Wiesn-Wirte schlagen Alarm: Steht das Oktoberfest vor dem Aus? Dieser Vorstoß sorgt für Zoff
Erstmals in der über 200-jährigen Geschichte des Oktoberfests greift ein Wiesn-Wirt das gesamte Vergabesystem der Festzelte juristisch an. Bild: picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand
Erstellt von Claudia Löwe
27.04.2026 19.31
- Zoff ums Oktoberfest: Althergebrachte Vergabepraxis auf dem Prüfstand
- Wiesn-Gastronom fordert EU-weite Ausschreibung für Oktoberfest-Zelte
Ein beispielloser Rechtsstreit erschüttert das Münchner Oktoberfest. Der Wiesn-Wirt Alexander Egger hat am 16. April bei der Regierung von Oberbayern einen Prüfantrag eingereicht, der die bisherige Vergabepraxis für die großen Festzelte grundlegend infrage stellt.
Oktoberfest-Tradition gerät ins Wanken: Wiesn-Wirt will Vergabepraxis ändern
Der Gastronom fordert, so ist es beispielsweise in der "Bild" zu lesen, eine EU-weite Ausschreibung für zwei der bekanntesten Zelte auf der Theresienwiese: das traditionsreiche Schottenhamel-Zelt, in dem jährlich der offizielle Anstich stattfindet, sowie das Paulaner-Festzelt. Einen derartigen Angriff auf das gesamte Vergabesystem hat es in der Geschichte des weltgrößten Volksfests noch nie gegeben. Die Vergabekammer Südbayern muss nun klären, ob die Zeltvergabe unter das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen fällt. Laut Regierung von Oberbayern soll eine Entscheidung innerhalb von fünf Wochen fallen – spätestens bis zum 21. Mai 2026.
Alexander Egger will auf juristischem Weg Oktoberfest-Zeltvergabe revolutionieren
Hinter dem Prüfantrag steht der 50-jährige Gastronom Alexander Egger, der gemeinsam mit seiner Frau Katharina Wickenhäuser-Egger (47) seit 2022 das "Münchner Stubn"-Festzelt auf der Wiesn führt. Mit gerade einmal 440 Plätzen gehört es zu den kleineren Zelten auf dem Festgelände.
Über Jahre hinweg versuchte das Ehepaar vergeblich, von der Stadt München mehr Kapazitäten für ihr Zelt zu erhalten – etwa einen Biergarten oder eine erweiterte Speisekarte. Im Januar dieses Jahres bewarben sich die beiden dann um deutlich größere Ziele: das Paulaner-Festzelt mit 8.300 Plätzen oder die Bräurosl. Nachdem diese Bewerbung offenbar nicht zum gewünschten Erfolg führte, wählte Egger nun den juristischen Weg, um in die Riege der großen Wiesn-Wirte aufzusteigen.
Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen soll als Hebel wirken
Egger stützt seinen Antrag auf das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB). Dieses schreibt vor, dass Bau- und Dienstleistungskonzessionen ab einem Auftragswert von 5,4 Millionen Euro netto europaweit ausgeschrieben werden müssen. Der Gastronom argumentiert, dass die Vergabe der großen Wiesn-Zelte diese Schwelle überschreitet.
Die Konsequenzen des Prüfantrags sind bereits spürbar: Der städtische Wirtschaftsausschuss, der am 28. April tagt, darf bis zur Entscheidung der Vergabekammer nicht abschließend über die Zulassungen für das Schottenhamel- und das Paulaner-Zelt befinden. Betroffen sind damit die Anträge von Lorenz Stiftl, der das Paulaner-Zelt betreibt, sowie der Familie Schottenhamel. Egger hat bereits angekündigt, bei einem negativen Bescheid in die nächste Instanz zu gehen.
Oktoberfest-Traditionswirte warnen vor dem Untergang der Wiesn
Die etablierten Festzeltbetreiber reagieren mit scharfer Kritik auf den Vorstoß ihres Kollegen. Die Sprecher der großen Wiesnwirte, Peter Inselkammer und Christian Schottenhamel, sehen das bayerische Kulturgut in Gefahr. Das Oktoberfest habe sich in über 200 Jahren zu einem einzigartigen und schützenswerten Erbe entwickelt, das nicht persönlichen Interessen geopfert werden dürfe.
"Die Vergabepraxis hat sich seit Jahrzehnten bewährt und ist ein Garant dafür, dass die Wiesn nach wie vor ein Ort ist, an dem unser bayerisches Brauchtum gepflegt und unsere Traditionen hochgehalten werden", betonte Schottenhamel gegenüber "Bild". Seine Familie führt das älteste Wiesn-Zelt seit 1867 und richtet dort jährlich das traditionelle Anzapfritual mit dem Oberbürgermeister aus. In Wiesn-Kreisen wird Eggers Antrag als Angriff aus den eigenen Reihen gewertet. Ein Wiesnwirt warnte: "Das wäre der Untergang der Wiesn und ihrer Tradition."
Anwalt von Wiesn-Wirt Egger sieht Chancen für fairen Wettbewerb
Eggers Rechtsbeistand Benno Ziegler verteidigt den Vorstoß seines Mandanten entschieden. Eine europaweite Öffnung der Wiesn würde die Monopolstellung der Brauereien beenden und das Gewohnheitsrecht mancher Traditionswirte aufheben, argumentiert er gegenüber "Bild". Das Ergebnis wäre ein fairer Wettbewerb um die begehrten Standplätze.
Der Anwalt räumt seinem Mandanten gute Erfolgsaussichten ein. Egger sei ein solider Geschäftsmann mit ausreichenden finanziellen Mitteln und hohen Qualitätsansprüchen. Selbst bei einer kurzfristigen Entscheidung könne er ein großes Festzelt rechtzeitig zum Oktoberfest-Auftakt am 19. September errichten. Ein Wiesn-Insider bestätigt: "Es ist nicht unrealistisch, dass Herr Egger mit seinem Antrag Erfolg haben könnte."
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