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Irreführender Begriff: "Sondervermögen" wird zum Unwort des Jahres 2025 gewählt

"Sondervermögen" wurde zum Unwort des Jahres 2025 gekürt. Bild: picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand

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  • "Sondervermögen" wurde zum "Unwort des Jahres" gewählt
  • Die Jury betont, dass es sich dabei um einen Euphemismus handelt
  • Im vergangenen Jahr wurde der Begriff "biodeutsch" gekürt

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Der Begriff "Sondervermögen" ist zum "Unwort des Jahres" 2025 gekürt worden. Das gab die Jury der sprachkritischen "Unwort"-Aktion am Morgen in Marburg bekannt. Der Begriff selbst stammt ursprünglich aus der wirtschaftlichen und juristischen Fachsprache. Die vermehrte Nutzung im vergangenen Jahr habe "sehr deutlich die politischen Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme" geprägt, hieß es von der Jury.

"Sondervermögen" wurde wegen irreführender Bedeutung gewählt

Im Bezug auf den Staatshaushalt meint "Sondervermögen" einen Nebenhaushalt, der zur Erfüllung bestimmter Aufgaben eingerichtet werde und grundsätzlich mit der Aufnahme von Schulden oder einer Kreditermächtigung verbunden sei. Da das Wort jedoch nach zusätzlichen Rücklagen klingt, wird somit verschleiert, worum es im Kern eigentlich geht. Kurzum: Es handelt sich um einenEuphemismus für die Aufnahme von Schulden.

Diese wahre Bedeutung sei den meisten Bürgerinnen nicht bekannt gewesen – viele orientierten sich stattdessen an der Alltagsbedeutung. "Durch diese Diskrepanz tritt eine irreführende, euphemistische Bedeutung des Wortes deutlich in den Vordergrund", so Sprecher der "Unwort"-Aktion.

"Zustrombegrenzungsgesetz" belegt den zweiten "Unwort"-Platz

Auf Platz zwei landete der Ausdruck "Zustrombegrenzungsgesetz". Während man es auch als Euphemismus für einen Gesetzesentwurf, der aus migrationsfeindlicher Politik entstanden ist, betrachten könnte, gibt es noch eine weitere Ebene. Bei dem Begriff komme eine "Wassermetapher" zum Einsatz, die Zuwanderung als "Herbeiströmen in großen Mengen" darstelle, so die Kritik seitens der "Unwort"-Jury. Dadurch werde Zuwanderung insgesamt negativ als Bedrohung konnotiert.

Die Jury der institutionell unabhängigen und ehrenamtlichen Aktion "Unwort des Jahres" besteht aus vier Sprachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, einer Journalistin sowie jährlich wechselnden Mitgliedern. 

Dieses Jahr ebenfalls in der Jury vertreten war Autor, Jurist und Journalist Ronen Steinke. Seine persönliche Wahl für das "Unwort des Jahres" fiel auf den Begriff "Umsiedlung", mit dem israelische und amerikanische Politiker - unter anderem Donald Trump - im vergangenen Jahr dafür geworben hätten, die Bevölkerung des umkämpften Gazastreifens gewaltsam zu vertreiben.

533 Begriffe standen als "Unwort des Jahres" zur Auswahl

Das "Unwort des Jahres" wird jährlich aus Vorschlägen ausgewählt, die interessierte Bürgerinnen und Bürger jeweils bis 31. Dezember eines Jahres einsenden können. Dieses Mal zählte die Jury insgesamt 2.631 Einsendungen mit 533 verschiedenen Ausdrücken. Rund 70 davon entsprachen den Kriterien der Jury.

Infrage kommen Begriffe und Formulierungen, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind. Wie häufig ein Begriff vorgeschlagen wurde, ist nicht entscheidend für die Kür zum "Unwort" des Jahres. Für 2024 fiel die Wahl zum "Unwort des Jahres" auf den Begriff "biodeutsch".

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/bua/news.de/dpa

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