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Putin-Vertrauter droht Europa und den USA: Lawrow außer sich - Bündnis-Spekulationen alarmieren Moskau

Russlands Außenminister Sergej Lawrow richtet seine Drohungen auch gegen die USA. Bild: dpa/Jesus Vargas

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  • Lawrow warnt vor neuer europäischer Militärstruktur mit der Ukraine
  • Russland kritisiert die Pläne und spricht von Eskalation
  • In der EU wird eine engere Verteidigungsunion diskutiert

Dass Russlands AußenministerSergej Lawrow rigorose Drohungen ausspricht, ist eigentlich nichts Neues. Erst vor wenigen Tagen sorgte eine Veröffentlichung von Adressen diverser Rüstungsfirmen - darunter auch Deutsche - für Ärger. Von einer "Liste potentieller Ziele" Russlands war die Rede. Der Kreml verschärft den Ton - auch in Richtung USA.

So hat der russische Außenminister Sergej Lawrow mit scharfen Worten auf mögliche Pläne für eine europäische Verteidigungsunion unter Einbeziehung der Ukraine reagiert. In seinen Äußerungen warnte er vor der Entstehung neuer militärischer Strukturen auf dem Kontinent, wie aus einem Video, auf das Anton Gerashchenko bei X Bezug nimmt, hervorgeht.

Lawrow nahm darin auch den US-Berater Keith Kellogg ins Visier. Dieser fördere "aktiv die Idee, dass ein neues Militärbündnis geschaffen werden sollte", so der russische Chefdiplomat. Die Ukraine solle dabei nicht in die NATO aufgenommen werden, da dies bereits von Präsident Trump und seiner Administration abgelehnt worden sei.

Kellogg arbeite jedoch gemeinsam mit europäischen "Granden" daran, einen neuen Militärblock mit der Ukraine als Mitglied zu etablieren – "und nicht nur als Mitglied, sondern als führender Teilnehmer", erklärte Lawrow.

Kubilius plant Verteidigungsbündnis nach Schengen-Modell

Hintergrund der russischen Kritik sind mögliche Überlegungen in Brüssel. EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius habe demnach bestätigt, dass die Europäische Kommission über einen zwischenstaatlichen Vertrag zur Bildung einer Verteidigungsunion diskutiere. Ziel sei es, die EU auf eine eigenständige Verteidigung vorzubereiten, während sich die USA zunehmend auf den indopazifischen Raum konzentriere.

Moskau will Spaltung zwischen Europa und Washington

Die Äußerungen aus dem Kreml folgen einem bekannten Muster. Russland versucht regelmäßig, westliche Sicherheitsinitiativen als Gefahr darzustellen und gleichzeitig Risse zwischen Europa und den Vereinigten Staaten zu vertiefen.

Dass Lawrow sowohl europäische Politiker als auch den US-Berater Kellogg in einem Atemzug nennt, passt in diese Strategie. Moskau zeigt sich besorgt darüber, dass die Ukraine tatsächlich als potenzielles Mitglied einer europäischen Verteidigungsunion gehandelt wird.

Kiew sieht Chance auf Sicherheit ohne NATO-Mitgliedschaft

Für die Ukraine hätte die geplante Verteidigungsunion erhebliche strategische Bedeutung. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs hat sich das Land militärisch eng an den Westen angenähert, ohne jedoch formell einem Bündnis beizutreten.

Eine europäische Verteidigungsstruktur könnte als Zwischenlösung dienen: Sie würde eine engere militärische Einbindung ermöglichen, ohne dass ein offizieller NATO-Beitritt erforderlich wäre. 

Gleichzeitig bleibt die zentrale Forderung der ukrainischen Regierung bestehen: ein klarer Mechanismus für Sicherheitsgarantien, der Russland dauerhaft von weiteren Angriffen abschreckt. 

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