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Karoline Leavitt: Wirbel um angeblichen Nato-Austritt - Sprecherin entsetzt mit Trump-Vorwürfen

Karoline Leavitt machte Trumps Vorwürfe gegen die Nato öffentlich. Bild: picture alliance/dpa/AP | Alex Brandon

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  • Donald Trump attackiert die Nato
  • Karoline Leavitt zitiert Trump: Das Militärbündnis ist gescheitert
  • Kritik an Trumps Vorwürfen
  • Krisenbewältigung: Nato-Generalsekretär Mark Rutte traf sich mit dem US-Präsidenten

Nach einem Treffen im Weißen Haus am Mittwoch hat sich die Krise zwischen den USA und der Nato weiter zugespitzt. US-Präsident Donald Trump empfing Nato-Generalsekretär Mark Rutte zu Gesprächen, die von den Spannungen rund um den Iran-Krieg überschattet wurden. Pressesprecherin des Weißen Hauses Karoline Leavitt äußerte sich - und wiederholte Vorwürfe des US-Präsidenten gegen das Militärbündnis.

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Karoline Leavitt macht Trump-Vorwürfe gegen Nato öffentlich

In einer Pressekonferenz im Weißen Haus hat ein Journalist eine gemeinsame Erklärung europäischer Partner vorgelesen. Darin betonen sie die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus. Er wollte wissen, wie die US-Regierung darauf reagiert. Leavitt las ein Zitat des US-Präsidenten zur Nato vor:

  • "Sie wurden auf die Probe gestellt und sind gescheitert. Es ist ziemlich traurig, dass die NATO den Amerikanern in den letzten sechs Wochen den Rücken gekehrt hat, obwohl es gerade das amerikanische Volk ist, das ihre Verteidigung finanziert."

Donald Trump ätzt gegen Militärbündnis

Leavitt wiederholt damit ähnliche Äußerungen von Trump, die er bereits auf Truth Social teilte. Darin attackierte er das Militärbündnis in Großbuchstaben: "Die Nato war nicht da, als wir sie brauchten, und sie wird auch nicht da sein, wenn wir sie wieder brauchen." Trump brachte erneut den Grönland-Streit ins Spiel. Die Verbündeten sollten sich an die Arktisinsel erinnern, die er als "großes, schlecht verwaltetes Stück Eis" bezeichnete. Anfang des Jahres hatte er noch offen mit einer Übernahme des dänischen Territoriums geliebäugelt.

"Das ist nicht der Krieg der Nato": Trump-Aussage abgestraft

Über die Aussage, dass die Nato den USA den Rücken zugekehrt haben soll, diskutieren viele Nutzer auf der Plattform X. Viele weisen darauf hin, was die eigentliche Aufgabe der Nato ist und kritisieren Trump scharf:

  • "Das ist nicht der Krieg der Nato! Trump hat dieses Chaos ausgelöst und sie nicht informiert!"
  • "@Nato hat weder Amerika noch seinen Verbündeten den Rücken zugekehrt. @Nato hat dem
    @POTUS den Rücken zugekehrt – einem erwiesenermaßen #verrücktenPräsidenten, dem man nicht trauen kann, der die Verbündeten im Unklaren ließ und sie herabgewürdigt hat. Außerdem ist die NATO dazu da, bei der Verteidigung der Verbündeten zu helfen. Nicht dazu, #Kriegsverbrechen zu begehen."
  • "Die Nato ist ein Verteidigungsbündnis und nicht dazu da, Trumps Chaos zu beseitigen!"
  • "Trump macht dieses Land grundlegend unsicherer und instabiler."

Hintergrund zu Trumps Attacken gegen die Nato

Der Konflikt dreht sich um die aus Trumps Sicht unzureichende Unterstützung der europäischen Verbündeten für die amerikanisch-israelische Militäroperation gegen den Iran. Washington hatte die NATO-Partner aufgefordert, bei der Sicherung der strategisch wichtigen Straße von Hormus zu helfen. Die Europäer hielten sich angesichts der andauernden Kampfhandlungen jedoch mit konkreten Zusagen zurück.

Die Straße von Hormus bildet hierbei den Kern des Konflikts. Anfang März hatte der Iran die strategisch bedeutsame Meerenge als Vergeltung für die amerikanisch-israelischen Angriffe mit Minen blockiert. Seitdem ist der Transport von Öl und Flüssiggas aus dem Persischen Golf praktisch zum Erliegen gekommen.

Droht der Bruch mit der Nato?

In den vergangenen Wochen hatte der US-Präsident das Verteidigungsbündnis wiederholt als "Papiertiger" bezeichnet, der in Krisenzeiten keine Hilfe leiste. Auf die Frage eines Reuters-Reporters nach einem möglichen NATO-Austritt entgegnete Trump: "Würden Sie das nicht auch tun, wenn Sie ich wären?" Leavitt ging auf eine Frage über einen möglichen Austritt nicht näher ein und verwies auf das Treffen mit Nato-Generalsekretär Rutte. Trumps wiederholte Attacken haben in Europa Ängste vor einem möglichen US-Austritt aus der NATO geschürt. Allerdings gilt ein solcher Schritt als äußerst unwahrscheinlich: Der amerikanische Senat müsste einem Rückzug mit Zweidrittelmehrheit zustimmen.

Dennoch warnen Experten vor den Folgen der aktuellen Spannungen. "Dies ist ein gefährlicher Punkt für die transatlantische Allianz", sagte Oana Lungescu, ehemalige NATO-Sprecherin und jetzt beim Londoner Thinktank Royal United Services Institute tätig, gegenüber "Reuters". Die Sprecherin des Weißen Hauses, Anna Kelly, machte deutlich, dass Washington die ausbleibende Unterstützung nicht vergessen werde: "Die Vereinigten Staaten werden sich erinnern."

Nato-Generalsekretär will Trumps Schaden begrenzen

Nato-Generalsekretär Rutte bemühte sich nach dem Treffen um Schadensbegrenzung. Im CNN-Interview wies er die Darstellung zurück, dass unter den Verbündeten die Meinung vorherrsche, der Krieg sei völkerrechtlich illegal. "Die NATO hat stets den Standpunkt vertreten, dass die Schwächung der atomaren Fähigkeiten und ballistischen Raketen von entscheidender Bedeutung ist", erklärte er mit Blick auf den Iran.

Der frühere niederländische Ministerpräsident gilt in Europa als "Trump-Flüsterer", der einen besonderen Draht zum US-Präsidenten pflegt. Ein europäischer Diplomat beschrieb seinen Umgang mit Trump als respektvoll, aber wirkungsvoll. Ob bei dem Gespräch ein möglicher Austritt der USA aus dem Verteidigungsbündnis zur Sprache kam, ließ Rutte offen.

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/ife/news.de/dpa/stg

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