Donald Trump: "Schande für die Nation!" US-Präsident für Endlos-Gepolter in der Luft zerrissen
Donald Trump hat mit seiner Endlos-Rede zur Lage der Nation einen Rekord gebrochen - und eine massive Welle an Kritik losgetreten. Bild: picture alliance/dpa/Pool The New York Times | Kenny Holston
Erstellt von Claudia Löwe
25.02.2026 08.20
- Donald Trump bricht Rekorde mit Rede zur Lage der Nation
- US-Präsident hält "State of the Union"-Grundsatzrede in Washington
- "The Don" für knapp zwei Stunden Eigenlob, Schamlos-Wahlkampf und wüste Beschimpfungen scharf kritisiert
Eine Stunde und 48 Minuten lang sprach Donald Trump am Abend des 24. Februar 2026 (Ortszeit) in Washington vor dem Senat und Repräsentantenhaus anlässlich der jährlichen "State of the Union"-Grundsatzrede. DDamit sprach der Republikaner länger als jeder Präsident vor ihm seit Beginn der Aufzeichnungen des American Presidency Project im Jahr 1964. Die bisherige Rekordmarke von knapp 1 Stunde und 29 Minuten hatte der Demokrat Bill Clinton bei seiner "State of the Union Address" im Jahr 2000 aufgestellt.
Donald Trump und seine Rede zur Lage der Nation: US-Präsident vor Zwischenwahlen unter Druck
Doch anstelle von neuen Erkenntnissen beispielsweise zur US-Außenpolitik hinsichtlich des Iran-Konfliktes, dem Krisenherd in Gaza oder dem seit vier Jahren tobenden Ukraine-Krieg setzte "The Don" einmal mehr auf die für ihn typische Mischung aus überbordendem Eigenlob, Uneinsichtigkeit, an politische Gegner gerichtete wüste Beschimpfungen und schamlosem Republikaner-Wahlkampf für die im Herbst anstehenden Zwischenwahlen.
Donald Trump suhlt sich die "State of the Union"-Rede in Eigenlob und beschimpft politische Gegner
Gleich u Beginn seiner Rede zur Lage der Nation lobte sich Donald Trump in den höchsten Tönen selbst. "Unsere Nation ist zurück - größer, besser, reicher und stärker als jemals zuvor", sagte er vor beiden Parlamentskammern im Kapitol in Washington. "Das ist das goldene Zeitalter von Amerika", sagte er mit Blick auf Errungenschaften seiner Regierung, nur um Augenblicke später die oppositionellen Demokraten zu verunglimpfen und wüst zu beschimpfen. Die Partei seines Vorgängers Joe Biden sei Trump zufolge verantwortlich für die aktuell hohen Lebenserhaltungskosten in den USA. "Ihre Politik hat die hohen Preise verursacht", sagte Trump wörtlich. Seine Politik dagegen würde das rasch ändern, behauptete er.
Auch an seiner bevorzugten Verschwörungstheorie hielt Trump in seiner Grundsatzrede fest und erneuerte seine widerlegte Behauptung eines angeblichen Wahlbetrugs bei der Präsidentschaftswahl 2020. Seine zweite Amtszeit sollte eigentlich seine dritte sein, "aber es passieren seltsame Dinge", sagte Trump bei seiner Rede zur Lage der Nation vor beiden Kammern des US-Parlaments. Auch Jahre nach Joe Bidens Sieg bei der Wahl 2020 räumt Trump seine Niederlage nicht ein. Stattdessen behauptet der 79-Jährige unverdrossen, er sei damals durch Betrug um den Wahlsieg gebracht worden. Dabei ist das längst und vielfach widerlegt.
Donald Trump als "Schande der Nation" kritisiert in Social-Media-Reaktionen auf Endlos-Rede
Kaum hatte Donald Trump seine Endlos-Rede im Kongress beendet, hagelte es in den sozialen Netzwerken auch schon von allen Seiten bitterbösen Spott. "Raw Story" fasste in einem Beitrag ausgewählte Reaktionen auf Donald Trumps Rede zur Lage der Nation zusammen. Das Fazit: Nicht nur Donald Trump persönlich, sondern auch die hinter dem US-Präsidenten stehende "Make America Great Again"-Bewegung wurde als "Schande für die Nation" und Fremdscham-Auslöser par excellence abgestempelt.
"Nur noch peinlich!" Fremdscham-Reaktionen auf Donald Trumps schamloses Wahlkampf-Gepolter
Die für die britische BBC tätige Politik-Analystin Mary Anne Marsh schrieb nach Trumps Marathon-Ansprache auf X (vormals Twitter): "Das ist ein MAGA-Varieté, das sich als Rede zur Lage der Nation verkleidet hat und sich Wahlkampf-Rhetorik bedient. Es ist eine nationale Schande und alle Welt erkennt das." Nicht minder deutlich ging der Fintech-Experte Spencer Horton mit dem Trump-Gepolter im Kongress ins Gericht: "MAGA ist peinlich und zum Fremdschämen geworden. Ich weiß nicht genau, wann das passiert ist, aber als Bewegung sind sie nur noch peinlich und zu dem geworden, worüber sie sich einst selbst lustig gemacht haben - nämlich über die Art und Weise, wie Progressive auf Ereignisse reagieren und wie sie über die Gesellschaft sprechen."
"MAGA-Kundgebung mit Wutausbrüchen": US-Präsident macht sich mit Ansprache zum Gespött
Klare Worte scharfer Kritik äußerte auch Robert E. Kelly, seines Zeichens Professor für Politikwissenschaft an der südkoreanischen Pusan National University: "Das ist keine Rede zur Lage der Nation. Das ist eine MAGA-Kundgebung mit Wutausbrüchen, parteipolitischer Aggression und ausschweifenden Geschichten - und natürlich in Überlänge." Auch aus dem Lager der Republikaner hagelte es Spott für Trump, wie aus mehreren Posts von Sofia B. Kinzinger hervorgeht, die als republikanische Kommunikationsstrategin unter anderem für Donald Trump tätig war:
- "An alle, die die Rede zur Lage der Nation verfolgen - willkommen zu einer Trump-Kundgebung!"
- "Früher waren offen politische Reden im Repräsentantenhaus verpönt. Sie sollten zur Einheit aufrufen und sich an das amerikanische Volk wenden."
- "Das hat sich mit Trump geändert - und dennoch gibt MAGA der Presse die Schuld an einem gespaltenen Land."
- "Um ehrlich zu sein: Er hat heute keinen einzigen unabhängigen Wähler für sich gewinnen können."
- "Und man darf nicht vergessen: Dieser Mann wollte den Friedensnobelpreis von einer anderen Person haben."
- "Es ist ein Kult. Es ist unheimlich. Sehr unheimlich."
Ähnliche Töne schlug auch Maura Gillespie, ihres Zeichens Strategin und Kommunikationsexpertin, bei X an:
- "In dieser fast zweistündigen Wahlkampfveranstaltung haben wir nichts über den Zustand unserer Nation erfahren."
- "Keine Ahnung, wohin die Reise geht oder was mit dem Iran los ist. Es ist alles nur eine Show für Trump."
- "Einmal mehr triumphiert sein Ego und überschattet die vielen bemerkenswerten Geschichten und Persönlichkeiten, die heute Abend gewürdigt wurden. Und das ist wirklich traurig."
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