Rita Süssmuth ist tot: "Ihre Stimme wird fehlen“ – Politiker trauern um Ex-Bundestagspräsidentin (88)
Die ehemalige Bundestagspräsidentin und Ministerin Rita Süssmuth ist gestorben. Bild: picture alliance/dpa | Christoph Reichwein
Erstellt von Sabrina Böhme
01.02.2026 16.56
- Rita Süssmuth ist tot.
- EX-Bundestagspräsidentin und ehemalige Familienministerin mit 88 Jahren gestorben.
- Politiker trauern um Süssmuth.
Rita Süssmuth übernahm in der Politik wichtige Posten. Sie war Bundestagspräsidentin und Familienministerin. Nun ist sie im Alter von 88 Jahren gestorben,wie der Bundestag mitteilte und eine CDU-Sprecherin bestätigte.
Rita Süssmuth ist tot: Merz und Klöckner trauern um verstorbene Ex-Bundestagspräsidentin
Die Anteilnahme nach Rita Süssmunths Tod ist groß. Zahlreiche Politiker, darunter Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, trauern um die ehemalige Präsidentin des Bundestages. Klöckner habe ihr Tod "tief bewegt", wie sie in einer Mitteilung des Bundestages schreibt.Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die verstorbene ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth als "große Politikerin" gewürdigt. "Rita Süssmuth hat sich lebenslang für Deutschland engagiert", hieß es von Merz in einer Mitteilung. Sie sei Vorbild und Vorkämpferin für die Gleichberechtigung und die politische Wirkkraft von Frauen gewesen.
Auf der Plattform X erinnern sie sich an eine Frau, die sich in ihrer politischen Karriere für Menschen einsetzte:
- "Uns erreicht heute eine Nachricht, die mich sehr traurig macht. Rita Süssmuth ist gestorben. Ich bin dankbar Rita Süssmuth gekannt zu haben. Sie war eine so aufrechte Demokratin und Parlamentarierin mit großer Leidenschaft", schreibt Britta Haßelmann (die Grünen)
- "Die ehemalige Bundestagspräsidentin und Bundesministerin Rita #Süßmuth ist heute von uns gegangen. Die Nachricht vom Tod von Prof. Dr. Rita Süssmuth bewegt mich tief. Im Namen des Deutschen Bundestages verneige ich mich vor einer politischen Ausnahmeerscheinung", verabschiedet sich Julia Klöckner in langen Nachrichten.
- "Mit großem Bedauern habe ich vom Tod Rita Süssmuths erfahren. Rita Süssmuth ist als Politikerin für Frauen UND Männer ein großes Vorbild. Sie hat sich über Jahrzehnte mit starker Stimme für Familien und Frauen eingesetzt, nicht nur als Frauenministerin, auch in ihrer CDU! Sie hat frauen- & gleichstellungspolitische Themen ganz oben auf die Agenda gesetzt, wo sie heute noch hingehören. Bis zuletzt kommentierte sie politisches Zeitgeschehen und ergriff Position in aktuellen Debatten, sie war in bester Weise streitbar und gleichzeitig Brückenbauerin. Ihre Stimme wird fehlen! Mein tief empfundenes Beileid gilt ihren Angehörigen", schreibt Bildungsministerin Karin Prien. (CDU)
Rita Süssmuth litt an Krebs
Viele Jahre litt Rita Süssmuth an Krebs, berichtet die "Bild"-Zeitung. "Es geht mir nicht gut. Aber ich denke positiv und lasse mich nicht unterkriegen", sagte sie 2024. Ob die CDU-Politikerin ihrem Krebsleiden erlag oder an eienr andeen Ursache starb, ist derzeit unklar.
Süssmuth kam am 17. Februar 1937 in Wuppertal als Tochter eines Lehrers zur Welt. Sie studierte Romanistik und Geschichte. Anschließend hängte sie ein Postgraduiertenstudium der Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie an. Süssmuth schlug die wissenschaftliche Laufbahn ein, wurde Professorin für Erziehungswissenschaften zunächst in Bochum und später an der Universität Dortmund.
Als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) sie 1985 als Nachfolgerin von Heiner Geißler (CDU) zur Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit berief, war sie in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Sie war erst vier Jahre zuvor in die CDU eingetreten und bis dahin nach außen kaum in Erscheinung getreten. Im Ministeramt erwarb sie sich aber schnell großes Ansehen. In Umfragen erzielte sie hohe Beliebtheitswerte und wurde bald "lovely Rita" genannt.
Nach ihrer Berufung zur Bundesministerin kandidierte Süssmuth 1987 erstmals für den Bundestag. Sie errang auf Anhieb das Direktmandat im Wahlkreis Göttingen, das sie 1990 und 1994 verteidigte. 1998 reichte es nur für ein Mandat über die CDU-Landesliste Niedersachsen.
Mit ihrem modernen Familien- und Frauenbild war Süssmuth vielen in der Union weit voraus. Sie eckte an - auch bei Kohl. Dass sie Familienpolitik nicht allein auf Verheiratete konzentrieren wollte, war den Konservativen in der Union suspekt. Ihr Einsatz für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 brachte ihr vehemente Kritik aus den eigenen Reihen ein. Das galt auch für ihre Linie bei der sich ausbreitenden Immunschwächekrankheit Aids. "Die Krankheit bekämpfen und nicht die Kranken", lautete ihre Maxime.1988 folgte die CDU-Politikerin Philipp Jenninger an der Spitze des Bundestages nach, der wegen einer missglückten Rede zur Pogromnacht zurücktreten musste. Sie war erst die zweite Bundestagspräsidentin nach Annemarie Renger (SPD). Unter ihrer Führung wurde der Bundestag nach der Wiedervereinigung zum gesamtdeutschen Parlament und vollzog den Umzug von Bonn nach Berlin.
Rita Süssmuth: Vorkämpferin für eine Frauenquote
Engagiert blieb Süssmuth auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag und der aktiven Politik 2002. Sie setzte sich in der von älteren Männern geprägten CDU resolut für eine Frauenquote ein. Auch den Frauenanteil im Bundestag - 32,4 Prozent in der 21. Wahlperiode - hielt Süssmuth für viel zu niedrig und kämpfte daher für Parität.
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