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Donald Trump: Schießerei nur inszeniert? Verschwörungstheorien offenbaren brisantes Phänomen

Nach Schüssen bei einem Trump-Dinner kochen im Netz wilde Verschwörungstheorien hoch. Bild: picture alliance/dpa/AP | Tom Brenner

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  • Schüsse bei Trump-Dinner: US-Präsident in Sicherheit gebracht
  • Täter gefasst: 31-Jähriger direkt vor Ort festgenommen
  • Netz eskaliert: Verschwörungstheorien verbreiten sich ohne Belege

Beim White House Correspondents' Dinner am Samstagabend kam es zu einer Schießerei. Der mutmaßliche Täter Cole Allen, ein 31-Jähriger aus Kalifornien, feuerte mehrere Schüsse ab und traf dabei einen Secret-Service-Agenten. Niemand kam bei dem Vorfall ums Leben. Die Behörden nahmen Allen noch am Tatort fest. US-Präsident Donald Trump und anwesende Kabinettsmitglieder wurden umgehend evakuiert und aus dem Gebäude gebracht.

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Mutmaßliches Attentat auf Donald Trump schürt neue Verschwörungstheorie - keine Beweise

Nur Stunden nach dem Angriff verbreiteten sich auf sozialen Netzwerken Behauptungen, die Schießerei sei inszeniert gewesen. Ein bekannter Account aus dem liberalen Spektrum führte eine Umfrage unter seinen Followern durch. Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer gaben an, sie hielten den Angriff für inszeniert. Belege für diese Theorien existieren nicht. Wie "Slate" berichtet, basierten viele dieser Behauptungen schlicht auf Bauchgefühl statt auf Fakten.

Die Verschwörungstheoretiker stützten sich auf verschiedene angebliche Indizien. Einige analysierten die Gesichtsausdrücke hochrangiger Regierungsvertreter auf Fotos und suchten nach Anzeichen von gespielter Angst. Andere verwiesen auf eine Bemerkung von Pressesprecherin Karoline Leavitt vor dem Dinner, wonach es bei Trumps Rede "Schüsse" geben werde. Auch ein Tonausfall während einer Fox-News-Übertragung wurde als verdächtig eingestuft. Laut "Slate" lassen sich all diese Punkte jedoch einfach erklären: Unterbrochene Verbindungen seien bei hohem Mobilfunkverkehr nach Großereignissen üblich. Zudem habe sich der Vorfall auf einer völlig anderen Etage als der Ballsaal abgespielt, weit entfernt vom US-Präsidenten.

Verschwörungsdenken als neue politische Bewegung

Die Autorin Molly Olmstead sieht in der Reaktion auf den Angriff ein tieferliegendes Problem. "Wir haben einen Punkt erreicht, an dem verschwörerisches Denken selbst eine Art politische Bewegung ist – eine, die oft außerhalb traditioneller Parteigrenzen existiert", schreibt sie bei "Slate". "Es gibt typische MAGA-Verschwörungstheoretiker und BlueAnon-Accounts, die fantastische, finstere Komplotte der Demokraten und Republikaner anprangern. Aber es gibt auch diejenigen, die von der 'Alles-hinterfragen'-Seite des Internets so sehr vergiftet sind, dass sie ihre eigenen ehemaligen Verbündeten verraten."

Lange Zeit seien vor allem rechte Kreise für Verschwörungstheorien anfällig gewesen. Der Vorfall zeige jedoch, dass auch die politische Linke zunehmend bereit sei, sich in diesen Sumpf zu begeben. Ein wesentlicher Unterschied bleibe bestehen: Bislang habe kein prominenter demokratischer Politiker diese Theorien unterstützt. Auf republikanischer Seite befeuerten hingegen führende Vertreter regelmäßig die Verschwörungsmaschinerie.

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/fka/news.de/stg

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