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Wladimir Putin: "Wahnhafte Kontrolle" - selbst treue Verbündete wenden sich jetzt ab

Offene Kritik gegen Wladimir Putin ist ein Wagnis in Russland. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin | Kristina Solovyova

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  • Wladimir Putin: Kritiker sprechen von "wahnhafter Kontrolle"
  • Proteste gegen Putin-Maßnahmen trotz Verhaftungswelle
  • Spott über Moskau ohne Internet
  • Wladimir Putin am Pranger: Selbst Kreml-treue Medien üben scharfe Kritik

Wladimir Putin sieht sich mit ungewöhnlichem Widerstand aus der eigenen Bevölkerung konfrontiert. Auslöser ist eine umfassende Abschaltung des mobilen Internets in Moskau sowie die massive Verlangsamung des verschlüsselten Nachrichtendienstes Telegram. Die Maßnahmen haben eine seltene Welle öffentlichen Protests ausgelöst.

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Wladimir Putin: Kritiker sprechen von "wahnhafter Kontrolle"

Selbst langjährige Unterstützer des Kremls wenden sich gegen den russischen Präsidenten. Laut "Daily Star" bezeichnen Kritiker die zunehmenden digitalen Kontrollen als "wahnhaft". Die Behörden versuchten, die Einschränkungen mit Sicherheitserwägungen und ukrainischen Drohnenangriffen zu begründen, doch die Bevölkerung akzeptiert diese Erklärungen nicht.

Der IT-Spezialist Alexander Isavnin, 49 Jahre alt, der einen legalen Protest organisieren wollte, äußerte sich gegenüber NBC News drastisch:

  • "Wir leben im Grunde in einem digitalen Konzentrationslager."

Er beschuldigt Putin, dass jeder russische Bürger sich allein und abgelehnt fühlen solle.

Proteste gegen Putin-Maßnahmen trotz Verhaftungswelle - Spott über Moskau ohne Internet

Der Aktivist Dmitri Kisiew berichtete laut "Daily Star" von Anträgen für Kundgebungen in 17 verschiedenen Regionen des Landes. Sämtliche Genehmigungsanträge wurden von den Behörden abgelehnt. Dennoch wagten sich Demonstranten auf die Straßen, um gegen die digitalen Einschränkungen zu protestieren. Die Überwachungsgruppe OVD-Info dokumentierte mindestens 25 Festnahmen im ganzen Land. Allein in Moskau nahmen Sicherheitskräfte 18 Personen fest.

Moskau ist unterdessen im Internet zur Zielscheibe von Spott geworden.

  • Auf TikTok verbreiteten sich zahlreiche Memes, die Bewohner der Hauptstadt zeigen, wie sie auf Pager und Papierkarten zurückgreifen müssen.
  • Doch aus dem anfänglichen Gelächter entwickelte sich schnell Zorn über die staatlichen Maßnahmen.
  • Die digitale Isolation trifft das tägliche Leben der Menschen offenbar massiv.

Wladimir Putin am Pranger: Selbst Kreml-treue Medien üben scharfe Kritik

Die Welle der Unzufriedenheit erfasst mittlerweile auch jene Kreise, die dem Regime bisher als loyal galten. Die kremltreue Zeitung "Moskowski Komsomolez" veröffentlichte zuletzt einen bemerkenswert kritischen Kommentar. Darin wird die überhandnehmende Zahl sinnloser Verbote angeprangert und hinterfragt, weshalb die Obrigkeit die russische Öffentlichkeit wie "kleine Kinder" behandelt.

Angst vor nordkoreanischem Internet-Modell

In der Bevölkerung wächst laut "Daily Star" die Befürchtung, dass Russland ein nach nordkoreanischem Vorbild abgeschottetes Netz errichten könnte. Ein vollständig vom Staat kontrolliertes und isoliertes digitales System würde bedeuten, dass jegliche Kommunikation staatlicher Überwachung unterliegt. Die Entwicklung der staatseigenen MAX-App wird von Kritikern als Instrument zur Massenüberwachung eingestuft.

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