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Zum Welttag der Ozeane: Wächter der Meere – Wie türkische Fischer Artenvielfalt retteten

Aktuelle Nachrichten rund um das Thema Tiere lesen Sie hier auf news.de (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / satori

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Wenn die See unruhig ist, liegt Ranger Murat Bagci besonders aufmerksam auf der Lauer. "Das ist genau ihr Wetter, dann rechnen sie nicht mit uns", sagt er und meint damit Fischer, die illegal in das Meeresschutzgebiet eindringen. In der Gökova-Bucht an der türkischen Ägäis ist die Fischerei in mehreren Zonen untersagt.

Bekannt ist die Gegend unter anderem für den malerischen Ort Akyaka, ein Paradies für Kitesurfer, und den Fluss Azmak – Touristen kommen für die einzigartige Natur. Doch einst stand das Ökosystem unter anderem wegen Überfischung und den Folgen des Klimawandels am Rande des Zusammenbruchs.

Kurz vor dem Welttag der Ozeane am 8. Juni richtet sich der Blick weltweit auf den Zustand der Meere und den Schutz mariner Ökosysteme. Nach EU-Angaben gelten im Mittelmeer und Schwarzen Meer rund 85 Prozent der untersuchten Fischbestände als überfischt. Die Gökova-Bucht gilt als Musterbeispiel dafür, wie sich bedrohte Meeresgebiete durch konsequente Schutzmaßnahmen erholen können.

Im Jahr 2010 erklärte die Regierung die Gegend zum ersten Meeresschutzgebiet des Landes – heute leben wieder 73 Prozent der türkischen Fischarten in den türkisblauen Gewässern. Der Golf von Gökova dient zudem als Brutstätte für die vom Aussterben bedrohte Mittelmeer-Mönchsrobbe.

Einbindung der lokalen Bevölkerung

Maßgeblich zum Erfolg beigetragen hat eine Initiative rund um den Ingenieur und Unterwasserfotografen Zafer Kizilkaya, die über die Türkei hinaus bekanntgeworden ist. Kizilkayas Mittelmeerschutz-Verein (AKD) bildet Ranger aus - oft ehemalige Fischer aus der lokalen Bevölkerung. Sie überwachen ähnlich wie in Nationalparks an Land das Meeresschutzgebiet. Mit Schnellbooten, Überwachungstechnik und Bodycams ausgestattet, patrouillieren sie in einem Gebiet von 28 Quadratkilometern und melden Verstöße an die Küstenwache.

Die nächste Küstenwache sei 16 Seemeilen entfernt und oft mit anderen Aufgaben ausgelastet, wie der Überwachung von illegaler Migration, sagt Ranger Bagci. Sein Onkel sei Fischer gewesen und als er gehört habe, dass neue Ranger gesucht würden, habe er sich sofort beworben.

In der Gegend seien die Ranger inzwischen akzeptiert und die Menschen hätten ein Bewusstsein für den Meeresschutz entwickelt. Die, die sich nicht an die Verbote hielten und etwa mit Grundschleppnetzen oder Ringwaden fischten, kämen oft von außen, sagt er und lacht: "Aber ich erkenne die verdächtigen Boote schon von Weitem."

Umstrittene Fischereimethode

Die Grundschleppnetz-Fischerei gilt als besonders umstrittene Methode. Dabei schleifen Schiffe Netze über den Meeresboden und zerstören wichtige Lebensräume. In einer Anfang Mai in der Fachzeitschrift "Ocean & Coastal Management" veröffentlichten Studie zeigen die Forscher, dass die Methode zudem das Klima schädigt und die Gesellschaft finanziell belastet. Durch das Aufwirbeln der Sedimente wird dort gespeicherter Kohlenstoff freigesetzt. Verteidiger der Methode argumentieren, dass durch moderne Technik unnötige Bodenberührungen vermieden würden.

Zusätzlich verweist das Forschungsteam auf 75 Prozent Beifang, darunter etwa Delfine und Wale. Die Studienautoren fordern daher als ersten Schritt ein Verbot von Grundschleppnetzen in Schutzgebieten. In Ländern wie Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Spanien erfolgen demnach mehr als 25 Prozent der Grundschleppnetz-Fischerei in Meeresschutzgebieten. Die UN weist darauf hin, dass es zudem oft keine Kontrollen gibt, ob die Verbote eingehalten werden.

Skepsis bei den Fischern

Auf Begeisterung stieß das Ranger-Projekt in Gökova anfangs keineswegs. "Es war außerordentlich schwer, die Fischer zu überzeugen", sagt Tamer Özcan, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft in Akyaka. "Doch die Situation war vollkommen festgefahren", sagt er. Die traditionelle Kleinfischerei drohte auszusterben und Fischer wechselten in andere Sektoren wie den Tourismus. "Sie hatten keine andere Wahl."

Nun, 16 Jahre später, stehen die Fischer hinter dem Projekt. Schon nach drei, vier Jahren habe man die ersten Erfolge gesehen, sagt Özcan. Erhebungen des AKD-Vereins zeigen, dass sich die Vielfalt in der Bucht ab 2022 stark erholte und die Gehälter der Fischer wieder um ein Vielfaches anstiegen.

Zum Lebensunterhalt der Fischer trägt aber auch eine andere Neuerung bei: die Bekämpfung von invasiven Arten. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation WWF erhitzt sich das Mittelmeer infolge des Klimawandels um 20 Prozent schneller als im Durchschnitt aller Weltmeere. Als Folge davon wandern neue Arten durch den Suezkanal ins Mittelmeer ein.

Invasiver Feuerfisch als Delikatesse

In Gökova ist das unter anderem der Löwenfisch, im deutschen Sprachraum besser bekannt als Feuerfisch. Er ist mit seinen rot-weißen Streifen und den Stacheln prächtig anzusehen. Aber er fresse andere Fische und Larven und habe selbst kaum Fressfeinde, erklärt Ilkay Kavak vom AKD-Verein. Der Fisch breite sich daher unkontrolliert aus.

Entgegen der allgemeinen Annahme seien aber nur die Stacheln giftig, das Fleisch dagegen essbar. Der Verein habe Schulungen für die Fischer angeboten und gezeigt, wie man die Stacheln entferne, damit die Fischer den invasiven Fisch jagten, so Kavak. Eine Initiative, die gerne angenommen worden sei, sagt Fischer Özcan, zumal der Verein das Produkt abkaufe und eine Kühlkette zur Verfügung stelle. Inzwischen landet der Löwenfisch als Delikatesse auf den Tellern, etwa im renommierten Mikla-Restaurant in Istanbul.

Das Projekt in der Türkei stößt mittlerweile auf breites Interesse. Man tausche sich mit anderen Anrainern des Mittelmeers aus, etwa mit Frankreich, Spanien und Italien, so Kavak. Das Meeresschutzgebiet in Gökova wurde vor sechs Jahren sogar ausgeweitet, für Ranger Bagci ein Erfolg: "Ich will diese Schönheit schützen", sagt er und zeigt auf das türkisblaue Wasser.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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