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Wladimir Putin: Angst vor Drittem Weltkrieg - ist diese Ostsee-Insel sein nächstes Ziel?

Nimmt Wladimir Putin diese Ostsee-Insel als nächstes ins Visier? Bild: picture alliance/dpa/Kremlin Pool Planet Pix via ZUMA Press Wire | Mikhail Metzel/Kremlin Pool

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  • Gotland wird zur Nato-Schlüsselstellung: Raketen, Panzer, tausende Soldaten
  • 300 Kilometer von Kaliningrad entfernt: Kontrolle über die gesamte Ostsee
  • Putins Krieg als Auslöser: Von der Urlaubsinsel zum "unsinkbaren Flugzeugträger"

Während Wladimir Putins brutaler Krieg in der Ukraine ins fünfte Jahr geht, rückt eine kleine Insel in der Ostsee ins Zentrum der europäischen Sicherheitsarchitektur. Gotland, Schwedens größte Insel, wird derzeit massiv aufgerüstet – mit modernsten Raketensystemen, neuen Kasernen und Überwachungszentren. Die malerische Urlaubsinsel mit ihrer mittelalterlichen Architektur trägt inzwischen den Beinamen "Natos Anker". Experten bezeichnen das Eiland auch als "unsinkbaren Flugzeugträger", der eine Schlüsselrolle bei der Machtdemonstration in der gesamten Region spielt.

Putins Krieg rückt Gotland ins Zentrum der Nato -300 Kilometer von Kaliningrad entfernt

Deutsche Leopard-Panzer, schwedische CV90-Schützenpanzer und verschiedene Luftabwehrsysteme wurden in den vergangenen Jahren bereits auf der Insel stationiert. Die schwedischen Streitkräfte planen, bis 2027 mindestens 4.000 Soldaten dort zu positionieren. Die Aufrüstung ist keine spontane Reaktion, sie folgt einer strategischen Logik, die tief in der Geografie der Ostsee verwurzelt ist.

Gotland liegt südlich von Stockholm und nur etwa 300 Kilometer von Russlands hochmilitarisierter Exklave Kaliningrad entfernt. Diese Position verleiht der Insel enormen Einfluss über die Schifffahrtsrouten in der Region. Niklas Granholm, führender Experte bei Schwedens Verteidigungsforschungsagentur, erklärte gegenüber "The Sun": "Wenn man Gotland kontrollieren und dort Boden-Luft-Raketen, Boden-Boden-Raketen und Schiffsabwehrraketen platzieren kann, hat man aufgrund der Reichweite und Präzision dieser Systeme die Kontrolle über die gesamte nördliche Ostseeregion." Der ehemalige US-Armeeoffizier Ben Hodges warnte: "Sollte Russland die Insel einnehmen, würde sich das Machtgleichgewicht in der Ostsee erheblich verschieben." Moskau könnte dann "jeglichen Schiffsverkehr durch die dänischen Meerengen stören".

Nach dem Ende des Kalten Krieges zog Stockholm 2005 sämtliche Truppen von Gotland ab. Die Insel, etwa so groß wie Cornwall, wurde vollständig demilitarisiert. Doch Putins illegale Annexion der Krim 2014 änderte alles. Bereits ein Jahr später begann Schweden mit der Wiederaufrüstung und reaktivierte das Gotland-Regiment. Der ehemalige Nato-Planer Philip Ingram erklärte: "Nicht lange nach Russlands illegaler Invasion der Ukraine 2014 wurde Schweden nervös und entwickelte einen Plan, Gotland aus Verteidigungsperspektive zu militarisieren." Das historisch neutrale Schweden vollzog 2024 schließlich den Nato-Beitritt – eine direkte Folge von Putins blutigem Angriffskrieg, der 2022 begann. Oscar Jonsson vom Nato Defense College bestätigte, dass der rasche militärische Aufbau eine Reaktion auf Putins "kleine grüne Männchen" war, die damals die Krim mühelos besetzten.

Baltische Staaten ohne Gotland schutzlos

Sollte die Insel in russische Hände fallen, wären die baltischen Staaten und Finnland Putins Aggression nahezu schutzlos ausgeliefert, warnte Granholm. Im Konfliktfall bliebe Litauen, Estland und Lettland nur eine einzige Landverbindung zur Nato: der Suwalki-Korridor. Dieser schmale Landstreifen zwischen Polen und den baltischen Staaten gilt als "Achillesferse der Nato". Er grenzt direkt an die russische Exklave Kaliningrad und das mit Putin verbündete Belarus. "Die Straßen sind nicht breit genug, die Brücken können keine Panzer tragen, und der Korridor ist verwundbar für Angriffe, weil er so nah an Belarus und Russland liegt", erläuterte Granholm. Sein Fazit ist eindeutig: "Der Landkorridor reicht nicht aus. Man braucht die Kontrolle über die Ostsee." Der Nato-Beitritt Schwedens verschaffte den baltischen Staaten laut Hodges mehr "strategische Tiefe" – mit verbesserten Versorgungslinien für den Ernstfall.

Russische Schattenflotte unter Beobachtung

Im vergangenen Herbst intensivierte Putin seine hybride Kriegsführung in der Ostseeregion erheblich. Mehrere Schiffe wurden europaweit beschlagnahmt – viele standen im Verdacht, Drohnenangriffe zu unterstützen oder Unterseekabel zu durchtrennen. Die sogenannte Schattenflotte besteht aus einer großen Zahl nicht identifizierter Tanker, mit denen Moskau westliche Sanktionen umgeht. Granholm beschrieb die bevorzugte Sabotage-Methode: "Man schleift seinen Anker über den Meeresboden – das ist eindeutig eine Art Kampagne." 

Gotland spielt bei der Überwachung dieser Aktivitäten eine zentrale Rolle. Ingram erklärte: "Gotland ist wichtig für die Bekämpfung von Russlands Schattenflotte, weil alle diese Schiffe dort vorbeikommen oder in die Nähe gelangen müssen, wenn sie nach Kaliningrad oder zu den Ölterminals in St. Petersburg fahren." Hodges betonte, die Insel helfe dabei, russische U-Boote zu überwachen und den Schiffsverkehr im Blick zu behalten.

Nato probt den Ernstfall

Im vergangenen September führten polnische und schwedische Streitkräfte die wegweisende "Operation Gotland Sentry" durch. Die Übung testete die Fähigkeit des Bündnisses, Land-, See- und Luftstreitkräfte im Falle eines Angriffs auf die Insel zu verlegen. Dabei kamen RBS-15-Raketensysteme zum Einsatz, während Nato-Fallschirmjäger aus Militärflugzeugen absprangen. Anfang 2025 simulierten britische, amerikanische und schwedische Truppen eine mögliche russische Invasion und Besetzung der Insel. Mehr als 100 britische Fallschirmjäger der 16. Luftlandebrigade sprangen dabei aus zwei A400-Transportflugzeugen ab. Im März vergangenen Jahres feuerten US-Marines und britische Artilleristen erstmals gleichzeitig ihre HIMARS- und MLRS-Raketensysteme auf Gotland ab – eine Premiere in der Geschichte beider Waffensysteme. Stockholm hat rund 130 Millionen Pfund in die Verteidigung der Insel investiert.

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