Technik

Spionage-Falle: Wie Ihre Gespräche über Glasfaser abgehört werden können

Die Spionage-Technik der Forscher kommt ganz ohne Elektronik aus. Bild: AdobeStock / Karsten

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  • Über Glasfaser-Kabel lassen sich Gespräche abhören
  • Wie groß die Gefahr ist, haben Forscher erst kürzlich demonstriert
  • Herkömmliche Sicherheitsmaßnahmen schützen nicht vor der Technik

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Der flächendeckende Ausbau von Glasfaserleitungen soll endlich für schnelles Internet in der Bundesrepublik sorgen. Doch Forscher warnen nun vor einer neuen Gefahr: Mithilfe von Spionagetechnik lassen sich Gespräche über die Hightech-Leitungen abhören. So könnten Angreifer Sie ohne Ihr Wissen über die Leitung ausspionieren. Wie die Technik konkret funktioniert und ob es Methoden gibt, sich zu schützen, verraten wir Ihnen hier.

Spionage-Gefahr aus der Glasfaserleitung

Ein Team aus Experten demonstrierte die Abhör-Technik auf dem Network and Distributed System Security (NDSS) Symposium 2026 in San Diego. Die Forscher fanden laut "Cyber Security News" heraus, dass die Kabel selbst auf kleinste Schwingungen reagieren – dabei entstehen minimale Verformungen. Diese verändern das Lichtsignal innerhalb der Leitung. Mithilfe sogenannter "Distributed Acoustic Sensing"-Systeme (DAS) lassen sich Geräusche somit im Kabel orten und auswerten. Benötigt wird dafür sogar nur der Zugriff auf ein Ende der Leitung - wird Ihr Gesprächspartner abgehört, sind Sie ebenfalls betroffen.

Sogar die Position lässt sich beim Abhören erkennen

Zusätzlich zum DAS entwickelten die Forscher einen Verstärker, der die akustischen Signale verbesserte und das Abhören erleichterte. Dabei handelte es sich um einen kleinen Plastikzylinder, der mit etwa 15 Metern Glasfaser umwickelt wurde. Der Zylinder kann dabei ganz einfach als Anschlussbox getarnt werden, was einen Einbau durch vermeintliche Techniker in Büros oder Wohnungen erlauben würde.

Dass die Methode funktioniert, zeigten die Forscher in mehreren Versuchen, sowohl im Labor als auch unter realen Bedingungen in einem Büro. Dadurch ließen sich Gespräche nahezu perfekt ausspionieren. Dabei konnten die Forscher beim Abhören auch die Position des Sprechers innerhalb der Räumlichkeiten fast genau identifizieren. Auch Nebengeräusche wie das Tippen auf einer Tastatur oder Husten wurden erkannt.

Standard-Abwehrmaßnahmen helfen bei Glasfaser nicht

Das größte Problem sehen die Forscher in den Schutzmöglichkeiten vor der neuartigen Abhörtechnik: Da die Technik ohne Strom arbeitet und keine Funkwellen sendet, nehmen herkömmliche Abwehrmaßnahmen sie nicht wahr - sie bleibt also praktisch unsichtbar. Auch Ultraschall-Störgeräte, eine Standardmaßnahme gegen Spionage-Mikrofone, zeigten keine signifikante Schutzwirkung.

Bislang sind noch keine realen Spionagefälle mit der neuen Technik bekannt. Doch das Risiko ist real: Vor allem Firmen und Behörden könnten in Zukunft davon betroffen sein. Experten raten dazu, schalldämmende Materialien über Kabeln zu installieren. Zudem sollten die Kabel nicht an Wänden oder Möbeln anliegen. Auch bestimmte Steckverbindungen können Angreifern das Abhören erschweren.

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/bua/news.de

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