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Wladimir Putin: Kreml-Lüge aufgeflogen? Zweifel an ungewöhnlichem Putin-Video

Wladimir Putin sorgt mit einer angeblich spontanen Begegnung für Wirbel. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin via AP | Mikhail Metzel

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  • Der Kreml veröffentlichte ein Video von einer angeblich spontanen Begegnung mit Putin
  • Investigative Journalisten identifizierten den "Passanten" als früheren Sicherheitsmitarbeiter
  • Kritiker vermuten eine gezielte Inszenierung des Kremls

Mit einem neuen Video wollte der Kreml offenbar zeigen, wie nahbar und entspannt Wladimir Putin trotz aller Krisen noch immer auftritt. In der Lobby eines Moskauer Hotels plauderte der russische Präsident am Montag (11.05.2026) scheinbar spontan mit einem Mann aus Sotschi. Die Szene wirkte locker, beinahe beiläufig. Doch kurz nach der Veröffentlichung begannen massive Zweifel an der Echtheit der Begegnung.

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Kreml veröffentlicht ungewöhnliches Video: Wladimir Putin scherzt locker mit angeblichem Touristen

In dem vom Kreml veröffentlichten Video unterhält sich Putin mit einem Mann, der angibt, aus Sotschi angereist zu sein. "Es war kalt, als wir losfuhren, und hier war es auch kalt, als wir ankamen", scherzte der vermeintliche Passant über das Wetter. Die beiden tauschten einige Worte über Moskau aus, während Umstehende die Szene filmten. Auffällig dabei: Putin wirkte ungewöhnlich entspannt und wurde lediglich von einer kleinen Sicherheitsgruppe begleitet.

Nach Kremlangaben befand sich Putin auf dem Weg zu einem Treffen mit seiner früheren Lehrerin Vera Gurevich. Der russische Präsident hatte sie zur Siegesparade am 9. Mai eingeladen. Doch statt über das Treffen selbst wurde kurz darauf vor allem über die Identität des angeblich zufälligen Gesprächspartners diskutiert.

Das unabhängige russische Recherche-Portal "Agency" identifizierte den Mann als Alexander Bazarny. Demnach soll Bazarny keineswegs ein gewöhnlicher Tourist sein. Laut den Recherchen arbeitete er zwischen 2010 und 2011 als Sicherheitsmitarbeiter bei Unternehmen in Krasnodar und Moskau, die Verbindungen zu Putins privatem Umfeld gehabt haben sollen. Der Kreml äußerte sich bislang nicht zu den Enthüllungen.

Kreml-Video wirkt wie Reaktion auf Berichte über Putins angebliche Paranoia

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung sorgt zusätzlich für Spekulationen. Westliche Medien hatten zuletzt mehrfach über verschärfte Sicherheitsmaßnahmen rund um Putin berichtet. Die "Financial Times" schrieb Anfang Mai unter Berufung auf anonyme Quellen, der Kremlchef verbringe zunehmend Zeit in unterirdischen Bunkeranlagen und ziehe sich immer stärker vom öffentlichen Leben zurück.

Russische Regierungsvertreter bezeichneten diese Berichte als Unsinn. Das nun veröffentlichte Video wirkt deshalb auf viele Beobachter wie ein bewusster Gegenentwurf: ein lockerer, volksnaher Putin mit minimalem Sicherheitsaufgebot. Kritiker vermuten dagegen eine gezielte PR-Inszenierung.

Politisch schwierige Phase für Putin

Die Debatte fällt in eine heikle politische Situation für den Kreml. Im September stehen Wahlen zur Staatsduma an. Gleichzeitig leidet Russland unter wirtschaftlichen Problemen und wachsendem Unmut über Einschränkungen im Internet. Auch die diesjährige Siegesparade am Roten Platz fiel deutlich kleiner aus als in früheren Jahren. Trotzdem versprach Putin dort erneut einen Sieg im Ukraine-Krieg und erklärte, er rechne mit einem baldigen Ende des Konflikts.

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/ife/news.de

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