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Norddeich/Friedrichskoog: Heuler im Watt - Was Urlauber an der Nordsee beachten müssen

Täglich bestens informiert mit den aktuellen Nachrichten auf news.de (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / daboost

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An der Nordsee hat die Geburtssaison der Seehunde begonnen. Mehr als 7.000 Robben-Jungtiere werden jährlich im deutschen Teil des Wattenmeeres zwischen Juni und Juli geboren. Strandspaziergänger sollten deshalb besonders aufmerksam sein. "Es ist nicht außergewöhnlich, wenn Sie am Strand auf einen Seehund treffen – Sie befinden sich in seinem Schlafzimmer ...", schreibt die Seehundstation Nationalpark-Haus Norddeich in einem Hinweis.

Einige hundert von ihnen starten als sogenannte Heuler mutterlos ins Leben – aber nicht jedes vermeintlich einsame Jungtier braucht tatsächlich Hilfe. Die Nationalparkverwaltungen Hamburgisches, Niedersächsisches und Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer erklären, was Finder tun sollten.

Wie kommt es dazu, dass Jungtiere ihre Mutter verlieren?

Dass Mutter und Jungtier getrennt sind, kann unterschiedliche Ursachen haben: Die Jungtiere werden auf Sandbänken und abgelegenen Stränden bei Ebbe geboren. Ihrer Mutter folgen sie nach Angaben der Nationalparkverwaltung gleich bei der nächsten Flut ins Wasser. Da könne es schon einmal vorkommen, dass beide – etwa durch Strömungen – getrennt werden und der Nachwuchs vermeintlich mutterlos ist.

Zu den weiteren natürlichen Gründen gehören etwa Sommerstürme, eine Krankheit oder der Tod der Mutter. Für eine Trennung kann aber auch der Menschen verantwortlich sein, der in den Lebensraum der Tiere eindringt – etwa durch störendes Verhalten direkt an den Wurfplätzen.

Woher stammt der Name "Heuler"?

Junge Seehunde heulen, jammern aber nicht: "Das Heulen ist ein normaler Kontaktlaut des Jungtieres, mit dem es seine Mutter ruft, kein Klagen", betont die Seehundstation Friedrichskoog auf seiner Webseite. Dieses charakteristische Rufen hat Seehunden, die in der Säugezeit – also in den ersten Lebenstagen bis zu einem Alter von vier bis sechs Wochen – dauerhaft von ihrer Mutter getrennt sind, ihren Namen eingebracht.

Wie erkenne ich ein Jungtier in Not?

"Ob ein Seehundjunges tatsächlich Unterstützung braucht, können nur erfahrene Fachleute beurteilen", teilen die Nationalparkverwaltungen mit. Jeder Robbenfund müsse individuell durch einen Ranger oder Seehundjäger beurteilt werden. Dazu werde das Tier erst einmal beobachtet.

Wartet das Tier vergeblich auf seine Mutter und erscheint zudem nicht fit, entscheidet die Fachperson vor Ort, ob der Heuler in eine Seehundstation eingeliefert wird.

Auch das Alter spielt eine Rolle: Ein Jungtier, das schon von der Mutter entwöhnt und gesund ist, brauche beispielsweise oftmals keine weitere Hilfe.

Einsame Robbe in Sicht – was sollte ich tun und was auf keinen Fall?

Wer ein Jungtier entdeckt, sollte auf Distanz gehen: Es gilt, mindestens 300 Meter Abstand zu halten und den Weg zum Wasser nicht zu versperren. Die Geburtenphase fällt in der Regel in die Tourismushochsaison an der Küste. Gerade während der Ebbe würden die Jungtiere gesäugt und bräuchten viel Ruhe, erklärt eine Sprecherin der Seehundstation Friedrichskoog. Hunde gehören an die Leine und müssen von den Tieren ferngehalten werden.

Auf keinen Fall dürfen Robben angefasst oder gar eingesammelt werden: "Das Jungtier soll unbedingt am Fundort belassen werden, damit die Mutter es gegebenenfalls wiederfinden kann", betonen die Nationalparkverwaltungen in einer Mitteilung. Ein vermeintlicher "Rettungsversuch" sei oft nicht hilfreich: Der menschliche Kontakt könne im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Mutter ihr Junges zurücklässt. Die Tiere können außerdem beißen und dadurch auch Krankheiten übertragen.

Wie geht es mit den Heulern in den Seehundstationen weiter?

Kommt die Mutter nicht zurück, werden die Heuler in eine Seehundstation gebracht. Hier werden sie gewogen, vermessen und gründlich durchgecheckt, bevor sie in den Quarantänebereich kommen. Wenn sie stabilisiert sind, geht es weiter in den Aufzuchtbereich. Dies könne je nach Zustand der Tiere unterschiedlich lange dauern.

Anschließend werden die Tiere, die sicher selbstständig fressen, in das Auswilderungsbecken gebracht, wo sie die letzten Wochen verbringen, bevor es zurück in die Nordsee geht. Dort sollen sie weiter an Gewicht zulegen. Wiegen die kleinen Seehunde mindestens 25 Kilogramm, werden sie nach einer Untersuchung wieder ins Meer entlassen. Im Schnitt sind die Tiere zwei bis drei Monate in der Station.

Wem sage ich Bescheid, wenn ich eine möglicherweise hilflose Robbe entdeckt habe?

Wer eine Robbe entdeckt, kann sich je nach Bundesland bei verschiedenen Stellen melden: Für Hamburg ist das Nationalpark-Haus Neuwerk zuständig, das den Fund an einen Ranger weitervermittelt. In Niedersachsen können sich Finder telefonisch an die Seehundstation Nationalpark-Haus Norddeich wenden.

In Schleswig-Holstein gibt es neben der Seehundstation Friedrichskoog und den Seehundjägern, die via Polizei erreichbar sind, auch eine App fürs Smartphone: Mithilfe der "Robben.App" werden die wichtigsten Informationen über die Standortfunktion des Geräts direkt an die zuständigen Fachleute weitergeleitet. Überall gilt es, den Fundort möglichst genau zu beschreiben, damit das Fachpersonal schnell reagieren kann.

Sind schon Heuler in den Seehundstationen gelandet?

Die Seehundstation Friedrichskoog päppelt bereits erste Tiere auf: Am heutigen Freitag sollen die ersten drei Heuler der Saison – Tilda, Hedda und Ida – aus der Quarantäne in den Aufzuchtbereich umziehen. Sie konnten erfolgreich stabilisiert werden und fressen inzwischen Fische, berichtete die Seehundstation.

In den vergangenen Tagen seien zudem weitere Jungtiere eingeliefert worden, die sich zunächst noch im Quarantänebereich befinden. Je nach Entwicklung des Gesundheitszustandes könnten auch sie bald in den Aufzuchtbereich umziehen, der während der Fütterungszeiten auch für Besucherinnen und Besucher geöffnet ist.

Auch im Nationalpark-Haus Neuwerk wurde seit dem Saisonstart mindestens eine Robbe gemeldet, die anschließend in eine Seehundstation verbracht wurde. Für Niedersachsen lagen zunächst keine Zahlen vor.

Wie viele Jungtiere gab es vergangenes Jahr und wie geht es dem Bestand in der Nordsee?

Laut dem Bericht "Zählungen der Seehunde im Wattenmeer 2025", an dem Forscherinnen und Forscher sowie Verwaltungsmitarbeiter aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden beteiligt waren, nimmt die Zahl der Seehunde im Wattenmeer und auf Helgoland zwar langfristig ab – gleichzeitig wurde aber eine außergewöhnlich hohe Zahl an Jungtieren beobachtet.

Nach vergleichsweise niedrigen Jungtierzahlen in den Jahren 2022 bis 2024 wurde 2025 die zweithöchste absolute Zahl von Jungtieren seit Beginn der grenzübergreifenden Zählungen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, den Niederlanden und in Dänemark verzeichnet. Insgesamt wurden 10.044 Jungtiere gezählt – ein Plus von 22 Prozent gegenüber 2024.

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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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