Hausarztpflicht geplant: Termine, Überweisung und mehr - große Änderung trifft Millionen Patienten
Gesundheitsministerin Nina Warken will die geplante Hausarztpflicht auf den Weg bringen. Bild: picture alliance/dpa | Fabian Sommer
Erstellt von Sabrina Böhme
28.01.2026 08.48
- Die Bundesregierung will die Hausarztpflicht einführen.
- Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bringt Pläne auf den Weg: erst zum Hausarzt, dann zum Facharzt.
- Änderungen für Patienten bei Terminen und Überweisungen geplant.
Viele Patienten warten lange auf einen Facharzttermin. Die Pläne der schwarz-roten Koalition sollen dem ein Ende bereiten. Das bedeutet: Zuerst einmal in die Hausarztpraxis. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bringt das Vorhaben jetzt in Gang. Die genaue Gestaltung des neuen Systems ist noch offen. Das ist geplant.
Merz-Regierung für Hausarztpflicht: Das ist geplant
Union und SPD wollen ein verbindliches Steuerungssystem einführen, bei dem man primär - also zuerst - in eine Hausarztpraxis geht. Sie überweist dann bei Bedarf und mit einem Termin in einem bestimmten Zeitraum an Fachärzte. Geht das nicht in einer Praxis, soll man auch zu Fachärzten in eine Klinik gehen können. Das soll eine "Termingarantie" darstellen, wie es im Koalitionsvertrag heißt. Bei Kindern sollen Kinderärzte erste Anlaufstellen sein. Ergänzt werden soll alles durch eine erste digitale Einschätzung noch vor dem Weg zur Praxis.
Wie das System genau aussehen wird, soll jetzt konzipiert werden - auch mit weiterhin möglichen direkten Wegen zu Spezialisten. So sollen etwa Termine bei Frauen- und Augenärzten vom Erst-zum-Hausarzt-Prinzip ausgenommen sein. Auch Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen stehen dafür im Blick. Sie könnten Jahresüberweisungen bekommen oder ein Fachinternist könnte als steuernder Primärarzt auftreten. Stärker einbinden will Warken auch andere Gesundheitsberufe neben Ärzten. Die offizielle Bezeichnung wandelte sich denn auch schon von "Primärarztsystem" in "Primärversorgungssystem".
Warkens Umbaupläne im Gesundheitssystem
Warken sagte nach einem Auftakttreffen zu einem begleitenden Dialog mit Branchenakteuren in Berlin, von der Reform sollten alle profitieren: Patientinnen und Patienten mit mehr Orientierung im komplexen Gesundheitssystem - und Ärztinnen und Ärzte mit einem effizienteren Einsatz ihrer Kapazitäten. Warken machte klar: "Wir können das nicht von heute auf morgen einführen." Der Umbau gehört zu den Großprojekten dieser Wahlperiode, und es ist ein Eingriff in ein komplexes System: 578 Millionen Behandlungsfälle und eine Milliarde Kontakte von Patienten zu Fach- und Hausärzten gibt es nach Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung pro Jahr in den bundesweit 98.500 Praxen. Die Ministerin will bis zum Sommer einen ersten Entwurf für ein Gesetz erarbeiten. Die Einführung, wohl in Stufen, wird dann für 2028 angepeilt.
Bonus oder Gebühr für Patienten, die nicht mitmachen?
Grundsätzlich gilt freie Arztwahl, und die soll nicht abgeschafft werden. Viele gehen auch schon zuerst zum Hausarzt und dann mit Überweisung weiter zur Folgebehandlung oder tiefergehenden Untersuchung bei Spezialisten. Gesetzliche Krankenkassen sind verpflichtet, eine hausarztzentrierte Versorgung (HzV) zu gewähren Das bedeutet: Patienten können das in Anspruch nehmen und erst zu einem Hausarzt oder einer Hausärztin gehen. Dafür können sie günstige Tarife nutzen, schreibt die "Zeit". Generell verpflichtend sind Überweisungen jedoch nicht, sondern nur für bestimmte Fachärzte wie Radiologen. Damit die Steuerung wirkt, sind auch Instrumente im Gespräch: Wenn man sich daran hält, vielleicht ein Bonus. Wenn nicht, vielleicht eine Extragebühr oder womöglich auch keine Überweisung auf Kassenkosten.
Termine, E-Überweisungen und mehr: Digitale Steuerung für Patienten im Gespräch
Eingebettet werden soll die Steuerung digital: Vorab, indem man telefonisch oder online eine erste Einschätzung zur Dringlichkeit und einen Wegweiser für die nächsten Schritte bekommt. Und dann über Termine, die auf einer neutralen einheitlichen Plattform verfügbar werden. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen schlug schon vor, dass man etwa bei einer Kassen-App seine Beschwerden eingibt und erfährt, ob ein Arztbesuch nötig ist oder auch eine Apotheke oder die Hotline der Kassenärzte über die 116 117 helfen kann. Dazukommen sollen dann auch E-Überweisungen.
Reaktionen auf Warken-Pläne: Orientierung ja, Strafe nein
Der Sozialverband VdK befürwortet eine bessere Orientierung, warnt aber vor neuen Sanktionen für Patienten. "Wer Hilfe sucht, benötigt Hilfe, keine Strafe", sagte Präsidentin Verena Bentele. Die Ursache für zu viele Arztkontakte sei kein massenhaft praktiziertes "Ärztehopping". Häufig würden Patienten aber von Praxis zu Praxis geschickt, bis sie eine Diagnose oder Behandlung erhielten. Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen forderte: "Ministerin Warken muss nun liefern." Ein gut gemachtes Primärsystem sei überfällig. Es müsse Haus- und Kinderarztpraxen aber nachhaltig stärken, statt sie zu überlasten. Der Chef der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt hält das System in seiner jetzigen Form für nicht mehr tragbar. "Dass sich jeder auf Kosten der Allgemeinheit aussucht, was ihm am besten passt, das ist weltweit einzigartig, aber nicht fair und definitiv nicht mehr länger leistbar und bezahlbar", zitiert ihn die "Zeit".
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