Wladimir Putin unter Druck: Kremlchef bettelt um Geld - jetzt sollen die Oligarchen bluten
Wladimir Putin soll Oligarchen dazu aufgefordert haben, die klammen Staatskassen aufzufüllen. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin | Kristina Solovyova
Erstellt von Anika Bube
27.03.2026 08.08
- Wladimir Putin Putin soll Oligarchen persönlich zu Zahlungen für den Staatshaushalt gedrängt haben
- Russlands Verteidigungsausgaben und Haushaltsloch setzen den Kreml massiv unter Druck
- Zugleich machte Putin dem Bericht zufolge klar: Der Krieg soll bis zur vollständigen Kontrolle des Donbas weitergehen
Der Ukraine-Krieg verschlingt Unsummen und jetzt soll offenbar Russlands Superreichen die Rechnung präsentiert worden sein. Laut einem Bericht der "Financial Times" hat Kremlchef Wladimir Putin am Donnerstag (26.03.2026) eine große Gruppe prominenter russischer Geschäftsleute persönlich dazu aufgefordert, Geld in die Staatskasse einzuzahlen. Brisant daran ist nicht nur die Bitte selbst, sondern auch das politische Signal dahinter. Der Kremlchef machte unmissverständlich klar, dass Russland den Krieg fortsetzen werde, und die Wirtschaftselite soll helfen, ihn zu finanzieren.
Wladimir Putin bittet Russlands Milliardäre zur Kasse
Wie die "Financial Times" unter Berufung auf drei mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, sprach Putin bei dem Treffen ungewöhnlich offen über seine Linie im Ukraine-Krieg. Demnach erklärte er, Russland werde nicht einlenken, solange nicht alle angestrebten Gebiete im Donbas unter Kontrolle seien. Als Begründung soll Putin auf die von den USA vermittelten Gespräche verwiesen haben. Kiew habe sich dort geweigert, sich einseitig aus der Region zurückzuziehen. Einen zwischenzeitlich diskutierten Vorschlag, den Donbas in eine "entmilitarisierte Zone" umzuwandeln, soll der Kremlchef nach ukrainischer Ablehnung wieder verworfen haben. Im Klartext: Für Putin bleibt der Donbas offenbar nicht Verhandlungsmasse, sondern Kriegsziel.
Dass Putin sich laut Bericht persönlich an die Oligarchen wandte, ist politisch hochbrisant. Denn in Russlands Machtapparat ist eine direkte Ansprache des Präsidenten an die Wirtschaftselite selten bloß eine freundliche Anfrage. Wer in diesem Kreis sitzt, weiß: Eine offene Verweigerung ist faktisch kaum denkbar. Gerade deshalb ist der Vorgang so bemerkenswert. Offenbar ist der finanzielle Druck inzwischen so hoch, dass der Kremlchef selbst aktiv wird. Zwar soll es in Teilen der Wirtschaft durchaus Sorgen über die Auswirkungen des Krieges auf Russlands ökonomische Stabilität geben. Doch öffentlich oder sichtbar stellt sich die Elite nicht gegen Putin. Im Gegenteil: Mehrere Schwergewichte sollen bereits Zahlungsbereitschaft signalisiert haben.
100 Milliarden Rubel zugesagt: Oligarchen knicken vor Putin ein
Wie die "Financial Times" berichtet, erklärten sich mindestens zwei anwesende Geschäftsleute bereit, freiwillige Beiträge zum Staatshaushalt zu leisten. Besonders auffällig: Der Oligarch Suleiman Kerimov, der zuletzt auch mit der umstrittenen Übernahme des Online-Händlers Wildberries in Verbindung gebracht wurde, soll eine Zahlung von 100 Milliarden Rubel zugesagt haben. Auch der Metallmagnat Oleg Deripaska habe einem Beitrag zugestimmt, als er darauf angesprochen worden sei. Sprecher beider Unternehmen reagierten dem Bericht zufolge zunächst nicht auf entsprechende Anfragen. Sollten diese Summen stimmen, wäre das ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr der Kreml inzwischen auf Sondergeld aus dem Machtzirkel der Superreichen setzt.
Russlands Kriegskasse gerät immer stärker unter Druck
Der Hintergrund für Putins Vorstoß liegt auf der Hand:Russlands Krieg ist teuer und die Staatsfinanzen geraten sichtbar unter Spannung. Im vergangenen Jahr stiegen die Verteidigungsausgaben laut Bericht um 42 Prozent und erreichten 13,1 Billionen Rubel. Das ist eine Summe, die selbst für einen rohstoffreichen Staat wie Russland zunehmend schwerer abzufedern ist – vor allem unter dem Druck westlicher Sanktionen und unsicherer Exporterlöse.
Besonders alarmierend: Das Haushaltsdefizit soll sich bereits in den ersten beiden Monaten des Jahres auf mehr als 90 Prozent der für das Gesamtjahr geplanten Summe belaufen haben. Mit anderen Worten: Die Kasse steht früher und schneller unter Druck als geplant.
Zusätzlich belasten die US-Sanktionen Russlands Einnahmeseite. Laut Bericht musste Moskau sein Öl zuletzt mit deutlichen Preisnachlässen verkaufen. Das schmälert nicht nur die Gewinne, sondern kann potenzielle Käufer auch zusätzlich abschrecken. Gerade weil Russland seinen Krieg und seine Staatsausgaben stark über Rohstofferlöse absichert, trifft diese Entwicklung den Kreml an einem empfindlichen Punkt. Putins direkte Ansprache an die Oligarchen wirkt deshalb wie ein weiteres Signal dafür, dass Moskau inzwischen auf jede größere Finanzquelle schaut, die sich noch anzapfen lässt. Und diesmal offenbar nicht mehr nur über Verwaltung, Steuern oder Staatskonzerne, sondern direkt über die Vermögen der Superreichen.
Kremlchef sucht verzweifelt neue Geldquellen
Die milliardenschweren Bitten an Russlands Elite sind dabei offenbar nur ein Teil eines größeren Finanzierungsprogramms. Denn der Kreml hat bereits weitere Maßnahmen eingeleitet, um den Staatshaushalt zu stabilisieren. So wurde im Januar die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte auf 22 Prozent angehoben. Über drei Jahre soll das laut Bericht zusätzliche 600 Milliarden Rubel von kleinen und mittleren Unternehmen einbringen. Heißt: Nicht nur die Oligarchen sollen zahlen, auch die breitere Wirtschaft wird bereits spürbar stärker belastet.
Dazu kommt eine mögliche weitere Verschärfung: Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow kündigte laut Bericht an, dass sogar eine weitere Sondersteuer geprüft werde, falls der Rubel weiter an Wert verliere. Ironischerweise profitiert Russland kurzfristig sogar von einem anderen Konflikt: dem Krieg gegen den Iran. Steigende Ölpreise sollen Moskau derzeit laut Bericht zusätzliche Einnahmen von bis zu 150 Millionen Dollar täglich bescheren. Doch auch dieser Geldsegen scheint im Kreml nicht als verlässliche Dauerlösung zu gelten. Denn Putin soll die anwesenden Geschäftsleute laut Alexander Schochin, dem Präsidenten des russischen Industriellenverbands, ausdrücklich davor gewarnt haben, sich auf diesen Effekt zu verlassen. Der Präsident hoffe demnach, dass der Iran-Konflikt in "drei bis vier Wochen" ende. Das heißt übersetzt: Selbst zusätzliche Krisengewinne reichen dem Kreml offenbar nicht aus, um sich finanziell sicher zu fühlen.
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