Gregory Bovino: "Wir sind die Opfer!" US-Grenzschutz-Chef empört mit Aussage nach Todesschüssen
US-Grenzschutz Commander Gregory Bovino schreit in Minneapolis Demonstranten an. Bild: picture alliance/dpa/AP | Jen Golbeck
Erstellt von Anika Bube
26.01.2026 08.56
- US-Beamte erschießen Krankenpfleger Alex Pretti (37) bei Demo in Minneapolis
- Videos zeigen ihn unbewaffnet am Boden, offizielle Darstellung gerät ins Wanken
- Grenzschutz-Chef Gregory Bovino sagt: "Die Opfer sind die Beamten"
Erneu kam es bei einer Demonstration in Minneapolis zu tödilchen Schüssen: Am Samstag (24.01.2026) haben US-Bundesbeamte den 37-jährigen Krankenpfleger Alex Pretti erschossen. Innerhalb von nur fünf Sekunden trafen mindestens zehn Kugeln den Mann. Videoaufnahmen dokumentieren den Ablauf des Vorfalls: Pretti stand zunächst in einer Gruppe von Demonstranten und hielt lediglich sein Mobiltelefon in der Hand. Ein Agent sprühte Pfefferspray auf die Menge. Anschließend drängten mehrere Beamte den Krankenpfleger zu Boden und fixierten ihn auf dem Gehweg. Das US-Heimatschutzministerium erklärte noch am selben Tag, eine Person habe sich Grenzschutzbeamten mit einer halbautomatischen 9-mm-Pistole genähert und "gewaltsam Widerstand" geleistet. Ein Agent habe daraufhin "defensive Schüsse" abgefeuert.
Grenzschutzkommissar Gregory Bovino bezeichnet Agenten als "Opfer"
Einen Tag nach dem tödlichen Vorfall äußerte sich Gregory Bovino, Oberkommandierender des US-Grenzschutzes, in der CNN-Sendung "State of the Union" zu dem Fall. Seine Darstellung sorgte für Aufsehen: "Die Opfer sind die Grenzschutzbeamten – ich gebe den Grenzschutzbeamten keine Schuld", erklärte der 57-Jährige gegenüber Moderatorin Dana Bash. Bovino machte den getöteten Krankenpfleger für sein eigenes Schicksal verantwortlich. "Der Verdächtige hat sich selbst in diese Situation gebracht", sagte er. Pretti habe sich bewusst mit einer Waffe in eine laufende Polizeiaktion eingemischt. Die Beamten hätten in der Nähe einen "gewalttätigen illegalen Ausländer" festnehmen wollen.
Videobeweise zeigen unbewaffneten Mann am Boden
Diese rhetorische Strategie ist unter der Trump-Administration kein Einzelfall. Bereits im Fall der ebenfalls in Minneapolis erschossenen Renee Good hatten Verantwortliche das Opfer für den eigenen Tod verantwortlich gemacht. Die CNN-Moderatorin konfrontierte Bovino während des Interviews mit Bildmaterial vom Tatort. Auf einem Standbild ist zu erkennen, wie ein Beamter dem bereits am Boden liegenden Pretti offenbar die Waffe aus dem Hüftholster zieht. "Warum wurde ein Mann, der nun unbewaffnet war, trotzdem von ihren Agenten erschossen?", fragte Bash. Bovino wollte die Aufnahmen nicht als Beweis akzeptieren. "Wir wollen doch hier jetzt keine Beurteilung der Situation abgeben, auf der Grundlage eines Standbilds", entgegnete er. Die Journalistin zeigte daraufhin ein weiteres Video aus anderer Perspektive, das denselben Vorgang dokumentiert. Der Grenzschutzkommissar blieb bei seiner Linie: "Wir wissen nicht, ob er ihm die Waffe entrissen hat. Das müssen die Ermittlungen zeigen. Die Fakten werden schon ans Licht kommen."
"Weil er dort war!"Gregory Bovino liefert bizarre Erklärung zum Tod vn Alex Pretti
Pretti besaß eine gültige Lizenz für seine Waffe und durfte sie nach dem zweiten Verfassungszusatz legal in der Öffentlichkeit tragen. Auch sein Demonstrationsrecht ist durch den ersten Verfassungszusatz geschützt. Bovino stellte diese Grundrechte nicht infrage, behauptete aber dennoch ein Fehlverhalten des Getöteten. "Er war dort mit einer bestimmten Absicht", erklärte der Grenzschutzkommissar. Als Bash nachfragte, woher er das wisse, antwortete Bovino lediglich: "Weil er dort war. Er hat sich selbst in diese Situation begeben." Weitere Belege für seine Behauptung konnte er nicht liefern. Bovino betonte, die chaotischen und gewaltsamen Situationen in Minneapolis stellten die Beamten vor schwierige Herausforderungen. Die laufenden Ermittlungen würden alle offenen Fragen beantworten.
Im Netz sorgt die Aussage von Bovino für Entsetzen:
- "Ich bin so froh, dass@DanaBashCNN ihn wegen seiner fortwährenden Lügen weiter unter Druck gesetzt hat. Die gesamte Presse sollte sich eine Scheibe davon abschneiden, wie sie seine Aussagen und die Darstellung der Regierung, die diese zu verbreiten versucht, immer wieder auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft hat. Danke, Dana", schreibt ein X-Nutzer.
- "Mensch, glaubt er das wirklich?", heißt es in einem Tweet.
- "Er bezeichnete die Szene auch mehrfach als Aufruhr. Es gibt keine Anzeichen für einen Aufruhr", meint ein anderer X-Nutzer.
- "Tolles Interview, Dana! Du hast ihn in die Enge getrieben, und er hat immer wieder ausgewichen. Du bist eine fantastische Reporterin", ist in einem weiteren Tweet zu lesen.
- "Stellen Sie sich vor, wie schrecklich eine Agentur sein muss, damit die Unternehmensmedien ihr nicht einmal mehr die üblichen Propaganda-Frames glauben", schreibt ein X-Nutzer.
- "Dieser Widerling sieht aus wie ein Nazi in seiner kleinen Uniform", heißt es in einem Tweet.
- "Ich habe dieses Interview gesehen, und Dana hatte diesen widerwärtigen Lügner in die Enge getrieben, sodass er sich abmühte, eine Lüge zu erfinden, die wir ihm vielleicht abkaufen würden", meint ein anderer X-Nutzer.
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