Gohrisch: Große Resonanz: Schostakowitsch Tage trotzen der Hitze
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Erstellt von Sarah Knauth
28.06.2026 16.41
Die Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch haben der Hitze getrotzt und können sich über eine große Resonanz freuen. Nach Angaben von Festival-Chef Tobias Niederschlag gab es nur vereinzelt Absagen von Besuchern, die Karten im Vorfeld gebucht hatten. Dafür habe man im Freiverkauf noch Dutzende Tickets absetzen können. Das Festival zu Ehren des Komponisten Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) lockte seit Donnerstag Musikliebhaber aus nah und fern an.
"Dass unser Festival in den vergangenen Tagen wie ursprünglich geplant stattfinden konnte, grenzt an ein Wunder", sagte Niederschlag und dankte Künstlern, Publikum und seinem ganzen Team. Niemand habe sich von den Rahmenbedingungen abschrecken lassen. "Das kann man gar nicht genug hervorheben". Die Auslastung habe bei mehr als 90 Prozent gelegen, die Ticket-Erlöse Rekord-Niveau erreicht.
Schostakowitsch zählt zu den bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er hinterließ ein vielfältiges Gesamtwerk mit 15 Sinfonien, Instrumentalkonzerten, Opern, Filmmusiken, Vokalwerken und Kammermusik. Seine Werke sind fester Bestandteil im weltweiten Konzertbetrieb. Zweimal weilte er in Gohrisch, wo sich ein Gästehaus der DDR-Regierung befand. 1960 komponierte er hier sein 8. Streichquartett – ein sehr persönliches Werk, das als persönliche Abrechnung mit Stalin gilt. Seit 2010 gibt es in Kooperation mit der Staatskapelle Dresden die Schostakowitsch Tage Gohrisch.
Klassik bei mehr als 30 Grad Celsius
Angesichts der Hitze wurde Musikern und Publikum seit vergangenem Donnerstag in Gohrisch viel abverlangt. Die Organisatoren hatten die Besucher gebeten, an die Hitze zu denken, sommerliche Kleidung zu tragen und ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Im Inneren der Scheune, in der die Konzerte im idyllisch gelegenen Ort in der Sächsischen Schweiz stattfinden, herrschten meist mehr als 30 Grad Celsius. Offene Scheunentore sorgten für etwas Abkühlung. Viele Gäste hatten beim Merchandising-Stand einen "Schostakowitsch-Fächer" erworben, der etwas Linderung brachte.
Finale mit deutscher Erstaufführung
Der Abschlusstag begann mit einem Konzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden unter Leitung von Ingo Metzmacher. Neben dem Stück "Cantus in Memory of Benjamin Britten für Streichorchester und eine Glocke" erklangen die Sinfonietta Nummer 2 von Mieczysław Weinberg (1919-1996) und als deutsche Erstaufführung die Sonate für Violine und Orchester in einer Bearbeitung von Krzysztof Meyer, der auch selbst anwesend war. Das Publikum applaudierte stark - auch dem Solisten Vadim Gluzman.
Das Werk von Schostakowitsch soll nach dem Willen der Veranstalter auch in politisch schwierigen Zeiten ein verbindendes Element zwischen Russland und Musikfreunden im Ausland bleiben. "Seine Musik mit ihren tiefen Emotionen und häufig verschlüsselten Botschaften wird mittlerweile auf der ganzen Welt verstanden. Sie ist ein universales Weltkulturerbe, das von den Schrecken der Sowjetzeit kündet, aber auch die Ereignisse der heutigen Welt spiegelt", hatte Niederschlag kurz vor Beginn des Festivals gesagt.
Einfluss jüdischer Musik auf Schostakowitsch steht im Zentrum
Das Festival begann am Mittwochabend mit einem Konzert der Sächsischen Staatskapelle im Dresdner Kulturpalast und ging dann in Gohrisch weiter. Namhafte Interpreten verliehen dem Festival bei sieben Konzerten und einer Lesung Glanz. Gidon Kremer machte mit seiner Kremerata Baltica den Auftakt. Das Streichquartett Quatuor Danel spielte mit der Pianistin Elisabeth Leonskaja, die den diesjährigen Preis des Festivals erhielt.
Die Schostakowitsch Tage, die seit langem international Beachtung finden, beleuchten den Komponisten und sein Umfeld jedes Jahr aus einem anderen Blickwinkel. In diesem Jahr ging es um die Einflüsse jüdischer Musik auf Schostakowitsch. Mit Blick auf die Fußball-WM wäre auch ein anderes Randthema möglich gewesen. Denn der Komponist war ein leidenschaftlicher Fußballfan und besaß sogar einen Schein als Schiedsrichter.
Die 18. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch finden vom 24. bis 27. Juni 2027 statt.
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kns/roj/news.de