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Wladimir Putin blamiert: Geheim-Papier belegt: Russlands Wirtschaft bricht ein

Wladimir Putin betonte beim 7. Östlichen Wirtschaftsforum, sein Land halte den Sanktionen gut stand. Bild: picture alliance/dpa/POOL TASS Host Photo Agency/AP | Uncredited

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Nachdem Russland am 24. Februar 2022 in die Ukraine einmarschiert war, reagierte der Westen mit zahlreichen Sanktionen gegen den Kreml. Ziel war es, die russische Wirtschaft zu schwächen und dadurch eine weitere Finanzierung des Krieges zu erschweren. Während Wladimir Putin erst am Mittwoch beim 7. Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok am Pazifik erneut betonte, sein Land halte den Sanktionen gut stand, tauchte nun ein interner Bericht auf, der für seine Regierung erstellt wurde. Dieser belegt: Der russischen Wirtschaft geht es in Wahrheit alles andere als gut.

Geheim-Papier zeigt: Sanktionen treffen Wirtschaft in Russland hart

"Bloomberg" hatte Einsicht in eine Kopie des vertraulichen Dokuments. Diesem zufolge würde Russland eine längere und tiefere Rezession bevorstehen, weil die Sanktionen Sektoren beeinträchtigen, auf die sich das Land jahrelang verlassen hat, um seine Wirtschaft anzukurbeln. Der Bericht wurde für Klausurtagung von Spitzenbeamten am 30. August erstellt. Personen, die mit den Beratungen vertraut waren, haben laut "Bloomberg" die Authentizität der Unterlagen bestätigt.

Diese Szenarien gibt es für die russische Wirtschaft

In dem Bericht werden insgesamt drei verschiedene Szenarien dargestellt, die alle davon ausgehen, dass der Druck auf die russische Wirtschaft durch die Sanktionen weiter zunimmt und dass sich weitere Länder ihnen anschließen werden. Ein Szenario geht davon aus, dass wirtschaftliche Tiefpunkt bereits im kommenden Jahr erreicht wird (8,3 Prozent unter dem Niveau von 2021), ein anderes rechnet mit dem Tiefpunkt erst im Jahr 2024 (11,9 Prozent unter dem Niveau von 2021). In beiden dieser Szenarien würde die russische Wirtschaft erst am Ende des Jahrzehnts oder später wieder das Vorkriegsniveau erreichen.

Kreml stellt aktuelle Situation positiver dar

Offiziell heißt es seitens des Kremls, der Rückgang werde in diesem Jahr weniger als 3 Prozent betragen und 2023 sogar noch kleiner ausfallen. Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow bezeichnete die Prognosen aus dem internen Bericht gegenüber der Nachrichtenagentur "Tass" als "analytische Schätzungen, die wir verwendet haben, um zu berechnen, was passieren würde, wenn wir keinen Widerstand leisten, nichts tun".

Exporte brechen ein - Was hat das für Auswirkungen?

Laut dem Bericht könnte die scharfe Abkehr Europas von russischem Öl und Gas auch die Fähigkeit des Kremls beeinträchtigen, seinen eigenen Markt zu versorgen. Ein weiterer Rückgang der Produktionsmengen in exportorientierten Sektoren (darunter auch Metall, Chemikalien, Holz) in den nächsten ein bis zwei Jahren sei wahrscheinlich. Durch einen vollständigen Stopp der Gaslieferungen könnten der Regierung beispielsweise bis zu 400 Milliarden Rubel (etwa 6,6 Milliarden Euro) im Jahr an Steuereinnahmen entgehen. Mittelfristig werde es nicht möglich sein, die Einbußen durch neue Exportmärkte vollständig zu kompensieren.

Fehlende Importe sorgen für Probleme in der Landwirtschaft

Auf der anderen Seite fehlen Russland wichtige Importe. Der eingeschränkte Zugang zu westlicher Technologie könnte dazu führen, dass Russland ein oder zwei Generationen hinter den aktuellen Standards zurückbleibt, weil es auf weniger fortschrittliche Alternativen aus China und Südostasien zurückgreifen muss. Dies ist zum Beispiel in der Landwirtschaft ein Problem So seien rund 99 Prozent der Geflügelproduktion von Importen abhängig. Auch Saatgut für Grundnahrungsmittel wie Zuckerrüben und Kartoffeln werde größtenteils aus dem Ausland eingeführt, ebenso wie Fischfutter und Aminosäuren.

EU-Sanktionen zeigen Wirkung

Weiterhin würden Ersatzteile für Flugzeuge ausländischer Herkunft fehlen, mit denen 95 Prozent der Passagiere in Russland befördert werden. Zudem würden nur 30 Prozent der Produktionsmaschinen in Russland hergestellt und die einheimische Industrie habe nicht die Kapazitäten, um die steigende Nachfrage zu decken. Weitere Probleme gibt es auch bei Medikamenten. Etwa 80 Prozent der inländischen Pharmazeutika-Produktion sei von importierten Rohstoffen abhängig. Zudem haben die EU-Sanktionen die Kosten für Straßentransporte verdreifacht. Beschränkungen im Kommunikations- und IT-Bereich könnten außerdem bis 2025 zu einem Mangel an SIM-Karten in Russland führen.

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/bua/news.de

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