber vorsorglich verzichten sollten.

Schmieröl-Rückstände in den Nussmischungen

Insgesamt wurden im Test von Ökotest29 verschiedene Produkte auf Schadstoffe und Nährwerte untersucht. Besonders auffällig: Im Labor stießen die Experten auf aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) sowie auf gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH/MOSH-Analoga).

MOAH bewerteten die Tester dabei besonders negativ, da einige der Verbindungen auch als krebserregend eingestuft werden. Auch die European Food Safety Authority (EFSA) warnt vor möglichen Risiken für die Gesundheit. Der in den Studentenfutter-Produkten gemessene Wert lag teils über dem von der EU-Kommission als Höchstgehalt vorgeschlagenen Wert.

Ähnlich verhält es sich mit MOSH, die sich vor allem im Fettgewebe, in der Leber, der Milz und den Lymphknoten ablagern. Die genauen gesundheitlichen Folgen sind dabei bislang nicht geklärt. Laut den Testern wurden Mineralölbestandteile in Mengen gefunden, die sie als "erhöht" einstufen würden.

Derzeit ist noch nicht bekannt, woher genau die Verunreinigungen stammen könnten. Unter anderem könnten allerdings Schmieröle von Maschinen bei der Ernte oder beim Transport dafür verantwortlich sein. Ökotest fordert die Hersteller dazu auf, die Kontaminationsquellen ausfindig zu machen, um Konsumenten vor gesundheitlichen Folgen zu schützen.

Gefährliche Pestizide im Studentenfutter gefunden

Ebenfalls alarmierend: Etwa die Hälfte der getesteten Nussmischungen enthält Pestizidrückstände. Einige Produkte wiesen sogar eine Mehrfachbelastung durch verschiedene Pestizidspuren auf. Dies gilt laut Forschern als besonders bedenklich, da Kombinationen verschiedener Rückstände im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Parkinson stehen.

Zudem befanden sich unter den Pestiziden auch Spritzgifte, welche das Ökotest-Labor als besonders bedenklich bewertete. Dazu zählt unter anderem das Insektizid Spirotetramat, welches laut der European Chemicals Agency (ECHA) unter anderem die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen kann und dementsprechend seit 2024 nicht mehr in der EU zugelassen ist.

Zusätzlich konnten Spuren von sogenannten "PFAS"-Pestiziden gefunden werden: Dabei handelt es sich um sogenannte Ewigkeitschemikalien, die sich in Menschen, Tieren und Umwelt anreichern und sich kaum wieder abbauen. Unter den in den Nussmischungen festgestellten Chemikalien befanden sich die PFAS Fluopyram, Lamda-Cyhalothrin, Fludioxonil und Tetraconazol.

Viele Produkte enthalten zu viel Zucker

Ebenfalls ein Minuspunkt für so manche Produkte: Manche Nussmischungen wiesen erhöhte Konzentrationen an Enterobakterien auf. Ein Produkt überschritt hierbei sogar die Richtwerte der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) für ganze Nüsse und Trockenfrüchte. Wird dieser überschritten, kann das auf schlechte Hygienemaßnahmen hinweisen - und schlimmsten Fall Magen-Darm-Verstimmungen auslösen.

Ein weiterer Kritikpunkt an einigen Produkten: Die Zuckermengen sind teils zu hoch. So können bei einigen Produkten bereits 40 Gramm der Mischung ausreichen, um die Hälfte des täglichen Bedarfs an Zucker zu decken. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für einen Erwachsenen eine tägliche Höchstmenge von 50 Gramm Zucker pro Tag.

Welche Studentenfutter-Produkte sind empfehlenswert?

Mit der Note "Sehr gut" schneidet unter den Nussmischungen das Produkt "Alesto Selection Studentenfutter Classic" von Lidl ab. Diese kommt vollständig ohne nachweisebare Pestizide, Mineralölbestandteile oder andere bedenkliche Zusatzstoffe aus. Unter den "Bio"-Produkten können aber auch das Rewe Bio Studentenfutter sowie das K-Bio Studentenfutter von Kaufland überzeugen.

Von einem Produkt sollten die Verbraucher den Testergebnissen zufolge allerdings in Zukunft lieber die Finger lassen: Das "Ültje Studentenfutter Original" fällt mit der Note "mangelhaft" durch. Grund dafür ist unter anderem eine Mehrfachbelastung mit insgesamt neun verschiedenen Pestizidrückständen - Rekordwert unter den getesteten Nussmischungen. Auch das "Farmer Naturals Studentenfutter Classic" von Aldi fällt mit "ungenügend" durch. Begründung für diese Note: Im Produkt konnten Rückstände sechs besonders bedenklicher Spritzmittel gefunden werden - darunter auch ein PFAS-Pestizid.

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