Friedrich Merz: "Zu abgehoben, zu sprunghaft, zu negativ" - CDU rechnet mit Bundeskanzler ab
CDU-Größen fordern Kurswechsel von Friedrich Merz. Bild: picture alliance/dpa | Marcus Brandt
Erstellt von Anika Bube
11.05.2026 10.22
- CDU-Politiker fordern von Friedrich Merz eine grundlegende Kurskorrektur
- Kritik gibt es vor allem an Kommunikation und Auftreten des Kanzlers
- Parteifreunde verlangen mehr Bürgernähe und deutlich mehr Optimismus
Die Umfragewerte für Bundeskanzler Friedrich Merz und seine CDU haben einen kritischen Tiefpunkt erreicht. Laut einem Bericht der "Bild" regt sich nun massiver Unmut in den eigenen Reihen: CDU-Größen fordern von dem 70-Jährigen eine grundlegende Kurskorrektur.
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Das Vertrauen der Bevölkerung in den Regierungschef schwindet rapide. Selbst enge Vertraute des Kanzlers machen dafür nicht nur äußere Umstände verantwortlich. Sie sehen die Ursachen auch bei Merz persönlich und in seinem direkten Umfeld. Der Vorwurf: zu abgehoben, zu sprunghaft, zu negativ. Drei konkrete Änderungen verlangen die Parteigrößen nun von ihrem Kanzler.
CDU-Größen kritisieren Kommunikationschaos im Kanzleramt
An erster Stelle steht die Forderung nach verständlicheren Botschaften. Das Kernproblem: Selbst vorhandene Erfolge der Regierung werden nicht überzeugend vermittelt. Die Aussagen des Kanzlers gelten als zu verschachtelt, zu ausschweifend und zu wenig kontrolliert.
Zwei Beispiele verdeutlichen das Dilemma: Bei einem Interview mit dem "Spiegel" versank Merz' eigentliche Reformagenda in Klagen über Anfeindungen in sozialen Medien. Noch folgenschwerer war sein Auftritt vor Marburger Schülern Ende April, als er die USA als "gedemütigte Nation" bezeichnete – Trump reagierte prompt mit Strafzoll-Drohungen gegen EU-Fahrzeuge. Besonders hart trifft die Kritik Regierungssprecher Stefan Kornelius. Aus Parteispitze, Fraktion und Ministerien heißt es, er müsse den Kanzler endlich volksnäher präsentieren.
Merz fokussiert sich auf Außenpolitik statt Alltagssorgen
Die zweite Forderung der Parteigranden: Der Kanzler soll sich stärker den Problemen der Menschen im eigenen Land widmen. Merz hatte sich bewusst als Außenpolitiker positioniert – mit der Logik, dass gelöste internationale Konflikte auch innenpolitisch entlasten würden.
Doch diese Strategie funktioniert nicht mehr. Die Bürger haben längst begriffen, dass Russland eine Bedrohung darstellt und Trump schwierig ist. Was sie vermissen: einen Regierungschef, der ihre konkreten Sorgen ernst nimmt. Nach den hohen Spritpreisen über Ostern begrüßte Merz die Deutschen mit einem außenpolitischen Vortrag – Empathie für die Belastungen an der Zapfsäule? Fehlanzeige.
Zuversicht statt Schwarzmalerei
Die dritte Forderung zielt auf die Grundstimmung des Kanzlers ab. Ein erfahrener Unionspolitiker bringt es auf den Punkt: Wenn selbst der Regierungschef keine Zuversicht ausstrahlt, hebt das die Stimmung im Land kaum. Merz solle sich dort zeigen, wo Deutschland vorankommt – etwa bei Rüstungsprojekten oder Künstlicher Intelligenz. "Durch künstliche Intelligenz und neue Technik entstehen neue Jobs und Firmen, können auch in der Automobilbranche ganze Werke gerettet werden", heißt es aus seinem Umfeld. Der Kanzler müsse diese Entwicklungen persönlich begleiten. Die Lösung aus Sicht der Partei: eine Tournee durch die Republik, direkt zu den Menschen. Die CDU müsse für Erneuerung und Aufschwung stehen.
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