Friedrich Merz macht's anders: So unterscheidet er sich von Angela Merkel
Friedrich Merz und Angela Merkel sind zwar beide in der CDU, stehen aber für eine unterschiedliche Politik. Bild: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Erstellt von Martin Gottschling
22.07.2026 06.45
- Unterschiede zwischen Friedrich Merz und Angela Merkel
- Amtierender Bundeskanzler fährt anderen Kurs in der Migrations-, Außen-, Klima-, Wirtschafts- und Sozialpolitik als die ehemalige CDU-Chefin
- Merz will unter anderem härter gegen illegale Einwanderung vorgehen und ist gegen strengere Vorschriften für Unternehmen
Mit dem Amtsantritt von Bundeskanzler Friedrich Merz im Mai 2025 hat die CDU einen deutlich anderen politischen Kurs in der Regierung eingeschlagen als in den 16 Jahren unter Angela Merkel. Zwar gehören beide derselben Partei an, doch in zentralen Politikfeldern vertreten sie teils unterschiedliche Schwerpunkte und Herangehensweisen. Besonders in der Migrations-, Außen-, Klima- und Wirtschaftspolitik zeigen sich markante Unterschiede.
Angela Merkel prägte den Satz "Wir schaffen das" - Friedrich Merz fährt härteren Kurs in der Migrationspolitik
In der Migrationspolitik grenzt sich Friedrich Merz bewusst von Angela Merkels Kurs ab. Während Merkel 2015 mit ihrer Entscheidung, zahlreiche Flüchtlinge einreisen zu lassen, und dem Satz "Wir schaffen das" für eine vergleichsweise offene Flüchtlingspolitik stand, setzt Merz auf eine deutlich restriktivere Linie, wie unter anderem "Welt"berichtete. Er befürwortet stärkere Grenzkontrollen, konsequentere Zurückweisungen irregulärer Migranten an den deutschen Grenzen sowie schnellere Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber. Merz hat erklärt, dass die Migrationspolitik der Merkel-Jahre korrigiert werden müsse. Merkel hingegen verteidigt ihre damaligen Entscheidungen laut dem "Stern" bis heute grundsätzlich und setzt auf Humanität und die Einhaltung des Asylrechts als zentrale Prinzipien. Auch die Praxis der neuen Bundesregierung unter Merz, Asylsuchende bei Grenzkontrollen ohne Verfahren zurückzuweisen, kritisierte sie im Frühjahr 2025 scharf, wie die "Tagesschau" berichtete.
Friedrich Merz betont Deutschlands Führungsrolle – Angela Merkel als pragmatische Krisendiplomatin in der Außenpolitik
Auch in der Außenpolitik unterscheiden sich beide CDU-Politiker. Angela Merkel galt während ihrer Kanzlerschaft als vorsichtige, pragmatische Krisendiplomatin. Sie setzte auf multilaterale Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union, der Nato und der Vereinten Nationen sowie auf einen ausgleichenden Führungsstil. Friedrich Merz verfolgt dagegen einen offensiveren außenpolitischen Kurs. Er betont Deutschlands Führungsrolle in Europa sowie in der Nato stärker, tritt selbstbewusster auf internationalen Bühnen auf und spricht sich für eine starke Unterstützung der Ukraine sowie für einen konsequenteren sicherheitspolitischen Kurs gegenüber Russland aus. Merkel hingegen fiel nach ihrer Amtszeit immer wieder mit kontroversen Aussagen zum Thema Ukraine-Krieg auf. Unter anderem nannte sie im Herbst 2025 die Corona-Pandemie als einen "Hauptgrund" für Putins Invasion. Beobachter bescheinigen Merz insgesamt einen direkteren und klarer positionierten Regierungsstil als Merkel, wie die "Tagesschau" berichtet.
Angela Merkel war "Klimakanzlerin" - Friedrich Merz gegen strengere staatliche Regulierung beim Thema Umweltschutz
In der Klimapolitik liegen die Unterschiede vor allem in den Prioritäten. Angela Merkel hat einen Hintergrund als Naturwissenschaftlerin und frühere Bundesumweltministerin. Sie setzte früh auf internationale Klimaschutzabkommen und spielte unter anderem beim Zustandekommen des Pariser Klimaabkommens eine wichtige Rolle. Laut "DW" bezeichneten sie Medien ab 2007 häufiger als "Klimakanzlerin". In ihrer Amtszeit wurde nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 auch Deutschlands Atomausstieg beschlossen. Friedrich Merz wurde währenddessen immer wieder dafür kritisiert, dem Klimaschutz zu wenig Bedeutung beizumessen - unter anderem während einer Hitzewelle im Juni 2026 von Ex-Grünen-Chefin Ricarda Lang. Merz betont stärker die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Er warnt regelmäßig vor einer Überforderung von Unternehmen durch zusätzliche Auflagen und setzt stärker auf technologische Innovationen, marktwirtschaftliche Lösungen und Bürokratieabbau als auf neue staatliche Regulierungen.
Friedrich Merz fährt wirtschaftsliberaleren Kurs als Angela Merkel
Angela Merkel verfolgte als Bundeskanzlerin häufig einen pragmatischen Mittelweg und galt nicht als ideologische Verfechterin wirtschaftsliberaler Reformen. Friedrich Merz hingegen steht seit Jahren für einen klar wirtschaftsliberalen Kurs. Er will niedrigere Unternehmenssteuern, weniger Bürokratie, umfangreiche Deregulierungen sowie eine stärkere Entlastung der Wirtschaft. Nach seiner Auffassung sollen dadurch Investitionen gefördert und das Wirtschaftswachstum beschleunigt werden. Auf der CDU-Website ist der aktuelle wirtschaftspolitische Kurs der Regierung nachzuvollziehen.
Unterschiede in der Sozialpolitik zwischen Angela Merkel und Friedrich Merz
Während Merkel während ihrer Kanzlerschaft mehrere sozialpolitische Reformen mittrug – darunter die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns (2015) in der Großen Koalition und die Grundrente (2021), verfolgt Merz auch hier einen stärker wirtschaftsliberalen Ansatz. Er kritisiert insbesondere ausufernde Sozialausgaben und fordert, Sozialleistungen stärker am Grundsatz des "Förderns und Forderns" auszurichten. So wurde während seiner Regierungszeit das erst im Januar 2023 eingeführte Bürgergeld in seiner bisherigen Form wieder abgeschafft. An dessen Stelle trat eine neue Grundsicherung mit strengeren Mitwirkungspflichten und Sanktionen.
Auch diese News zu Merz und Merkel könnten Sie interessieren:
- Diese 10 spannenden Fakten über die Altkanzlerin kennt nicht jeder
- "Nichts als leere Worte" - Wut auf Bundeskanzler nach Gedenken an Hitler-Attentat
- "Was für eine Anmaßung" - Kanzler sorgt für Empörung mit Adenauer-Vergleich