Kim Jong Un: Nordkorea-Machthaber zelebriert Raketentest von "Kang Kon"-Zerstörer
Kim Jong Un wohnte dem Waffentest des Zerstörers "Kang Kon" bester Laune und mit Sonnenhut bei. Bild: picture alliance/dpa/KCNA | -
Erstellt von Claudia Löwe
06.07.2026 10.15
- Kim Jong Un zelebriert Waffentest von Zerstörer "Kang Kon"
- Nordkorea-Machthaber beobachtet Waffentests nach Pannen-Debüt: 5.000-Tonnen-Schiff feuert Marschflugkörper ab
- Das sind Kim Jong Uns Aufrüstungspläne für Nordkoreas Marine
Es war ein Spektakel, das Kim Jong Un erfreut haben dürfte: Der nordkoreanische Zerstörer "Kang Kon" hat am 3. Juli erfolgreich Waffentests absolviert – gut ein Jahr nachdem das Kriegsschiff beim Stapellauf spektakulär gekentert war und dem nordkoreanischen Machthaber eine öffentliche Blamage bescherte. Kim Jong Un beobachtete die Erprobungen persönlich, wie unter anderem die "Bild" unter Berufung auf die staatliche Nachrichtenagentur KCNA berichtete.
Kim Jong Un ergötzt sich an "Kang Kon"-Waffentests
Das 5.000-Tonnen-Schiff, das als Schwesterschiff des Zerstörers "Choe Hyon" in Dienst gestellt werden soll, feuerte im Beisein des Machthabers strategische Marschflugkörper ab und testete weitere Waffensysteme. Nach Angaben des südkoreanischen Militärs wurden die Geschosse in Richtung Japanisches Meer abgefeuert. Südkorea und die USA analysieren derzeit die Details.
Für Nordkorea markieren die erfolgreichen Tests eine Rehabilitation des Pannenschiffs, das im Mai 2025 vor den Augen des Machthabers umkippte und leckschlug. Kim Jong Un ordnete nun an, den Zerstörer binnen zwei Monaten in den aktiven Marinedienst zu stellen.
Kim Jong Un lässt Marschflugkörper von Zerstörer abschießen
Die jüngsten Erprobungen umfassten ein breites Spektrum an Waffensystemen. Neben dem Abschuss strategischer Marschflugkörper testete die Besatzung die Hauptkanone des Schiffs, automatische Geschütze sowie elektronische Kampfmittel. Auch die Fähigkeit zur Zielerfassung und Informationsverarbeitung stand auf dem Prüfstand.
Vom nordkoreanischen Staatsfernsehen veröffentlichte Aufnahmen zeigten etwa zehn Marschflugkörper, die nacheinander in den Himmel aufstiegen. Experten gehen davon aus, dass es sich um Raketen der Hwasal-Serie handelt. Die Bezeichnung "strategisch" deutet nach Einschätzung von Fachleuten auf eine mögliche Nuklearfähigkeit hin. Kim Jong Un ließ sich vor den Tests von einer Bewertungsgruppe über den stufenweisen Prüfplan informieren und verfolgte die Erprobungen anschließend von einem Küstenkommandoposten aus.
Peinliche Blamage für Kim Jong Un: Zerstörer "Kang Kon" kippte beim Stapellauf um
Der Stapellauf der "Kang Kon" im Mai 2025 endete in einem Desaster. Im Hafen von Chongjin rutschte während der Zeremonie ein Transportgestell am Heck ab und verkeilte sich. Der Zerstörer kippte daraufhin vor den Augen des Machthabers um und schlug leck. Kim Jong Un reagierte mit offener Wut. Er sprach von "Kriminalität", "Verantwortungslosigkeit" und "unwissenschaftlichen Methoden". Mindestens vier Personen wurden festgenommen, darunter der Chefingenieur und der Bauleiter. Auch Ri Hyon-song, ein Mitglied der Zentralen Militärkommission, gehörte zu den Verhafteten. Das Schiff wurde anschließend aufgerichtet und zur Reparatur in die Rajin-Werft gebracht. Im Juni 2025 erfolgte der zweite Stapellauf – diesmal ohne Zwischenfälle.
Kim Jong Un drängt auf Einsatz von "Kang Kon" nach Waffentests
Nach Abschluss der Tests erteilte der nordkoreanische Machthaber den Befehl, die verbleibenden Erprobungen zügig abzuschließen und den Zerstörer innerhalb von zwei Monaten für die Marine einsatzbereit zu machen. Der Prozess solle "verantwortungsvoll" durchgeführt werden, zitierte KCNA den Machthaber. Der Zeitrahmen ist nach Einschätzung von Experten kein Zufall. "Das wahrscheinlichste Szenario ist eine Indienststellung zum 78. Jahrestag der Staatsgründung", erklärte Hong Min, leitender Forscher am Korea Institute for National Unification in Seoul, gegenüber AFP. Dieser Feiertag fällt auf den 9. September. Der Zerstörer soll nach Experteneinschätzung zunächst vor der Ostküste Nordkoreas operieren und sich auf vergleichsweise risikoarme Küstenmissionen konzentrieren.
Nordkorea-Machthaber lässt Marine mit Atomwaffen und neuen Schiffen aufrüsten
Der nordkoreanische Zerstörer namens Kang Kon während der Stapellaufzeremonie in der Rajin-Werft in Rason. Bild: picture alliance/dpa/KCNA | -
Die "Kang Kon" ist nicht das einzige neue Kriegsschiff in Nordkoreas Flotte. Erst Ende Juni wurde das Schwesterschiff "Choe Hyon" mit einer pompösen Zeremonie in Dienst gestellt – weniger als zwei Wochen vor den aktuellen Tests. Beide Zerstörer gehören zur selben 5.000-Tonnen-Klasse.
Kim Jong Un hat ambitionierte Pläne für seine Marine verkündet: Jährlich sollen zwei Zerstörer dieser Klasse vom Stapel laufen, und zwar über die nächsten fünf Jahre. Zusätzlich kündigte er den Bau größerer 10.000-Tonnen-Kriegsschiffe an. Die Flotte soll zudem mit Atomwaffen ausgerüstet werden. Südkoreanische Regierungsvertreter und Verteidigungsexperten vermuten, dass Russland beim Bau der Schiffe Unterstützung geleistet hat. Sie bezweifeln allerdings, dass die Zerstörer tatsächlich voll einsatzbereit sind.
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