Gesetzesänderung im Bundestag: Ticketsteuer sinkt – wird der Sommerurlaub nun wieder günstiger?
Könnten Flugreisen billiger werden? Vermutlich nur geringfügig - ein echter Preissturz bleibt wahrscheinlich aus. Bild: picture alliance/dpa | Boris Roessler
Von news.de-Redakteur Felix Schneider
22.05.2026 11.31
- Urlauber hoffen derzeit auf günstigere Flugtickets dank Senkung der Luftverkehrsteuer
- Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Senkung nicht bei den Verbrauchern ankommt
- Experten rechnen lediglich mit moderat günstigeren Tickets oder mehr Preisstabilität
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Der Bundestag hat eine Senkung der Flugverkehrsteuer beschlossen, die ab Juli in Kraft treten soll. Damit nimmt die Bundesregierung einen Teil der Steuererhöhung aus dem Jahr 2024 wieder zurück. Viele hoffen nun darauf, dass Flugreisen endlich wieder etwas günstiger werden. Doch profitieren Urlauber tatsächlich von der Steuersenkung? Die Antwort lautet: vermutlich ja – aber nur begrenzt.
So stark sinkt die Ticketsteuer je nach Strecke
Die Höhe der Luftverkehrsteuer richtet sich nach der Flugdistanz und wird pro Passagier erhoben. Ab dem 1. Juli 2026 sinken die Steuersätze laut dem Beschluss des Bundestagswieder, womit die Bundesregierung Flugreisen ab deutschen Flughäfen wieder attraktiver machen und Airlines entlasten will:
- Kurzstrecken (beispielsweise nach Mallorca, Italien oder Griechenland): von 15,53 auf 13,03 Euro
- Mittelstrecken (beispielsweise Türkei, Marokko oder Ägypten): von 39,34 auf 33,01 Euro
- Langstrecken (beispielsweise in die USA, nach Thailand oder auf die Malediven): von 70,83 auf 59,43 Euro
Je nach Reiseziel sparen Airlines also zwischen 2,50 und 11,40 Euro pro Passagier. Airlines und Flughäfen hatten lange kritisiert, dass Fliegen im Vergleich von deutschen Airports im europäischen Vergleich teurer geworden sei. Die Bundesregierung verweist zudem auf rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt von der Luftfahrt abhängen.
Was bedeutet das konkret für Urlauber?
Wer innerhalb Europas fliegt - etwa nach Spanien, Italien oder Griechenland - könnte Tickets künftig einige Euro günstiger bekommen. Auf Langstrecken wären theoretisch sogar zweistellige Einsparungen möglich. Allerdings gibt es einen Haken: Die Fluggesellschaften sind nicht verpflichtet, die Steuerersparnis vollständig an die Kunden weiterzugeben.
Experten rechnen deshalb eher mit moderaten Preisnachlässen oder stabileren Ticketpreisen statt mit echten Schnäppchen. Vor allem die zuletzt stark gestiegenen Kosten für Kerosin, Personal und Flughafengebühren könnten die Entlastung teilweise auffressen. Einige Airlines kämpfen weiterhin mit hohen Betriebskosten und dünnen Gewinnmargen.
Sollten Urlauber mit der Buchung noch warten?
Ob die Steuersenkung auch an die Endverbraucher weitergegeben wird, bleibt zunächst unklar - doch ein solches Szenario erscheint zunehmend unwahrscheinlich. "Wir sollten diese Maßnahme nicht ausschließlich daran messen, ob einzelne Ticketpreise hier und da kurzfristig sinken; das wäre insgesamt zu kurz gedacht", erklärte der SPD-Abgeordnete Ingo Vogel. "Entscheidend sind strukturelle Effekte wie mehr Wettbewerb, bessere Konnektivität, stabilere und zusätzliche Verbindungen." Davon würden letztlich die Verbraucher profitieren.
Sich bei der Buchung bis nach den Steuersenkungen zurückzuhalten, lohnt sich demnach vermutlich eher nicht. Nach der Steuersenkung werden Nachfrage, Ferienzeiten und Kerosinpreise weiterhin den größten Einfluss auf die Ticketpreise haben. Unter dem Strich dürfte die Senkung der Ticketsteuer den Urlaub zwar etwas günstiger machen – die ganz große Preisrevolution beim Fliegen bleibt aber eher unwahrscheinlich.
Bleibt Klimaschutz auf der Strecke?
Umweltverbände sehen die Steuersenkung kritisch. Günstigere Flugpreise könnten den Flugverkehr weiter ankurbeln – obwohl eigentlich mehr Menschen auf die Bahn umsteigen sollten. Zudem verliert der Staat durch die Steuersenkung jährlich mehrere hundert Millionen Euro an Einnahmen. Bis 2030 könnte sich das Minus laut Gesetzentwurf auf rund 355 Millionen Euro pro Jahr summieren.
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