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Gil Ofarim: Wer tief fällt, wird Dschungelkönig – Cancel Culture zahlt sich offenbar aus

Gil Ofarim: Der Dschungelkönig, der zeigt, dass Cancel Culture nicht existiert. Bild: picture alliance/dpa/RTL | RTL

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  • Antisemitismus wird zur Randnotiz der Unterhaltung
  • Medieninszenierung ersetzt Verantwortung bei Dschungelkönig Gil Ofarim
  • Fragwürdiges Comeback ohne Aufarbeitung

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Gil Ofarim steht wieder im Rampenlicht. Applaus, Tränen und eine Krone gibt es auch noch. Nach der Davidstern-Affäre, nach einem Verfahren, nach einem öffentlichen Eingeständnis, dass die schwerwiegenden Vorwürfe so nicht stimmten, wird er im deutschen Unterhaltungsfernsehen erneut gefeiert. Spätestens mit seinem Comeback im Dschungelcamp ist klar: Cancel Culture war nie mehr als ein Mythos.

Sendezeit statt Aufarbeitung bei Gil Ofarim

Was hier passiert, ist keine zweite Chance, es ist eine Generalamnestie durch Sendezeit. Ein Mann, der einen antisemitischen Vorwurf erhob, der eine gesellschaftlich hochsensible Debatte auslöste, der Existenzen beschädigte und Vertrauen verspielt hat, wird nicht kritisch eingeordnet, sondern emotional rehabilitiert. Tränen ersetzen Verantwortung. Kameraeinstellungen ersetzen Aufarbeitung.

Wo Verantwortung eigentlich beginnen müsste

Natürlich darf man Fehler machen. Natürlich darf man zurückkommen. Aber was hier fehlt, ist das Dazwischen. Die ernsthafte Auseinandersetzung. Die klare Grenze zwischen persönlichem Leid und gesellschaftlichem Schaden. Stattdessen wird aus einem komplexen, hochproblematischen Vorgang eine Reality-Story gestrickt.

Die Belohnung für den öffentlichen Absturz bei Gil Ofarim

Besonders bitter ist die Botschaft, die davon ausgeht, dass Gil Ofarim nun Dschungelkönig ist: Wer laut genug fällt, wer medienwirksam leidet, wer sich gut inszenieren lässt, dem wird nicht nur verziehen, sondern der wird belohnt. Das ist keine Resozialisierung, das ist Image-Management.

Antisemitismus als Nebenschauplatz im Fall von Gil Ofarim

Und irgendwo zwischen Dschungelprüfungen, Tränen in Großaufnahme und der nächsten Erlösungsdramaturgie bleibt etwas liegen, das offenbar nicht quotentauglich genug ist: die Verantwortung gegenüber dem Thema Antisemitismus. Es ist politisch, historisch und gesellschaftlich hoch aufgeladen. Wer damit fahrlässig umgeht, beschädigt nicht nur einzelne Menschen, sondern gleich das Vertrauen in all jene, die reale antisemitische Gewalt und Diskriminierung erleben. Aber das passt natürlich schlecht zwischen Kakerlaken und Sternchenregen.

Ein System, das Fehler verwertet

Dass ein Sender daraus ein Feelgood-Comeback formt, sagt weniger über Gil Ofarim als über das System, das ihn jetzt wieder trägt. Moral ist hier kein Maßstab, sondern eine Kulisse. Wichtig ist allein, ob sich eine Geschichte verkaufen lässt. Und die Geschichte vom "Gefallenen, der wieder aufsteht", funktioniert im deutschen Fernsehen immer.

Cancel Culture als Ausrede

Cancel Culture? Die scheint es nicht zu geben. Das Problem ist eine Kultur, die Konsequenzen für PR hält und Aufarbeitung für optional. Wer glaubt, dass dies ein Sieg der Vergebung ist, verwechselt Empathie mit Vergessen. Und genau hier liegt die Bitterkeit dieses Comebacks.

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