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Donald Trump: "Nichts davon ist wahr!" Ex-CIA-Chef zerlegt Trump-Lügen

Ex-CI-Chef wirft dem US-Präsidenten vor, den Bezug zur Wahrheit zu verlieren. Bild: picture alliance/dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson

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  • Ex-CIA-Direktor John Brennan wirft Trump im Iran-Konflikt "Hilflosigkeit" vor
  • Teheran bestreitet weiterhin offizielle Verhandlungen mit Washington
  • Auch ein Ex-US-General sieht den US-Präsidenten strategisch im Nachteil

Donald Trump versucht im Iran-Konflikt weiter, Stärke zu demonstrieren. Doch ausgerechnet aus dem sicherheitspolitischen Establishment der USA kommt nun eine scharfe Abrechnung. Der frühere CIA-Direktor John Brennan wirft dem US-Präsidenten vor, die Lage schönzureden und dabei den Bezug zur Realität zu verlieren. Im Interview mit dem Sender MS Now bezeichnete Brennan Trumps jüngste Aussagen zum Iran sogar als "Akt der Hilflosigkeit".

"Nichts davon ist nahe an der Wahrheit!" Ex-CIA-Chef attackiert Lügen-Trump frontal

Der US-Präsident hatte zu Wochenbeginn erklärt, es gebe Gespräche mit Teheran, und gleichzeitig mit weiteren Militärschlägen gedroht. Für Brennan ist das kein Zeichen von Kontrolle, sondern von wachsender Nervosität im Weißen Haus. Der frühere Geheimdienstchef sparte in seinem Interview nicht mit Kritik. Brennan ist überzeugt, dass Trump in der festgefahrenen Lage nach einem politischen Ausweg sucht und dabei die Wirklichkeit ausblendet. "Trump kann die Wahrheit nicht ertragen, selbst wenn sie ihm mehrfach ins Gesicht schlägt", sagte Brennan. Noch deutlicher wurde er mit Blick auf die Aussagen des US- Präsidenten zum Iran: "Nichts von dem, was Trump sagte, ist nahe an der Wahrheit", so der Ex-Geheimdienstchef weiter. Für Brennan steht fest: Von echten Verhandlungen zwischen Washington und Teheran kann derzeit keine Rede sein.

Iran widerspricht Trump deutlich – Außenminister weist Verhandlungen zurück

Tatsächlich bekam Trump auch aus Teheran prompt Widerspruch. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi stellte am Mittwoch im Staatsfernsehen klar, dass es nach iranischer Lesart keine offiziellen Verhandlungen mit den USA gibt. "Wir haben nicht die Absicht, zu verhandeln. Bisher haben keine Verhandlungen stattgefunden, und ich glaube, dass unsere Haltung vollkommen prinzipientreu ist." Zwar räumte Araghtschi ein, dass über "befreundete Länder oder unterschiedliche Personen Nachrichten ausgetauscht" würden. Doch auch hier zog er eine klare Grenze: Dies sei "weder ein Dialog noch eine Verhandlung", stellte er klar. Damit widerspricht Teheran direkt Trumps Darstellung und stützt indirekt genau jene Zweifel, die Brennan nun öffentlich formuliert.

Iran bleibt trotz Luftschlägen kampfbereit

Auch militärisch sieht die Lage für Washington komplizierter aus, als Trump es darstellt. Trotz der amerikanisch-israelischen Angriffe zeigt sich die iranische Führung weiterhin kampfbereit. Teheran ist demnach nach wie vor in der Lage, Vergeltungsangriffe auf Israel und arabische Staaten durchzuführen. Hinzu kommt ein entscheidender strategischer Hebel: Der Iran hat den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus weitgehend zum Erliegen gebracht. Genau das erhöht den Druck auf die USA und ihre Verbündeten – politisch, wirtschaftlich und militärisch zugleich.

Ex-General vergleicht Trumps Iran-Strategie mit seinem Ukraine-Fehler

Mit Brennan steht Trump nicht allein in der Kritik. Auch der pensionierte US-General Steven Anderson, früher Logistikchef im ersten Irakkrieg, griff die Strategie des Präsidenten scharf an. Im Gespräch mit MS Now zog Anderson einen bemerkenswerten Vergleich zu Trumps Ukraine-Politik. "Im Januar hatte er zu Selenskyj gesagt: Du hast keine guten Karten in der Hand. Das war ein Fehler, er konnte die Karten nur nicht sehen. Und den gleichen Fehler macht er jetzt im Iran." Die Botschaft dahinter ist klar: Trump unterschätzt nach Ansicht seiner Kritiker erneut die strategischen Möglichkeiten seines Gegners.

Straße von Hormus, Uran, Vergeltung: Warum der Iran weiter Druck machen kann

Nach Einschätzung von Anderson verfügt Teheran weiterhin über erhebliche Druckmittel. Dazu gehören vor allem:

  • die Kontrolle über die Straße von Hormus
  • der anhaltende Kampfeswille
  • sowie weiterhin vorhandenes angereichertes Uran

Auch Brennan räumte ein, dass die US-Angriffe das iranische Militär zwar spürbar geschwächt hätten. Doch von einem Einbruch des Widerstands will er nichts wissen. "Aber sie wollen immer noch kämpfen und nicht aufgeben", warnte er. Damit zeichnet sich ein Bild ab, das für Trump politisch gefährlich werden könnte: militärischer Druck ohne klaren Durchbruch – und gleichzeitig keine glaubwürdige diplomatische Lösung.

Brennan setzt auf Türkei und Ägypten als mögliche Vermittler

Trotz seiner harten Kritik an Trump sieht Brennan noch einen diplomatischen Ausweg. Nach seiner Einschätzung versuchen derzeit vor allem die Türkei und Ägypten, beide Seiten zu einer Einstellung der Kampfhandlungen zu bewegen. Sollte das gelingen, könnte aus seiner Sicht auch über einen besonders sensiblen Punkt gesprochen werden: die Sicherheit des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus. Gerade dort entscheidet sich nicht nur ein militärischer Machtkampf, sondern auch ein wirtschaftliches Tauziehen mit globaler Wirkung.

Ein konkreter Durchbruch ist derzeit jedoch nicht in Sicht. Laut dem iranischen Auslandssender Press TV hat Teheran einen amerikanischen Plan zur Beendigung der Kämpfe bereits abgelehnt. Zuvor hatte Pakistan bestätigt, einen 15-Punkte-Friedensplan der USA an den Iran übermittelt zu haben. Bemerkenswert ist auch die Reaktion aus Washington: Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, äußerte sich zu entsprechenden Berichten nur auffallend vorsichtig. Diese enthielten "Elemente der Wahrheit", sagte sie. Das klingt nicht nach einem selbstbewussten diplomatischen Durchbruch, sondern eher nach einer Regierung, die selbst Mühe hat, ihre eigene Linie klar zu erklären.

Die Vorwürfe von Brennan treffen Trump an einem besonders empfindlichen Punkt: seine Glaubwürdigkeit in einer internationalen Krise. Denn während der Präsident weiter den starken Mann gibt, wächst zugleich der Eindruck, dass weder militärisch noch diplomatisch ein klarer Plan erkennbar ist. Unterm Strich bleibt deshalb vorerst vor allem eines hängen: Trump redet von Gesprächen – doch selbst frühere Spitzenleute aus dem US-Sicherheitsapparat glauben ihm offenbar nicht mehr.

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/fka/news.de/stg

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