Wladimir Solowjow: Wirtschaftskrise - gibt Putins-Propagandist den "Untergang" zu?
Propagandist Wladimir Solowjow spricht über die Folgen von Putins Wirtschaftspolitik. Bild: picture alliance / dpa | Alexander Shcherbak/Tass/Host Ph
Von news.de Redakteurin Sabrina Böhme
16.02.2026 15.29
- Wladimir Solowjow spricht im Fernsehen über Russlands missliche Wirtschaftslage.
- Putin-Propagandist wettert gegen Behörden und offenbart angeblich Russlands Wirtschaftskatastrophe.
- Russlands Wirtschaft stagniert. Bürger spüren Folgen.
Die einst große Volkswirtschaft Russland schlittert in eine Krise. Obwohl das Land die vom Westen aufgrund des Angriffskriegs in der Ukraine verhängten Sanktionen abfederte und einen Wirtschaftsboom erlebte, zeigt sich offenbar ein anderes Bild. Die Bürger leiden schon länger unter den Problemen. Putins Regierung überspielt aber die Lage. Ausgerechnet einer seiner größten Fürsprecher, Wladimir Solowjow, macht im russischen Staatsfernsehen auf die missliche Situation aufmerksam.
Wirtschaft droht Katastrophe? Wladimir Solowjow meckert gegen "Regulierungsbehörde"
Solowjow hat Redebedarf. In seiner Sendung beklagt er sich über die schlechten Zahlen und kritisiert im Fernsehen Behörden. In einem Ausschnitt, den das unabhängige Nachrichtenportal "Nexta" auf der Plattform X teilte, sprach der Propagandist zunächst über "Darlehen mit einem Zinssatz wie diesem." Um welche Darlehen es sich handelt und wie die Zahlen ausfallen, lässt er weg. Dafür meckert er über die "156 Konferenz",auf der den Menschen gesagt wird, dass sie nicht nur weiß sind, sondern schwarz, und dass sie überhaupt nichts verstehen." Die Bürger verstehen sehr wohl, so Solowjow. Das macht er an den geschlossenen Läden in seinem Land fest. Er wettert gegen die "Mega-Regulierungsbehörde". Diese erinnere ihn an den Film "Don't Look Up". In der schwarzen Komödie warnen zwei Wissenschaftler vor einem Asteroideneinschlag. Doch niemand nimmt sie und die drohende Katastrophe ernst. Deutet Solowjow damit eine Katastrophe an?
Putin-Propagandist offenbart Wirtschaftsfolgen
Laut seinen Aussagen liegt einiges im Argen. Wenn die Menschen nach dem Krieg zurückkommen, soll sie eine Wirtschaft erwarten, die eine halbe Million Arbeitsplätze schafft. Dann spricht er davon, dass Menschen Gehälter von 200.000 Rubel gewohnt sind, es sich schließlich aber um 150.000 Rubel handelt. "Können Sie mir zeigen, wo diese Gehälter zu finden sind? Sagen Sie es mir bitte", fragt sich Solowjow. Eine Antwort bekommt er nicht. Er stellt sich weitere Fragen:
- "Wer kann sich das leisten?"
- "Wieso haben Menschen Geldprobleme?"
- "Was veruschen wir zu erreichen?"
Antworten fehlen. Er will nicht von einer „Stagflation" (Kombination aus Stagnation und Inflation") und einer Rezession sprechen. Für ihn sei es eine "technische Rezension". Trotz großartiger "Indikatoren" und der "titanischen Anstrengung der Moskauer Regierung" gebe es geschlossene Restaurants, Geschäfte und leerstehende Gebäude im ganzen Land. Doch "diese dummen Zahlen" lassen sich nicht bekämpfen, philosophiert Solowjow.
Solowjow deckt Wirtschaftszusammenbruch auf?
Gibt Solowjow hier zu, dass Russlands Wirtschaft abstürzt? Das glaubt zumindest "Nexta". Das Nachrichtenportal schreibt zu dem Video: "Was für eine Wendung! Putins Lieblingspropagandist hat zugegeben, dass Russlands Wirtschaft zusammenbricht – und dass alle darüber gelogen haben. Eine neue russische Oppositionsfigur im Entstehen?" Einige Nutzer sehen es ähnlich und machen makabere Andeutungen:
- "Ist es in Ordnung, dass ein so starker Propagandist jemanden kritisiert, der ihm in seiner eigenen Sendung im nationalen Fernsehen so viele Medaillen verliehen hat? Hat die Sendung am nächsten Tag einen anderen Moderator", schreibt ein User.
- "Selbst Propaganda kann den Zusammenbruch Russlands nicht verbergen", meint ein Nutzer.
- "Halte dich von Fenstern fern", rät ihm ein Nutzer und spielt damit auf Berichte von Russen an, die nach einem Fenstersturz starben.
- "Russlands Wirtschaft steht kurz vor dem Untergang. Fast geschafft. Habt Vertrauen", mutmaßt ein User.
- "Der Typ ist ein Möchtegern-Bond-Bösewicht. Aber er ist auch ein Opportunist ohne feste Prinzipien oder Überzeugungen, der sich in jede Richtung dreht, in die der politische Wind weht. Vielleicht also ein Indikator dafür, dass sich der Wind dreht", heißt es in einem Kommentar.
Russlands Wirtschaft bricht ein: Russen wenig optimistisch
Die wirtschaftlichen Probleme sind offensichtlich. Investitionen sind eingebrochen, sogar von einer Bankenkrise war die Rede, wie "n-tv" berichtete. Unter anderem strauchelt die Ölindustrie – eine wichtige Finanzierungsquelle. Diese zapft Putins Regierung vermehrt für die Kriegswirtschaft an. Hier liegt der Hauptfokus. Diese Fokussierung hat Auswirkungen auf die Menschen. Benzin wurde teurer und Arbeitsplätze fehlen. Inwieweit sich besonders die Lage der Banken und der Ölindustrie verbessert, wird sich zeigen. Viele Menschen in Russland fallen längst nicht mehr auf die Propaganda rein. Russen zeigten sich wenig optimistisch. In einer Gallup-Umfrage gaben 39 Prozent der Befragten an, dass sie daran glauben, dass es mit der Wirtschaft noch schlimmer wird.
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