Donald Trump: Angeber-Auftritt in Davos - Lügen des US-Präsidenten entlarvt
Donald Trump verbreitete beim Weltwirtschaftsforum in Davos erneut einige Lügen. Bild: picture alliance/dpa/KEYSTONE | Gian Ehrenzeller
Erstellt von Martin Gottschling
22.01.2026 08.19
- Rede von Donald Trump im Faktencheck
- US-Präsident übertrieb bei verschiedenen Themen maßlos und verbreitete Lügen
- Unter anderem ist kein Wirtschaftsboom in den USA erkennbar
Die Rede von US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum strotzte einmal mehr nur so vor Selbstlob. Der 79-jährige Republikaner verwies auf seine angeblich herausragenden Erfolge im eigenen Land und sprang von einem Thema zum anderen. Doch mit der Wahrheit nahm es Trump dabei zum wiederholten Male nicht so genau. Seine Rede war gespickt von Übertreibungen und Lügen. Journalisten der "Bild" und der Deutschen Presse-Agentur (dpa) haben den Faktencheck gemacht.
Rede von Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum im Faktencheck - diese Lügen verbreitete der US-Präsident
Thema Wirtschaft: Trump versuchte zu belegen, dass er sein Land in Rekordzeit vom schlechtesten in den besten Zustand aller Zeiten geführt habe. Er prahlte unter anderem damit, die US-Stahlproduktion steige um 300.000 Tonnen monatlich und werde sich bald verdoppeln. Doch laut einer Analyse der "Bild" sieht die Realität anders aus: Nach Angaben der World Steel Association bewegt sich die Produktion seit 2021 konstant zwischen 6 und 7,1 Millionen Tonnen jährlich und ein Trendanstieg ist nicht erkennbar. Ebenso wenig stimmt Trumps Aussage vom rasanten Fabrikbau in den USA. Einen Boom habe es laut "Bild" noch 2024 noch während der Biden-Regierung gegeben. Seit Trumps Zollankündigungen im April 2025 seien laut "Wall Street Journal" sogar rund 72.000 Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe verloren gegangen.
Thema Steuern: Auch bei den Steuersenkungen übertrieb Trump laut dpa-Analyse gewaltig. Das im Juli 2025 verabschiedete Steuerpaket "One Big Beautiful Bill" bezeichnete er als "größte Steuersenkung in der Geschichte". Die US-Steuerstiftung widerspricht: Mit einem Rückgang der Steuereinnahmen um 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts landet das Gesetz nur auf Platz sechs – hinter Maßnahmen aus den Jahren 1945, 1948, 1964, 1981 und 2012.
Thema Inflation: Bei der Inflation verdrehte Trump ebenfalls die Tatsachen. Er suggerierte, die Teuerung sei unter seinem Vorgänge Biden "Monat für Monat" gestiegen. Tatsächlich erreichte die Inflationsrate ihren Höchststand bereits im Juli 2022 bei 9,1 Prozent und sank danach kontinuierlich, wie die "Bild" berichtet. Ab Juni 2023 stabilisierte sie sich bei etwa 3 Prozent, zuletzt lag sie bei 2,7 Prozent – alles noch während der Biden-Regierung.
Thema Wahlmanipulation:Auch in Davos wiederholte Trump seine seit Jahren vorgetragene Behauptung, die Präsidentschaftswahl 2020 sei manipuliert gewesen. Diese Aussage bleibt nachweislich falsch. Der Oberste Gerichtshof und zahlreiche weitere Gerichte wiesen sämtliche Klagen der Republikaner zurück. Wahlaufseher bezeichneten den Urnengang sogar als sicherste Wahl überhaupt. In Bundesstaaten wie Georgia fanden zusätzliche Neuauszählungen statt – ohne Hinweise auf Betrug.
Thema China und die Windräder: Trumps behauptete laut "Bild" zudem, China würde Windkraftanlagen zwar produzieren, aber selbst nicht nutzen. Stattdessen verkaufe das Land sie an "Dumme" – gemeint waren damit die Europäer. Die Realität sieht jedoch völlig anders aus. China verfügt über geschätzte 200.000 Windräder und erzeugt damit etwa die Hälfte der weltweiten Windenergieleistung. Allein im vergangenen Jahr kamen rund 80 Gigawatt hinzu, was die gesamte deutsche Windkapazität von 79 Gigawatt übersteigt. Laut dem Global Wind Energy Council betreibt China Stand Frühjahr 2025 mehr als die Hälfte aller weltweit installierten 15.100 Offshore-Windturbinen. 94 Prozent der in China hergestellten Anlagen bleiben im eigenen Land und werden gar nicht exportiert. Die führenden Windkraftanlagenhersteller hatten 2024 mehrheitlich ihren Sitz in China.
Thema Nato-Beistand nach 9/11: Der US-Präsident behauptete in Davos weiterhin, Amerika habe von der NATO niemals etwas erhalten und stets nur eingezahlt. Diese Darstellung blendet einen historischen Moment komplett aus: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 riefen die USA erstmals und bislang einmalig den Bündnisfall nach Artikel Fünf des NATO-Vertrags aus. Deutschland und weitere Verbündete zogen daraufhin in den Krieg gegen die Taliban und Al-Kaida in Afghanistan.
Thema Ukraine-Hilfen: Bei den amerikanischen Unterstützungsleistungen für die Ukraine griff Trump laut "Bild" besonders tief in die Trickkiste. Sein Vorgänger Joe Biden habe dem Land 350 Milliarden Dollar gegeben, behauptete er. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft, das die Ukraine-Hilfen systematisch erfasst, kommt auf einen deutlich niedrigeren Betrag: Von Januar 2022 bis Oktober 2025 belief sich die gesamte US-Unterstützung auf gerade einmal 119 Milliarden Dollar.
Donald Trump prahlt in Davos und verdreht die Wirklichkeit
Fazit: Trumps Auftritt beim Weltwirtschaftsforum fügt sich nahtlos in sein bekanntes Muster ein: große Worte, wenig Substanz. Von der angeblich nicht genutzten chinesischen Windkraft über erfundene Stahlbooms bis hin zu massiv überhöhten Ukraine-Hilfen – der Faktencheck offenbart eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen präsidialer Selbstdarstellung und überprüfbarer Wirklichkeit.
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