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Donald Trump: "Die USA begehen Selbstmord" – Historiker mit düsterer Trump-Prognose

Unter Donald Trump begehen die USA Selbstmord, warnt der Historiker Timothy Snyder. Bild: picture alliance/dpa/AP | Mark Schiefelbein

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  • Radikale Diagnose: Die USA betreiben laut Snyder einen "Supermacht-Suizid"
  • Staat im Zerfall: Macht verlagert sich zu Oligarchen und kurzfristigen Interessen
  • Warnung vor Lähmung: Normalisierung autoritärer Tendenzen schwächt den Widerstand

Die Vereinigten Staaten befinden sich nicht bloß im Niedergang. Sie begehen aktiv Selbstmord. So lautet die provokante These des Historikers Timothy Snyder, der im "The Daily Beast Podcast" seine Analyse der aktuellen politischen Lage präsentierte.

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"Supermacht-Suizid" durch Donald Trump: Die radikale Analyse von Timothy Snyder

Der renommierte Experte für Autoritarismus, der an der University of Toronto lehrt und Werke wie "On Tyranny" verfasst hat, prägte dafür den Begriff "Supermacht-Suizid". Damit beschreibt er einen Prozess, bei dem politische Entscheidungen, die gezielte Schwächung von Institutionen und kurzfristiges Eigeninteresse die nationale Macht systematisch aushöhlen.

"Als Historiker finde ich das ungewöhnlich", erklärte Snyder. Es gebe zwar zahlreiche Geschichten über den Untergang von Imperien, "aber es ist sehr schwer, Tyrannen oder angehende Tyrannen zu finden, die absichtlich die Macht ihres eigenen Landes sabotieren". Genau das geschehe jedoch derzeit in Washington – durch eine Mischung aus Inkompetenz und persönlicher Bereicherung an der Spitze der Trump-Administration.

Statt eines funktionierenden Staates existiere nur noch "eine Clique von Oligarchen, die eine Menge Geld machen". Es fehle jede kohärente Ideologie, jeder Grund für die Existenz des Staates. Bündnisse würden nicht aus strategischen Gründen gewechselt, sondern weil jemand "auf der falschen Seite des Bettes aufgewacht" sei. Die Irrationalität durchziehe alle Bereiche: Ein verlorener Handelskrieg gegen China, unerklärliche Belohnungen für Russland, keine Vorstellung davon, woher künftige Steuereinnahmen kommen sollen. Statt auf grüne Energietechnologie zu setzen, klammere man sich "völlig irrational" an Öl und Gas. Das Kernproblem sei die Unfähigkeit, über momentane Launen hinauszudenken. "Das ist ein Zeichen für die Abwesenheit eines Staates", so Snyder – wenn es keine Berater mehr gebe, die vor den Folgen zweiter und dritter Ordnung warnen.

Snyders eindringlichste Warnung betrifft den "vorauseilenden Gehorsam". Wer diese Regel breche, für den ergäben alle weiteren Widerstandsstrategien keinen Sinn mehr. Der Historiker beschrieb eine beunruhigende Beobachtung: Menschen, die autoritäre Entwicklungen bereits normalisiert hätten, verwandelten ihren Verstand in eine "Normalisierungsmaschine". Sie mögen sagen, dass ihnen etwas nicht gefalle, doch wenn man sie frage, ob sie an einem Protest teilnehmen würden, fänden sie stets einen Grund dagegen.

"Wenn man sich entschieden hat, jeden Tag die Dinge zu rechtfertigen, die passieren, kann man mit diesen Menschen nicht wirklich über weitere Schritte des Widerstands sprechen", erklärte Snyder. Die Lektion bleibe dauerhaft relevant – ob man nur ein wenig Widerstand leisten oder in vollständige Opposition gehen wolle.

Hoffnung aus Ungarn: Autoritäre Systeme sind nicht unbesiegbar

Trotz der düsteren Analyse sieht Snyder Grund zur Hoffnung und verweist auf den jüngsten Machtwechsel in Ungarn. Die Niederlage Viktor Orbans beweise, dass sogenannter "kompetitiver Autoritarismus" durchaus besiegbar sei. In solchen Systemen kontrolliere der Machthaber zwar die Medien, betreibe Gerrymandering und verfüge über mehr Schwarzgeld, doch Wahlen könnten dennoch gewonnen werden. "Das ist die große Lektion", betonte Snyder. Was Trump oder Vance demoralisiere, solle die Opposition energisieren. Allerdings warnte er vor passivem Abwarten: Ein autoritäres System falle nicht einfach, weil man in Umfragen führe. "Es fällt, weil man sich lokal organisiert, protestiert und die Menschen dazu bringt, zu glauben, dass ihre Stimme Teil einer bedeutsamen Transformation ist." Entscheidend sei ein so überwältigender Wahlsieg, dass Versuche, an der Macht zu bleiben, von vornherein abgeschreckt würden.

Snyder wurde im Podcast konkret: Wählen gehen, sich an Wählerregistrierungen beteiligen, lokale Organisationen unterstützen, die Menschen zur Stimmabgabe mobilisieren. Wer spenden könne, solle knappe Wahlkreise in umkämpften Bundesstaaten ins Visier nehmen. Ebenso wichtig sei die Teilnahme an Protesten. "Wenn es einen Protest gibt und er sich mit Ihren Ansichten überschneidet, gehen Sie protestieren", forderte der Historiker. Dies aktiviere andere Menschen und verschiebe die öffentliche Meinung. Die "unbesungenen Helden" seien dabei die lokalen Organisatoren – ob Indivisible-Gruppen oder andere Basisnetzwerke. Auch die Rückeroberung patriotischer Symbole sei entscheidend. Wenn Menschen bei Protesten amerikanische Flaggen trügen, drückten sie damit aus: "Das Land ist gerade nicht sein bestes Selbst, aber ich will, dass es sein bestes Selbst wird."

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